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Wissenschaftstheorie und kritisches Denken

Ausnahmen bestätigen, dass…(Thema Falsifizierbarkeit)


Ausnahmen bestätigen, dass  …die Regel Mist ist!
Das ist mal wieder ein Basis-Artikel zu kritischen Denken!
Die Falsifizierbarkeit: http://de.wikipedia.org/wiki/Falsifizierbarkeit
Eine Art und Weise, wie man Behauptungen (Hypothesen) prüft.

Confirmation Bias

Wir Menschen unterliegen ja grundsätzlich einer speziellen Bestätigungstendenz,
der „Confirmation Bias“, wie man im englischen so sagt.
Das heißt, wir wollen immer unbedingt recht haben!
Wir wollen, das die Regel stimmt, die wir irgendwann einmal aufgestellt haben!
Suchen nur die Bestätigung!
…und denken dabei viel zu einseitig! Blenden das Störende aus!
Ein Beispiel:

Angenommen ich würde jetzt behaupten,

alle frühblühenden Blumen blühen weiß, wie hier so schön auf diesem Foto:

Foto: Tomasz Kuran, GNU-Licence

.

… dann könnte man nun schon mal den Eindruck haben, dass dies so wäre.
Und immer wenn man dann im Frühjahr an diesen weißen Blümchen vorbeigeht,
würde man denken: Stimmt! Hab ich doch wieder recht gehabt! Der Confirmation Bias.

Aber:
kann man so eine Hypothese prüfen? …indem man immer die Situation sucht,
in der die Annahme stimmt?

Eben genau nicht!
Das ist nur gut für das eigene Ego, die Selbstbestätigung, dient aber der Wahrheit nicht!

Wer kritisch mit seiner Hypothese umgeht, dreht die Sache um, versucht sich selbst zu widerlegen,
sucht die Frühblüher, die NICHT weiß sind! Das ist falsifizieren!

… und siehe da:

schon ist der Gegenbeweis erbracht!
Die Ausnahme bestätigt, dass die Regel ziemlicher Mist war!


Nicht so schlimm! … an dieser These hing jetzt nicht mein Herzblut…

Manchmal aber, wenn dann doch die Emotionalität hinzukommt, der gekränkte Forscherstolz,
dann kann´s passieren, das Leute zwar die Lila-Blümchen sehen,
trotzdem immernoch steif und fest behaupten, alle Frühblüher wären weiß!
(klingt doof, ist es auch. Leider kommt es vor…)

In der echten Naturwissenschaft durchlaufen alle Hypothesen diesen Falsifizierbarkeitstest.
Echte Wissenschaftler stellen sich also selbst die Frage:
??? Was muss man tun, um die eigene Hypothese zu widerlegen ???
…und wenn dann das Ergebnis die Hypothese nicht widerlegt,
ist man nah dran, wirklich etwas entdeckt zu haben!
…Sonst hat man Pech gehabt, muss nach einer besseren Theorie suchen.
So funktioniert das mit der Wissenschaft, so entsteht echtes Wissen.

Peinlicher…

… wird´s für Leute, die diese kritische Prüfung nicht selbst machen!
Dann gibt´s nämlich andere, die das übernehmen und eine diebische Freude daran haben,
jemanden dies unter die Nase zu reiben…;-)
Klingt gemein, ist es aber nicht! …  So sind die Regeln, und das ist gut so!
Die Falsifizierbarkeit ist das Verteidigungsmittel der Realität gegenüber der totalen Beliebigkeit, dem Humbug, der Lüge, dem Betrug und dem Bullshit.
Wer dann mal so ertappt worden ist, ist selten einsichtig.

Ausreden!

Die Erklärungen sind dann immer sehr phantasiereich und reichen
– von persönlichen Angriffen (hast ja keine Ahnung, willst nur stänkern und diffamieren…)
– über rechtliche Schritte (die Fotos sind von mir, auf meine Lügen hab ich Copywright!)
– über Esoterik, Pseudowissenschaft, Religion, aufgeschnappte Begriffe beispielsweise aus der Quantenmechanik…(„ja aber die Quanten“)
– über Umdefinitionen (Goetheanische Wissenschaft)
– über Sinnsprüchlein (Shakespeare-Zitate sind da ziemlich modern: „mehr zwischen Himbeern und Erdbeeren als die Schulweissheit…“)
– bis hin zu Verschwörungstheorien („die Pharmaindustrie hat´s gefälscht, die Illuminaten haben´s verschwinden lassen, die Regierung…“)

Falsifizierbarkeit für Laien (wie mich) und das Internet

Das Internet gibt uns ungeahnte Möglichkeiten zur Falsifizierbarkeit! Auch für Laien wie mich.
Mal ein paar Hypothesen zum selber falsifizieren. Ganz sicher ist das zwar auch nicht,
aber tendenziell ist man da ganz gut dabei.

Beispiel 1: Elektrosmog
Die Hypothese lautet: Elektrosmog führt zu Krankheiten.
Vorschlag zur Falsifizierung: In Frankreich heizen die meisten Leute direktelektrisch, d.h. der private Stromverbrauch dürfte pro Kopf wohl fast doppelt so hoch liegen wie bei uns, also müsste es auch sehr viel mehr Elektrosenible geben, bzw. Leute die meinen durch Elektrosmog krank zu sein…
Kurz gegoogelt: Elektrosmog ist in Frankreich beinahe unbekannt! Falsifizierung positiv. Hypothese wiederlegt. Unwahrscheinlich also der Zusammenhang zw. sog. Elektrosmog und Krankheiten.

Beispiel 2: Furchensteine als Erklärung für den Chiemgau-Impakt
Hypothese: In Chiemsee-Nähe werden sog. Furchensteine gefunden. Das sind Kalksteine mit Hohlkehlen. Manche Leute sehen das als Beweis für einen Kometeneinschlag im Chiemgau vor ca. 2500 Jahren.
Vorschlag zur Verifizierung: Wenn dem so ist, dürfte man außerhalb dieses theoretischen Einschlagsgebietes keine dieser Steine finden.
Internetrecherche: Furchensteine mit sehr ähnlichen Aussehen kommen praktisch in der Nähe vieler kalkhaltiger Seen in Bayern und anderswo vor.
http://de.wikipedia.org/wiki/Furchenstein
Falsifizierung positiv! Die Furchensteinerklärung ist wiederlegt. (was aber die Anhänger nicht daran hindert, an den Steinen festzuhalten, wie oben beschrieben…)

Beispiel 3: Chemtrails
Chemtrails ist die Theorie, das spezielle Wolkenformationen künstlich sind,
aus irgendeinem speziellen Chemie-Mix bestehen, um irgendwie die Menschheit zu manipulieren
(naja, von der Basis her schon grober Unfug, siehe Beweispflicht und Existenzbehauptung Chiemseemonster).
Aber lassen wir uns kurz auf die Theorie ein.
Als Wiederlegung würden sich alte Fotografien aus einer früheren Zeit anbieten.
Das hat schon jemand gemacht: http://contrailscience.com/contrail-photos-through-history/
Die Wolkenformationen sind also nicht künstlich, sondern in der Tat Kondesstreifen von Düsenfliegern, Cyrruswolken und andere Wolken.

Falsifizierung positiv. Was da ein paar Leute zu sehen meinen ist also ziemlich normal.

Warum man sich auch als „Nichtwissenschaftler“ mit Wissenschaftslogik und Erkenntnistheorie beschäftigen sollte

Es ist also durchaus sinnvoll, sich ein bisschen mit der Theorie des wissenschaftlichen Arbeitens auseinander zu setzen.
Besonders auch als Laie!
Wir haben heute nicht mehr die wenigen einigermaßen verlässlichen Medien wie vor 20 Jahren.
Das Internet gibt uns eine Vielzahl von Meinungen und Informationen, bewerten müssen wir viel davon heute selber,
dazu braucht es ein bisschen mehr theoretischen Hintergrund.
– Genauso wie´s der Wissenschaftler macht, der nach neuen Erkenntnissen sucht.
Falsifizieren ist hierzu das beste Mittel.
Nerven Sie Ihre Umgebung, indem Sie versuchen mit der ganzen Kunst der Logik etwas zu widerlegen!
Nur so wird echtes Wissen und echte Wahrheit geschaffen!
Nichts ist doofer als Sprüche wie „seien Sie doch mal offen“.
Seien Sie lieber kritisch, das ist viel verantwortungsvoller!

Schöne Grüße, J.

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Über jemseneier

Chiemgauer

Diskussionen

3 Gedanken zu “Ausnahmen bestätigen, dass…(Thema Falsifizierbarkeit)

  1. Gut getroffen!

    Verfasst von rimbao | Juli 16, 2011, 11:08 pm
  2. Hallo Rimbao,
    Danke ;-)
    …ich hab extra für Dich das Beispiel mit den Furchensteinen eingebaut ;-)

    Verfasst von jemseneier | Juli 17, 2011, 11:44 am

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  1. Pingback: Falsifiziert ist wie – beim Schwindel erwischt! | Chiemgau-Impakt-Kompakt - Juli 17, 2011

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