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Doppeldenk-Wort: Rational – und Hinweis zum Papstbesuch



Aus aktuellen Anlaß möchte ich an die Liste meiner „Doppeldenk„-Wörter noch das Wort „rational“ anfügen:

Rational“ hat in erster Linie eine philosophische und zusätzlich eine technische Bedeutung!

Technisch heißt es: die Optimierung von Produktionsvorgängen, die „Rationalisierung“.
…oder „Wegrationalisieren“, wenn´s um Menschen geht, die Ihre Arbeit verlieren.
Im Grunde hat es für den Einzelnen oft eine negative Bedeutung!

Philosophisch ist das aber was ganz anderes: 
Übersetzt heißt  „Ratio“ ganz einfach Vernunft, oder Verstand,
…den man gebrauchen soll! – nicht die Ideologie, Vorurteile und spirituelle Überzeugungen.
Ohne „Ratio“ gibt es somit keine Philosophie und keine Ethik!
Die Ethik besteht aus einem Grundprinzip,  das ist  Kants kathegorischer Imperativ: „Was Du nicht willst, das man Dir tut, das füg auch keinem anderen zu“. Das setzt aber vernünftiges Denken voraus!
Rationalität ist dadurch auch – um mal einen religiösen Terminus auszuleihen –  Voraussetzung für echte Nächstenliebe!

Das Gegenteil von rational ist:  irrational, unvernünftig, verständnislos, dogmatisch!

Der Trick mancher Demagogen dabei:
Das Wort „rational“ gebrauchen, um Assoziationen mit Technokratismus hervorzurufen.
Das Ziel:
um irrationales unphilosophisches dogmatisches (somit potentiell unethisches) Un-Denken zu forcieren.

Also oft genau das Gegenteil davon, was sie vorgeben!

zum Beispiel:

Der aktuelle Anlass ist ein Artikel im Spiegel über die Bundestagsrede dieses Papstes:

.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,787836,00.html

„Er kritisiert die zunehmende Glaubensferne und Geringschätzung der Religion zugunsten des rein rationalen Denkens im Sinne der Naturwissenschaft. Natur und Schöpfung dürften nicht nur noch nach funktionalen Gesichtspunkten bewertet werden, mahnt der Papst, Ethos und Religion nicht außen vor bleiben. Eine „dramatische Situation“, nennt Benedikt dies. Eine Denkweise, wo es nur um das Funktionieren gehe, gleiche Betonbauten ohne Fenster.“

Ein Aufruf an das Parlament  zu Irrationalen Handeln?
Eine Handeln ohne jede Ratio ist im Prinzip auch ohne jede Ethik!
Rationalität als „Betonbau“, statt dessen mehr Dogmatismus als „Fenster“?

Es geht nicht ganz klar hervor, ob dieses Doppeldenk  nun der Papst oder die Spiegelautoren vollbringen?
Vom Papst hätte ich nichts anderes erwartet – aber warum der Spiegel den Braten nicht riecht,
versteh´ ich nicht. Vielleicht wollte man einfach auch nur nett sein?

Ist es nun besser zu glauben, daß man richtig handelt?
oder besser darüber nachzudenken, was richtig ist?
Ist es verantwortbar, sich sagen zu lassen, was richtig ist, von Dogmatikern? Ich meine nicht!

(Nebenbei: Was das ganze mit dem Chiemgau zu tun hat?
Ratzinger bekam seine Pristerausbildung und sein Abitur in Traunstein, seine Mutter war aus Rimsting)

Weiterführende Links:
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-09/papst-rede-bundestag

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Über jemseneier

Chiemgauer

Diskussionen

8 Gedanken zu “Doppeldenk-Wort: Rational – und Hinweis zum Papstbesuch

  1. Ich kenne solche Wortakrobatik auch aus anderen Bereichen, nicht so herausragend wie der Pabst derzeit, aber dafür schon länger angewandt:
    „Freisetzen“ (von „Arbeitskräften“) = feuern, entlassen.

    „Frei“ klingt ja auch viel netter. Viel netter als arbeitslos.

    Verfasst von yerainbow | September 26, 2011, 3:53 pm
  2. Respekt, da war der Papst in Deutschland und sagte: „Eine vom Weltlichen entlastete Kirche vermag gerade auch im sozial karitativen Bereich den Menschen, den Leidenden wie ihren Helfern, die besondere Lebenskraft des christlichen Glaubens vermitteln.“ Wie recht er hat. Staat und Kirche gehören generell getrennt.

    Verfasst von Susi | September 26, 2011, 7:15 pm
  3. Zur Ratio: Ohne in irgendeiner Weise Papstfan zu sein, eher das Gegenteil: Wer definiert letztendlich, was „vernünftig“ ist? Vieles erscheint vernünftig und ist dennoch unmenschlich. Vielleicht hat er doch nicht so ganz unrecht?

    Verfasst von erinnye | September 27, 2011, 10:42 am
  4. „Vernünftig“ ist immer in Bezug zu etwas. Das Bezugssystem ist Kant: Was Du nicht willst, das man Dir tut…bzw. im Original: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorischer_Imperativ.

    Verfasst von jemseneier | September 27, 2011, 11:13 am
  5. Der verlinkte Wikipedia-Artikel zeigt in der Kritik anderer Philosophen die Schwächen des Kategorischen Imperativs auf:
    „Hegel geht in den Grundlinien der Philosophie des Rechts in seiner Kritik noch weiter und sieht in der im Kategorischen Imperativ zum Ausdruck kommenden „formellen Subjektivität“ der Vernunft die Gefahr, „ins Böse umzuschlagen; an der für sich seienden, für sich wissenden und beschließenden Gewißheit seiner selbst haben beide, die Moralität und das Böse, ihre gemeinschaftliche Wurzel“.[16]“

    Kant selbst hat die „goldene Regel“, das „Was Du nicht willst..“ explizit als nicht dem kategorischen Imperativ zugehörig beschrieben, da es sich um eine Vermeidungsregel handele, die nicht zu Handlungsmaximen führen könne.

    Ich bin der Meinung, dass gerade die schlimmsten Menschheitsverbrechen, die Genozide und Massenmorde und politische und ethnische Verfolgungen, meist, wenn nicht immer, von Menschen ausgeführt wurden, die der Meinung waren, das Gute und Richtige zu tun. Das ist ja gerade das Schlimme daran. Man kann sich da glaube ich mit dem kategorischen Imperativ viel Rechtfertigungspotential basteln.

    An dieser Stelle wäre dann allerdings wieder die goldene Regel, die ja nicht der kat. Imp. ist, hilfreich gewesen.

    Verfasst von erinnye | September 27, 2011, 11:49 am
  6. Hallo Errinnye,

    du hast Recht, Goldene Regel und kathegorischer Imparativ sind nicht ganz ident.
    Ich finde trotzdem, daß hypothetischer und katheorischer Imparativ in Kombination mit vernünftigen Denken das kleinere Übel ist. In der Praxis auch nicht in der Lage, es allen gut zu machen, aber immerhin.

    Die meisten Geozide und Massenmorde waren in der gegebenen Situation durch das Regime,den Glauben etc. „moralisch“ gedeckt.
    Die eigene Ratio hätte hier zu Korrekturn führen können! Das Grundgesetz erlaubt explizit deshalb z.B den Wiederstand vor der Staatsgewalt (http://de.wikipedia.org/wiki/Widerstandsrecht – interessant ist hier übrigens auch der Absatz zur christlichen Rechtsethik).

    Statt dessen also die Ratio, den Verstand abzuschalten?
    Soll man das dem Parlament raten? Was schlägst Du vor?

    Verfasst von jemseneier | September 27, 2011, 12:20 pm
  7. Kann gar nichts vorschlagen, da vollkommen inkompetent und nicht einmal religiös und Verstand abschalten, wäre nicht die Lösung.
    Das Problem sprichst Du aber an, nicht in der Lage sein, es allen gutzumachen. Wer sind die, denen man es eben NICHT rechtmacht?
    Der Punkt scheint mir zu sein, dass es mit der „eigenen Ratio“ der Menschheit nicht so weit her ist. Ansonsten würden diese Dinge nicht immer und immer wieder geschehen. Ich glaube, die menschliche Ratio ist immer irgendwelchen Denksystemen untertan. Ob man sich dessen bewusst ist oder nicht.
    Und insbesondere Politiker sollten eigentlich ihrer Ratio verpflichtet sein, in der Realität sind sie aber eher den Zwängen der Wiederwahl und der Lobbyisten unterworfen. Manchmal wäre da ein wenig Irrationalität im Sinne einer christlich geprägten Ethik durchaus nicht von Nachteil.

    Verfasst von erinnye | September 27, 2011, 1:51 pm
  8. Die eigene Überzeugung, sowieso alles richtig zu machen, ist im grunde eine Immunisierungsstrategie.
    Daher mißtraue man allen Heilsbringern ohne jegliche Selbstzweifel!
    https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Dunning-Kruger-Effekt

    Alles klar?

    Verfasst von yerainbow | September 28, 2011, 8:27 am

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