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(Real)Satire, Veranstaltungen

Vince Ebert in Salzburg



Foto von: Frank Eidel

„Der Wissenschaftler lässt eine Fliege frei, klatscht in die Hände – und die Fliege fliegt weg.
Darauf hin reißt der Wissenschaftler der Fliege die Flügel aus, klatscht in die Hände …
…und die Fliege bleibt sitzen!
Ganz klar das Fazit: Durch das Ausreißen der Flügel muss die Fliege irgendwie taub geworden sein… “
(frei aus dem Gedächtnis wiedergegeben)

Ich war am Sonntag (03.07.2011)  in der Nähe von Salzburg und hab mir das neue Programm von Vince Ebert angesehen.
Genauer gesagt war´s in der Bachmühle bei Wals-Siezenheim, fast direkt an der Grenze zu Deutschland. Eine sehr schöne Location ( http://www.diebachschmiede.at ), nur etwa 250 Sitzplätze, die fast alle besetzt waren. – Obwohl kaum Werbung dafür gemacht wurde.

Vince Ebert hat ein ganz neues Programm. Nach „denken Sie selbst“ kommt jetzt „Freiheit ist alles“.

Ich gehe ja ganz gerne auf solche Cabaret-Veranstaltungen, zuletzt habe ich mir Alfred Dorfer angesehen und Günther Grünwald. Denen steht Ebert in nichts nach! Ebert hat aber noch einen Vorteil:

Ebert ist eigentlich studierter Physiker (Lt. Homepage an der Uni-Würzburg mit Abschlussnote 1,7!).
Nach eigener Aussage ist er „nach Oskar Lafontaine und Angela Merkel der dritte deutsche Physiker, der sein Geld im Bereich Kabarett und Comedy verdient.“
Dieses Know-How baut er ständig in sein Programm ein, es lebt praktisch aus diesem Spiel zwischen Business-Coach und zerstreuten Professor –  in der Kombination aller möglichen zwischenmenschlichen Alltagsabsurditäten.

Über das „Wesen“ der Freiheit haben sich ja schon Generationen den Kopf zerbrochen, auch Generationen von Naturwissenschaftlern… Bei Ebert wird ein gelbes Absperrband zum Sinnbild dieser Freiheit!
Freiheit durch die Einzäunung der eigenen Person? Hört sich ja irgendwie grotesk an. Nur wenn man überlegt, dass die Freiheit des einzelnen da anfängt, wo sie die Freiheit des anderen nicht mehr beeinträchtigt, dann ist das schon irgendwie richtig.

In dieser Zone, die Ebert  mit dem gelben Band absperrt, ist nun seine Freiheit. Auch die Freiheit sich eine Zigarette anzuzünden!
…um kurz darauf hin zu bemerken, eigentlich Nichtraucher zu sein…. aber er könnte,  wenn er wollte;-)

Jetzt schlägt bei Ebert aber wieder der Naturwissenschaftler durch. Macht Rauchen wirklich frei? – eben nicht, wie das eben so ist mit den Süchten.

Mühelos schafft er diesen wunderbaren Sprung zwischen Philosophie und Physik, die Freiheit zu denken, eben diesem „selbst denken“ seines Programms, zur Befreiung von Konventionen und Religionen.

Er nimmt kein Blatt vor den Mund,  streift ebenso das Christentum wie den Islam, aber auch EHEC ist ein Thema, überhaupt der Bereich Gesundheit mit vielen rationalen und irrationalen Aspekten.

Wichtig ist ihm auch das Thema Bildung in Deutschland, die Defizite gerade im Bereich der Naturwissenschaften.

…und obwohl er im Grunde ziemlich knallhart ist, schafft er es trotzdem sympathisch zu bleiben, auch da wo´s dem einen oder anderen ein bisschen gezwickt hat!
Schließlich hat jeder immer die Freiheit, alles zu sagen! Und die nimmt er sich! …und das versteht man auch! Gut gemacht!

Eberts neues Buch zu dem Thema kommt Anfang September ´raus. Wenn´s so ist wie sein Bühnenprogramm, kann ich´s nur wärmstens empfehlen!

Abschließend wäre noch zu sagen, dass die Schwiegermutter von Vince Ebert in Salzburg wohnt, daher bleibt zu hoffen dass er öfter mal in Salzburg ist und wir noch ein paar Cabaret-Abende mit Vince in der Gegend genießen können!

http://vince-ebert.de/docs/aktuelles/

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Chiemgauer

Diskussionen

4 Gedanken zu “Vince Ebert in Salzburg

  1. Mist, den hab ich verpasst!
    Was muss ich denn abonnieren, um über Kabarett in der Region informiert zu werden?
    (Und jetzt sag nicht, deinen Rss-Feed, das mach ich eh.)

    Verfasst von Fredrika Gers | Juli 17, 2011, 9:56 am
  2. Hallo Rika,

    gute Frage!
    die Bachschmiede in Salzburg ist ein ziemlicher Geheimtipp! klein und übersichtlich. Und für Salzburger Verhältnisse auch günstig. Den Auftritt hab ich nur durch Zufall gefunden. Da hab ich mir jetzt den Newsletter abonniert.
    Im Herbst ist da die Luise Kinseher, die „Bavaria“ vom Starkbieranstich…

    In Grassau gibt´s auch öfter mal Kabarett im Hefter Stadl bzw. Im Hefter-Saal: http://www.grassau.de/de/veranstaltungshoehepunkte-im-herbst-2010. (im Link steht 2010, gemeint ist 2011 ;-)

    Die Stadt Trostberg war immer recht aktiv.

    Und in Rosenheim das KUKO: http://www.kuko.de/main.asp?main=kuko&c1=programm&c2=programm&Monat=0
    …die haben Paul Panzer, die Schwarzmann und andere,

    …aber es wäre mal interessant, solche Veranstaltungen zentral zu sammeln,

    … wobei es mir das beim Kuko etwas schwer fällt. Da bin ich mir bei manchen Veranstaltungen nicht sicher,
    ob es sich vielleicht doch um Comedy handelt, obwohl es nicht als solche gekennzeichnet ist?

    Verfasst von jemseneier | Juli 17, 2011, 1:28 pm
  3. Hallo Peter,

    zunächst meinen Glückwunsch zur Neueröffnung eines viel(Chiemgau)versprechenden Blogs: Schon deshalb, weil die Perspektiven unterschiedlicher nicht sein könnten, die Thematik sich abwechslungsreich ankündigt, und allein schon die Klarstellung hinsichtlich pseudowissenschaftlich-obskurer Praktiken auch und gerade in einem mitunter satirisch aufgezogenen Kontext nicht verkehrt sein kann.

    Warum meine Wortmeldung aber gerade unter einem Beitrag zu Vince Ebert? Ganz kurz (relativ):
    Vor richtig vielen Jahren (die letzten Dinosaurier, die ersten Menschen, Rudolf Steiner und Käpt`n Nemo machten Atlantis unsicher) war ich hoffnungsvoller (meine Meinung) Kabarettisten-Anwärter bei Mathias Repiscus (Schweizer Theaterleiter der Würzburger Kleinkunstbühne Bockshorn; ambitioniertes Ziel: Eine ansehnliche Kopie von Erwin Pelzig, alternativ eine unverwechselbare Spötterpersönlichkeit mit moderatorenhaftem Raubtiercharme) – na jedenfalls konnte der Ebert Vince, der da im fränkisch-satirischen Orbit rumhing und seine Fühler mal hier-, mal dorthin ausstreckte, sein Programm auswendig, ich dagegen noch lange nicht, obwohl im Prinzip fertig geschrieben und damit – prinzipieller noch – bühnenreif. Das konnte natürlich nicht folgenlos bleiben: Der bereits bühnenerfahrene Ebert bekam den Vorzug, ich genoß das Nachsehen. Schön blöd damals, also ich – der sehr knapp mit Zeit ausgestattete Repiscus bot sich Ebert als Regisseur für die anstehenden großen Karrieresprünge an, meiner fiel sozusagen ins Wasser. Aber natürlich gönn` ich dem Herrn Ebert den Auftritt in Salzburg – als Physiker lässt sich so ein Aufstieg ja leicht berechnen, ich mit meiner Zahlenapathie dagegen hab` da einfach nicht den Hauch einer Chance. Und mit Worten allein ist man eh besser in der Politik aufgehoben – vorausgesetzt, man setzt darauf, daß sie folgenlos bleiben…

    Ich denke doch, daß wir uns in absehbarer Zeit ein erstes Mal treffen können. Bis dahin auch weiterhin ein gutes Händchen beim sinnvollem und vorbeugendem Blogbefüllen!

    Verfasst von michaelibach | Juli 18, 2011, 11:32 pm
  4. Hallo Michael,
    Vielen Dank für Deinen Kommentar.
    Ich hab schon soviel Themen im Hintergrund skizziert, daß ich bis Jahresende 2 oder 3 Posts hier bringen könnte, fast alle mit Bezug zum Chiemgau in irrationalen Überzeugungssystemen, Alternaiv-Hudelei etc.
    Satire ist da fast immer mit dabei. Immer allerdings mit der Einschrängung, daß man für die Erkennung von Satire ja sich im Grunde noch den Bezug zur Realität erhalten haben muß. Gerade bei diesen Gemseneiern ist das nicht immer der Fall…

    Verfasst von jemseneier | Juli 20, 2011, 3:40 pm

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