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Ein Weg hinters Licht


Ich bin gestern seit langem einmal wieder in der Buchhandlung im Nachbarort gewesen
und war echt über die Fülle an Hard-Core-Esoterik erstaunt! (Wände!)
Engelsratgeber, Lichtarbeiter, Auraheiler und andere Geistergeschichten ohne Sinn und Verstand.
Ich nehme das jetzt mal als Anlass, eine Rezension über das Buch „Ein Weg hinters Licht“ zu schreiben:

Es ist eine (Auto-)Biographie aus unserer Gegend,
die zeigt wohin diese ganze Esoterik-und Pseudolebensratgeberei führen kann!

Joachim Huessner: Ein Weg hinters Licht


Sie handelt von einer Frau und ihrer Familie in den Fängen der Esoterik und eines Gurus,
gefangen in einer Welt voller Engel und Jesusse, voller Kristalle und Reiki, voller Chanelling und Meditation.
Eine Frau die sich so weit in einer Guru-Kleinsekte und seiner esoterischen Scheinwelt verliert,
bis sie am Ende alles aufgibt, was ihr Leben und ihre Person ausgemacht hatte.
Dann nimmt Sie sich das Leben.

Ihr Ehemann, den sie verließ, hat seine Erfahrungen in einem Buch niedergeschrieben.
Ich hab die Geschichte bereits in ein paar Artikeln erwähnt, zum Beispiel hier und dort.
Sie ist mit ein Grund warum ich meinen Blog hier angefangen habe,
damit solche Sachen nicht nur überregional diskutiert werden sondern auch da wo sie passieren!

Der größte Teil davon passierte in Inzell, hier im Landkreis Traunstein.

Dort hat die Sekte „Ein Weg ins Licht“ ihren Sitz.
Die Familie lebt im Westerwald.

Ein Ausschnitt:

„Sie stand mit beiden Beinen im Leben und war das, was man eine “starke Frau” nennt. Ihr Hobby war die Esoterik und sie hat viele Bücher darüber gelesen.

Petra

Mitte 2005 entschloss sie sich eine Ausbildung als Reinkarnationstherapeutin zu beginnen. Wenige Monate später traf sie bei einem Vortrag auf den Inzeller Gottfried Bresink (im Buch heißt er anders) der als Redner über die Lande tingelte und Seminare über “den Weg ins Licht” abhielt. – Eine verhängnissvolle Begegnung.

Bresink, der in Inzell als Unternehmensberater gemeldet ist, konnte ihr glaubhaft versichern, dass sie in seinen Seminaren wesentlich mehr lernen könne, weil seine Lehren angeblich viel tiefer greifen als die Reinkarnationstherapie und so brach sie die erst kürzlich begonnene Ausbildung ab und besuchte fortan seine Seminare. Billiger als die andere Ausbildung sollte  es obendrein werden.“

Die ganze Geschichte ist hier nachzulesen:  http://www.einweghinterslicht.de/index.html

Einerseits ist es die Autobiographie eines Mannes, der mit dem Führer einer Kleinsekte um seine Frau kämpft,

fast wie in einem Kartenspiel in dem die beiden versuchen nacheinander ihre Trümpfe zu ziehen.

Die Beziehung zwischen Ihm und seiner Frau, die anfangs noch sehr innig ist und zunehmend abgekühlt:
aus Selbstschutz oder Ohnmacht, je nachdem wie man es nennen will.
Diese Wandlung  ist, was dieses Buch so authentisch macht
beim Lesen Empathie herstellt.
Auch als Leser geht man diesen Schritt in die Hoffnungslosigkeit mit.
Wie hat das soweit kommen können?

Andererseits ist es die Geschichte einer Frau, mit einem Faible für Esoterik,

für das Okulte, auf der Suche nach übersinnlicher „Wahrheit“.
Einer „Wahrheit“ für die Sie immer mehr bereit ist,
alles was ihr lieb und wichtig war hinten anzustellen und am Schluss aufzugeben.

Bis zu dem Punkt an dem Sie komplett ohne dem dasteht,
was ihr mehr als ein Jahrzehnt vorher Sinn und Kraft gegeben hat:
Das Dorfleben, ihre Arbeit, ihr Mann und Ihre beiden Kinder.

Die Geschichte

Der Autor ist kein kompletter Skeptiker der Szene, so macht er viel davon mit,
bis er von dieser Welle überrollt wird.
Esoterik vergleicht er mit anderen Hobbies, wie z.B. Motorradfahren.
Dieses Hobby wird IHR aber immer wichtiger:
Reiki, Familienstellen, Besuche bei Medien, Schulung als Reinkarnationstherapeutin stehen auf dem Programm.

Petra lernt auf einer Aktion oder Messe Gottfried Bresink kennen (Name im Buch geändert)
und will sich von Ihm „weiterbringen“ lassen.
Bald ist Sie festes Mitglied in seiner „Sekte“, nimmt ihren Ehering ab
und möchte von nun an für alle da sein, als universelle Liebesspenderin.
Ihren Mann würde Sie als Mitglied in dieser Sekte akzeptieren,
mehr oder weniger als Gleicher unter Gleichen…

Anfänglich versucht der Mann auch darauf einzugehen,
mehr um überhaupt zu verstehen was da wirklich abläuft:
Gottfried erklärt sich selbst als Wiedergeburt Jesus, sein Geburtstag ist heilig.
Obwohl sich dies alles sehr schräg anhört schafft er es durchaus damit auch gebildete Leute einzufangen:
Lehrer, Ärzte, Leute quer durch alle Schichten.

Geld spielt eine große Rolle, Beiträge für Treffen, Einzelsitzungen.
Bald muss Petra einen zusätzlichen Job annehmen um die ganzen Kosten zu tragen.
Immer in der Hoffnung mit der nächsten Schulung endlich die höchste Stufe erreicht zu haben.
Nur diese Stufe wird nicht kommen, dafür lässt Sie Ihre Familie immer mehr im Stich.

Als Opfer wird den Mitgliedern die Trennung von allem verlangt was Ihnen lieb und teuer ist: Geld, Beziehungen, Familie:
Die „Freiheit“, das „höhere Bewusstsein“ – um dies zu erreichen wäre die Trennung von allem notwendig, was „unfrei macht“,
auch der Mann, notfalls auch die Kinder.
Stück für Stück entfernt sie sich von Haus und Alltag,
zieht in ihr Meditationszimmer im Altbau, baut sich ihre eigene Welt.

Auch die Kinder merken, wie sich die Mutter ständig weiter entfernt,
wichtige Lebensschritte ihrer Buben gar nicht mehr wahr nimmt,
weil sie nur in diesem Sektenwahn lebt und über nichts anderes mehr nachdenkt.

Mit Logik ist sie gar nicht mehr erreichbar, nur über entgegengesetzte spirituelle Weisheiten.
Hier versucht der Autor den Spieß um zudrehen und selbst über Geschichten von Schlafvisionen (teilweise erfunden, tlw. selbst geglaubt)
an seine Frau wieder heranzukommen.

Am Schluss kommt der Autor immer mehr zu der Überzeugung,
gegenüber der Sekte das Spiel verloren zu haben.
Einerseits versucht er zwar noch mit Petra klar zu kommen,
andererseits muss er gleichzeitig an die Kinder denken,
auch an das Haus das noch nicht abbezahlt ist.
Das ganze läuft in einem Zwiespalt der Gefühle zwischen Zuwendung und dem pragmatischen Abwickeln,
zwischen Liebe, Ohnmacht, und irgendwie auch einer Art des An-Ekelns.

Die Beiden sehen sich zuletzt beim Familienrichter.
Die Kinder bleiben vorerst beim Vater,
Petra lebt längst in Inzell bei ihrer Sekte, hatte die beiden Jungen Monate nicht besucht
und kann jetzt auch keine Perspektive aufzeigen.

Tage später begeht Petra Selbstmord, sie stürzt sich von einer Brücke bei Inzell in den Tod.

Die Polizei und die Gerichte waren außer Stande, irgendetwas gegen die „Sekte“ zu unternehmen.

Anscheinend existiert sogar noch ein „gemeinnütziger Verein“ (sogenannte „Stiftung Gottesarbeit“),
der von den Sektenmitgliedern gegründet wurde, für psychische Hilfe!!
Geholfen hat dieser Verein nicht, dafür gab es laut Autor insgesamt 2 Todesfälle,
die in Verbindung stehen und mehrere geschiedene Ehen und Familien.

Hier gibt es dazu noch eine Leseprobe:

Der Spiegel hat ein sehr aufschlussreiches Video:

.

Der Autor Joachim Huessner sucht mittlerweile nach ähnlichen Biographien,

die er zusammenfassen möchte um sie dem Bundestag in Berlin vorzulegen.
Damit soll erreicht werden dass sich sich auch die Regierung solchen Sachen annimmt. Weitere Informationen dazu auf seiner Homepage.

Wikipedia: Mal may refer to: Mal in Latin equals „bad“ or „evil“.

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Über jemseneier

Chiemgauer

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Ein Weg hinters Licht

  1. Es ist einfach nur schrecklich mit anzuschauen, wie intelligente Leute plötzlich ihr rationales, kritisches Denken aufgeben, wenn sie glauben „ihre“ Heilslehre gefunden zu haben. Das „Erwachen“ erfolgt oftmals sehr unsanft und gänzlich anders, als sie es sich eigentlich vorgestellt haben. Und manche finden gar nicht mehr den Weg zurück …

    Hier ein Blog, der sich auf satirisch-karikierende Art und Weise einem anderen selbsternannten „Heiler“ und „Weltenretter“ widmet. Es handelt sich hierbei um Franz Erdl von psitalent.

    http://www.pupstalent.wordpress.com

    Verfasst von pupstalent | August 12, 2013, 11:02 pm

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