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Ein Herbst in Orange – der Chiemgau in Bildern


Der Chiemgau ist eine Schönheit! Besonders im Herbst.

Wir hatten ja jetzt einige Wochen wunderschönstes Wetter und durch den Fön bis zu 20°C Außentemperatur.

Die Seen sind ganz still und man kann ganz in Ruhe die Natur und die Landschaft genießen.

Also werde hiermit einfach einmal der Natur im Chiemgau huldigen,
die Gegend in ein paar Fotos darstellen.
… und nebenbei ein klein wenig dazu erzählen.

Übersee

Der Chiemsee in Übersee.
Wo sich den Sommer über Hunderte in der Sonne räkelten ist es jetzt im Herbst ganz ruhig. Nur ein paar Segler sind noch da,
und ein paar Leute die ihren Samstag-Nachmittags-Spaziergang am Ufer entlang machen.

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Steg in Übersee

…und wenn dann der  Spaziergang etwas länger dauert,
sieht man etwas, was auch zu einem guten Teil das Lebensgefühl am Chiemsee ausmacht.

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Tiroler Ache Todarm am Osterbuchberg

Der Chiemsee bekommt sein Wasser aus Österreich, aus der Tiroler Ache(n).
In Tirol heißt der Fluss aber nicht mehr Tiroler- sondern Großache.
Das ist wohl so ähnlich wie mit den Wiener Würstel,
die in Austria auch Frankfurter genannt werden…
Vielleicht hätten sich die Geographen das mit Tirol auch sparen können,
genauso wie das „n“. Bei uns ist es ganz einfach nur „die Ache“.
Hier ein abgeschnittener Bereich(Übersee, Osterbuchberg), aus dem ein ganz niedlicher See entstand.

Ob sich das selbst abgetrennt hat oder irgendwann von Menschenhand begradigt wurde weiß ich nicht.

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Staudacher Filzen

Neben der Ache und in vielen Gebieten zwischen den Chiemgauer Seen und den aufsteigenden Alpen
sind jede Menge Moore und feuchte Wiesen.

Wahrscheinlich hatte es in den flachen Bereichen des südlichen Chiemgaus fast überall so aus gesehen.
Viel davon wurde erst über die Jahrhunderte trockengelegt.
Viel Arbeit und wenig Ertrag für die Bauern.
Die Römer nahmen deshalb auch noch lieber einen „Umweg“ und bauten ihre Straße nördlich am Chiemsee vorbei (Seebruck – römisch: Bedaium).
Der Fernverkehr in Ost-West-Richtung (Zug und Autobahn) führt heute aber südlich des Chiemsees entlang.

Im Frühmittelalter muss die Gegend so ganz anders ausgesehen haben,
heute kaum mehr vorstellbar:
Kaum Straßen, viel (Hoch-)Moor, wenig hohe Vegetation.
So ähnlich wie man es heute in nicht-trockengelegten Hochmoor-Restflächen noch findet,
wie zum Beispiel in der Kendlmühlfilzen:

Hochmoor - Kendlmühlfilzen

In manchen historisierenden Romanen stellt dieses Moor eine Gefahr für Reisende dar:
Reiter hatten zu Pferd in dem weichen Boden kein Durchkommen und wurden eventuell leichte Beute für Räuber und Diebe (heute ist das natürlich ganz anders…;-)
Wäre mal interessant wie weit das historisch belegt ist.

Solche (ähnlichen) Holzbohlenwege sind schon seit mindestens 600 v. Chr. nachgewiesen.

Vor Hundert Jahren sahen auch die Straßen so aus, wie heute manche Forststraße für die Holzwirtschaft.
Der Chiemgau hatte immer etwas zu bieten: nicht nur Natur, sondern auch Rostoffe: Holz, Torf, Zement, Eisen. Das Problem war über Jahrhunderte der Transport.

Forststrasse in Staudach

Beim Transport war man allerdings erfinderisch!
Um zum Beispiel den Salzhandel zu fördern baute man eine der ersten Pipelines überhaupt:
für Salzwasser, mit Rohren aus ausgehöhlten Baumstämmen!
Sie führte von den Bergwerken in Reichenhall bis nach Rosenheim,
wo das Salzwasser (die sogenannte Sole) gesiedet wurde.
Die Soleleitung war von 1810 bis 1958 aktiv, in Grassau ist noch eine Pumpstation erhalten, die die Sole wieder ein Stück den Berg hinauf beförderte.

Klaushäusel - Sole-Pumpstation

wenn man hinter dem Klaushäusl ein wenig den Berg hinauf geht,
bekommt die Landschaft plötzlich eine Richtungsänderung in die vertikale!
Der schmale Bach hatte früher die Pumpstation angetrieben.

Wasserfall Rottau

Früher wurden in den Bergregionen viele dieser kleinen Rinnsale zur Energiegwinnung verwendet (1926 gab es 11900 Wasserkraft-Anlagen in Bayern, heute nur noch 4200).
Heute empfindet man diese Gebäude auch als Teil der Landschaft. So wie man es eben gewohnt ist.

Später kamen dann die Eisenbahn und in den 1930ern die Autobahn. Und die Touristen.

Irgendwie hat man immer im Chiemgau eine gesunde Mischung aus Natur und Technik gefunden.
Die Leute mussten manchmal sehr erfinderisch sein.
Aus der Not wurde oft eine Tugend!
Vielleicht beschert uns die Energiekrise auch wieder Jahrzehnte für Tüftler mit Ideen,
Leute die versuchen wieder Zusammenhänge zu verstehen: Physik, Logik, Technologie und Naturwissenschaften. All das was uns weiterhilft.
Ich behaupte, der Sinn für Mechanik, für das Zusammenspiel von Rädern und Schrauben ist die elementare Art und Weise,
um in dieser Welt wirklich etwas verstehen zu können.
Übrigens: Auch wenn man die Welt verstehen will, so verliert sie für einen dabei nichts an ihrem Reiz und an ihrer Schönheit.

Reifinger Weiher - Grassau

Buchenwald am Schnappenberg Staudach

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Chiemgauer

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