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Wissenschaftstheorie und kritisches Denken

Mobilfunk, die Oberfeld-Studie – und wie gefährlich nicht existente Sendemasten sein können…


Sind ja gerade wieder einige Diskussionen im Gange:
Das inoffizielle chiemgauerische Panikwort  heißt Tetrafunk!.
Ein Mobilfunknetz extra für staatliche Einrichtungen,
das in den nächsten Jahren errichtet werden soll.

Es gibt da so ein nettes „Diskussionsportal“ aus der Waginger-Gegend,
das laufend Elektrosmog thematisiert.
Z.B. hier, oder da, dort auch, dies da, das auch, und noch eins,
…und noch ganz ganz viele hinten nach.
Nachdem meine Diskussionsbeiträge dort zu einem anderen Thema gelöscht wurden,
hab ich auch keine Lust mehr, da direkt etwas zu schreiben.
Dafür gibt´s hier mal wieder einen Gemsenei-Artikel…

Die „Diskussion“  ist ziemlich traurig, weil sie extrem irrational geführt wird.
Alte Kamellen und falsche Prämissen…
Leider ist es so, dass von Mobilfunkgegnern alles ins Feld geführt wird,
was den Mobilfunk irgendwie gefährlich erscheinen könnte.
Da ist man mit der Wahl der Mittel, der Studien und der Leute die das vertreten nicht besonders wählerisch.

... und man fragt sich was denn nun wirklich an Argumenten über bleibt, bei genauerer Betrachtung?

Typischer Fall ist die Reflex-Studie: Fälschungen nachgewiesen!
…trotzdem wird sie immer und immer wieder verlinkt.
Die Reflex-Studie wollte Erbgutschädigungen durch Mobilfunkstrahlung nachweisen,
mehrere Mitarbeiter wurden beim Mogeln  (bzw. mit falschen Daten) erwischt.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-59403083.html
http://www.sueddeutsche.de/wissen/umstrittene-forschungsergebnisse-daten-zur-handystrahlung-gefaelscht-1.1119068

Übrigens wurde diese REFLEX-Studie von der Zigarettenindustrie (die ja grundsätzlich bekannt ist für ihre jahrzehntelange Erfahrung bei HOCHqualitativen Studien im Bereich Umweltmedizin???) mitfinanziert. Ein Schelm, der Böses dabei denkt (wie die Süddeutsche oben im Link z.B….)

… Man will eben in der Szene ungern auf den Gen-Effekt verzichten – ist es doch das, mit dem man den Leuten am meisten Angst machen kann. Ohne Reflex-Studie stehen die echt arm da!
…das wäre dann schon echt doof, haben doch einige dieser Leute ein ganz erträgliches Geschäft auf dieser Mobilfunk-Elektrosmog-Paranoia aufgebaut.

Oberfelds Mobilfunkstudie

Ich habe in diesem Zusammenhang aber auch etwas  von unseren österr. Nachbarn! … ein ganz lustiges Salzburger Gemsenei;-)
Dies würde ich jetzt gerne ein wenig vorstellen.
Eine  Studie aus dem Jahr 2008 , von der man heute nichts mehr hört,
obwohl sie vor ein paar Jahren von einem Salzburger Umweltmediziner,
Herrn Oberfeld medienwirksam ausgebreitet wurde.
Manche werden sich vielleicht noch an die vielen Meldungen über Wochen in Radio, Internet und Fernsehen erinnern?…

Oberfeld wollte in einem Gebiet in der Steiermark  rund um einen ehemaligen(?…) C-Netz-Mobilfunkstandort ein erhöhtes Krebsaufkommen ausgemacht haben.
( Radius 1,2km, Kerngebiet Radius 200m, Zeitpunkt der Erkrankungen zwischen 1984 und 1994)
Er wollte in seiner Studie darstellen, das diese Erkrankungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nur auf die vermeindliche Sendeanlage zurückzuführen wären.

Erinnern Sie sich jetzt wieder? …aber wer weiß heute noch, wie die Geschichte weiter gegangen ist?
Tja, die Oberfeld-Studie. Eine Anreihung von lustigen (um nicht zu sagen peinlichen) Fehlern…

Texanische  Scharfschützen in Salzburg und in der Steiermark

Statistik-Tricks: Kennen Sie die Texanischen Scharfschützen?
Wissen Sie, dass die niemals daneben schießen!
Das geht nämlich überhaupt nicht!
Der Trick ist einfach, man muss nur die Reihenfolge umdrehen:
Zuerst schießen, dann die Zielscheibe  d´rum herum malen;-)

… so wie hier dargestellt:

so trifft man immer! Zuerst schießen…

…dann die Zielscheibe drumrum;-)

    

Ähnliches passiert auch bei manchen Studien.
Beispielsweise wenn man gleich von vorne herein das passende Gebiet aussucht,
in dem  ein Mobilfunkanlage mit einem erhöhten Aufkommen einer Krebserkrankung zusammen fällt (korreliert):
Ziel suchen, dann die Zielscheibe drumrum malen. Genauso hat´s Herr Oberfeld damals gemacht!

Dazu ein Zitat von Martin Röösli, Gutachter und Statistiker:
„Die Hauptschwäche der Studie liegt darin, dass nur ein Gebiet untersucht wurde, bei dem schon vor Beginn der Untersuchung eine auffällige Häufung von Krebsfällen bestand. Es ist nötig für solche Untersuchungen ein grösseres Gebiet mit einzubeziehen. Dies wurde kürzlich für Bayern mit den Daten des dortigen Krebsregisters gemacht. Dabei wurde kein Zusammenhang zwischen der Mobilfunksenderdichte und der Krebsinzidenz beobachtet.“ Quelle

Der Witz an solchem Vorgehen ist,
dass man auf die Art und Weise praktisch alles beweisen kann,
was einem so in den Sinn kommt:
Es gibt immer irgendwo eine Häufung, die rein zufällig ist.
Über die „Texanischen Scharfschützen“ braucht man nur solange suchen,
bis an einer Stelle zwei Faktoren einen Hochpunkt haben:
Man könnte so Nierenerkrankungen in der Nähe von Nagelstudios,
oder Blasenzündung in der Nachbarschaft von Volkshochschulen „beweisen“…

(Nebenbei kamen bei Oberfeld noch weitere Studiendesign-Schwachpunkte hinzu, auf Basis d. Selection Bias und relativ einfach durchschaubaren Zahlentricksereien – Dem „selection bias“ müßte man noch mal ein eigenes Kapitel widmen)

Diese „Texanische Scharfschützentechnik“ wird übrigens auch oft nach Fertigstellung von Studien gemacht!
Man verschiebt  einfach im Nachhinein Gruppen,
malt eine extra Zielscheibe um kleinere ausgewählte Mini-Grüppchen,
schon hat man irgendwelche (meist zufällige) Effekte dargestellt.
Das ist sehr unredlich und ziemlicher Blödsinn! Aber: Es wird immer wieder gerne probiert….
(aktuell auch in der Interphone-Studie, ein paar Zeitungen und Institute sind ihnen da auf den Leim gegangen, weiter unten…)

Die Oberfeld-Studie war also ohnehin grober Unfug.
Egal, die Branche der Baubiologen und die Verkäufer von Schutzeinrichtungen hat sie erfreut aufgegriffen… Man ist schließlich nicht wählerisch.
Und das Radio und die Zeitungen natürlich auch…Paranoia verkauft sich gut!
Aber es kam dann auch noch viel, viel lustiger…

Welche Sendeanlage?

Herr Oberfeld war damals der Meinung,
alle anderen möglichen  Gründe für die Häufung der Krebserkrankungen weitgehend ausgeschlossen zu haben.
Es sollte also nur noch diese Sendeanlage als  Grund gelten.

Tja, und da lag dann plötzlich das eigentliche Problem: Welche Sendeanlage?

Es gab zwar zu einem späteren Zeitpunkt einmal kurz eine D-Netz-Anlage, aber im untersuchten Zeitraum war da nixx…
Es gibt keine Fotos, nichts, auf dem diese Anlage sichtbar wäre
. Auch die österr. Telekom versichert eidesstattlich das dort keine Anlage war. Satellitenbilder zeigen auch keinen Masten.
Oberfeld hatte sich geirrt, hatte sich auf´s „Hörensagen“ verlassen.

Letztendlich musste er peinlicher Weise seine „Studie“ zurückziehen.

Die Presse hat sich kurz in Verschwörungstheorien geübt (böse Mobilfunkindustrie und so…), die Story dann aber ganz schnell begraben….

Mein Fazit:
Der Mobilfunkgegner Oberfeld hat das Unmögliche möglich gemacht: Für seine Fans hat er bewiesen,
das ein nicht existenter Mobilfunksender eine ganz schlimme Gesundheitsgefahr darstellen kann!

Wenn das mal kein Gemsenei in Reinform ist!

Die meisten Leute wissen (wie so oft) leider nicht, wie die Geschichte ausgegangen ist. Die Presse war plötzlich ganz leise…
Was dadurch blieb, war mal wieder die unterschwellige Angst vor dem Mobilfunk!

Weiterführende Infos zur Oberfeld-Studie:

http://www.scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2008/11/dr-oberfeld.php
http://www.psiram.com/ge/index.php/Elektrosmog

Studien allgemein und warum Leute an die Mobilfunk-Hoax glauben

Im Endeffekt hatte die Mobilfunk-Angst nie eine gute Ausgangssituation.

Es gab ein paar Leute die meinten, darauf zu reagieren:
Es ist auch kein Wunder, dass Leute sofort Stress empfinden wenn´s Handy klingelt:
Handy-Klingeln bedeutet eben Angespanntheit, im Business-Alltag zumindest.
Es heißt: sofort präsent sein, egal wo man ist, was man gerade tut. In manchen Branchen rund um die Uhr.
Eigentlich ein ziemlich menschenunwürdiger Stress!
Die Strahlung braucht´s dann gar nicht, um sich schlecht zu fühlen,
den Puls hochschnellen zu lassen und um sich ausgelaugt vor zukommen.

Manche haben das dann aber fälschlicher Weise auf die Strahlung zurück geführt, daher kommt nun die Paranoia.

Die Theorien, wie nun Mobilfunkstrahlung überhaupt schädlich sein soll,
waren ziemlich mau und eher „homöopathisch“ (also nicht vorhanden).
Die Energie dieser Strahlung ist so gering, dass sie im Grunde nichts anstellen kann.
Die Reflex-Studie der Tabak-Industrie, die Geneffekte beweisen wollte ist wegen mehrfachen Fälschungsnachweis untauglich.
„Fallstudien“ entsprechen nur diesem obigen DauerStress-Effekt;
oder entspringen einer pauschalen Umweltparanoia,
wie sie von alterna(t)iven Kreisen geschürt werden.

Trotzdem an dieser Stelle mein Fazit:
Öfter mal Abschalten! Aber nicht wegen der Strahlung, sondern weil Freizeit noch einen Erholungswert haben muss!

Die Interphone-Studie

Die Interphone-Studie war eine länderübergreifende Studie, die teilweise staatlich finanziert wurde, zum Teil aber auch von der Mobilfunkindustrie.
Die Fragestellung war: Gibt es ein erhöhtes Gehirntumor-Risiko durch Mobilfunktelefonieren?

Durchgeführt wurde sie  in 14 Studienzentren in 13 Ländern, und insgesamt 49 Wissenschaftlern. Also extrem breit angelegt:
http://www.bfs.de/de/bfs/forschung/stellungnahmen/Interphone_BfS_Stellungnahme.html

Die Studie konnte kein erhöhtes Krebs-Risiko Gehirn feststellen.
Somit ist die Sache im Grunde geklärt,
die Gefahr von Gehirntumoren durch Mobilfunkstrahlung vom Tisch.

Hey, sie können sich an diesem Punkt jetzt freuen!!!
oder haben sie sich schon so an ihre Mobilfunk-Umweltparanoia gewöhnt,
das Sie sie gar nicht mehr missen wollen? ( sowas soll´s geben…)

Fast vom Tisch!…auch bei Interphone haben die texanischen Scharfschützen wieder zugeschlagen! http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-78832422.html


Es ist so wie beim Chiemsee-Monster!
Die Nichtexistenz kann nicht bewiesen werden. Kein Grund aber daran zu glauben;-)

Tetra Funk

Was ist jetzt damit? Von mir aus kann´s losgehen.
Ein Argument möchte ich allerdings gegen Tetra-Funk schon gelten lassen:
Das ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit.
Braucht es ein weiteres Netz neben den existierenden Mobilfunknetzen,
extra für die Behörden? Oder kann man das Geld sinnvoller ausgeben? Ganz verstanden hab ich das noch nicht. (Vielleicht gibt´s da noch einen Nachtrag)

LG, Jemseneier

Nachtrag: Mittlerweile gibt es einen zweiten Artikel von mir über Tetrafunk!
Es ist doch ein Thema das sich gerade im Chiemgau und im Berchtesgadener Land ausbreitet, also habe ich noch einmal nachgelegt.
Fakten bleiben leider durch die ganze Paranoia ziemlich im Hintergrund!
Ein Fakt davon ist, das das Gefährlichste an der ganzen Sache die Panik ist, die E-Smok-Schwurbler damit verbreiten:
https://chiemgaugemseneier.wordpress.com/2012/02/18/der-zauberer-von-hinterdupfing-galileo-gambit/

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