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Nachdenkliches zu Postkartensprüchen


Liebe Leser,

Yerainbow,  Diplomspychologe, hat mir erklärt:
Der Mensch handelt nicht WEIL etwas ist oder war, er handelt UM etwas zu erreichen.
Also das Ziel steht im Vordergrund, die Begründung dafür folgt im Nachhinein.
Der Witz daran ist,
das diese Begründung dann gar nicht mehr viel mit den wahren Beweggründen eines Menschen zu tun haben muss,
sondern dass da im Grunde nur die Realität anpasst wird

Einige dieser „Begründungen“ liefern Sinnsprüchlein,
auf Postkarten, oder auf lustigen Facebook-Bilderchen, Zitatensammlungen,
die oft vollkommen aus dem Zusammenhang gegriffen sind.

Das bekannteste dieser Zitate dürfte wohl das aus Hamlet sein,
das mit dem „mehr zwischen Himmel und Erde“ als „Eure Schulweisheit“ und so…
Was da so als esoterisches Glaubensbekenntnis verwendet wird,
ist bei Hamlet eigentlich der Auftakt einer rational-detektivischen Aufarbeitung eines Mordfalls.
Also genau das Gegenteil.

Sinnsprüchlein, Spruchpostkarten
sind dazu da, um bei Bedarf aus der Schublade gezogen werden zu können.
Dabei ist die Sache so beliebig, das es für jeden Spruch praktisch auch den Gegenspruch gibt!
Postkartenweisheiten sollen Sachen einen tieferen Sinn geben, machen aber genau das Gegenteil davon:
Sie liefern nur primitive oberflächliche Alibis

Manche Leute haben dieses Sinnsprüchlein-Denken sogar so verinnerlicht,
dass sie eine Art Kartensammlung schon fertig im Kopf haben:
Sie sammeln Zitate, Geschehnisse und Anekdoten wie Karteikarten,
um just in dem Moment die Karten zu ziehen, die am besten die aktuelle Situation herbeiorakelt.
Das können dann sogar Sachen sein, die Jahrzehnte zurückliegen und nie wiederholt wurden.

Das schlimme daran ist, dass die Wahrheit dabei auf der Strecke bleibt,
das diese Leute durch diese Abkürzung die Probleme nicht mehr da anpacken, wo sie herkommen.
Und dass sie im Endeffekt deshalb beinahe dazu verdammt sind, ihre Fehler wieder und wieder zu wiederholen.

Vergesst die Spruchpostkarten!

LG, Jemseneier

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Über jemseneier

Chiemgauer

Diskussionen

3 Gedanken zu “Nachdenkliches zu Postkartensprüchen

  1. Hallo Jemseneier, du hast vollkommen recht: Wer einen Sinnspruch zückt, braucht nicht mehr zu denken und nicht mehr zu argumentieren. Eine besonders nervige Abart sind auf Facebook geteilte Sinn- und auch Ohnesinnsprüche – möglichst noch mit der Aufforderung „Teile das, wenn du blablabla…“ Nein, tu ich nicht! Ich denke selbst und ich schreibe selbst.
    Viele Grüße
    Fredrika Gers

    Verfasst von Fredrika Gers | August 6, 2012, 5:40 pm
  2. Noch einen kleinen Nachtrag zu dem Thema: Jörg hat sich mit dem Thema Frauenzeitschriften auseinandergesetzt, gerade diese leben ja von solchen Floskeln, Sinnsprüchlein und *Lebensberatung* auf niedrigem Niveau:

    Verfasst von jemseneier | November 21, 2012, 5:22 pm
  3. …das war noch der Artikel, auf den sich Jörg bezieht. Sehr lesenswert!
    http://www.welt.de/welt_print/article3458916/Klatschgeschichten-machen-ungluecklich.html

    Verfasst von jemseneier | Dezember 28, 2012, 8:45 pm

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