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Uncategorized, Wissenschaftstheorie und kritisches Denken

Suggestiv-Fragen zur Wahl (z.B. zur Homöopathie)


Ich weiß nicht, wie das die Male vorher war,
aber zu diesem (Bundestags-) Wahlkampf scheint es in Mode gekommen zu sein,
daß Lobby-Organisationen Frage-Listen an Parteien schicken.
Anschließend wird ihren Mitgliedern vermeldet,
welche Partei am besten die pekuniären Interessen der Vereinigung unterstützt.

Dabei sind die Fragen schon so formuliert,
daß der Antwortende im Prinzip schon in eine Richtung gedrängt wird,
in der er nach Möglichkeit antworten soll.

Außerdem sind dort viele Grundannahmen getroffen,
die zwar den Interessen der Lobby entsprechen, aber vom Prinzip her eben oft falsch sind.
Diese psychologische Technik des Unterschiebens kennt man allgemein als „Suggestion“ oder „suggestive Frage“.

Die Suggestiv-Frage

Den meisten wird die „Suggestiv-Frage“ eher aus dem Gerichtssaal amerikanischer Filme ein Begriff sein.
Hier fängt sie immer an, mit „war es nicht so, daß…?“ –
Der Versuch Meinungen und Ansichten einfach unterzuschieben,
die Phantasie des Adressaten so anzuregen, daß er die Zusammenhänge entsprechend im Gehirn verankert.

Es geht aber noch ein bisschen hinterhältiger, ein Beispiel:
„Was haben sie gemacht, als das blaue Auto in die Hecke fuhr?“
Der Angesprochene wird nun anfangen zu überlegen, mit was er in dem Moment beschäftigt war,
als das Auto die Thujen umknickte.
Wenn sie Ihn nun hinterher fragen würden, welche Farbe das Auto hatte, wird er behaupten es wäre blau!
Nicht weil er sich ursprünglich daran erinnert,
sondern weil ihm die mögliche Falsch-Information geschickt über die vorhergehende Frage eingepflanzt wurde.

Zusammenfassend:
Der Inhalt der Frage wird nicht in Zweifel gezogen sondern als vorhergehender Konsens akzeptiert und nicht hinterfragt.
Auf die Art und Weise können ganz einfach Fehlinformationen eingeschleust werden.

Lobby-Vereinigungen wiederholen gebetsmühlenartig diese falschen Prämissen.
(Macht deshalb eigentlich nicht viel Sinn, überhaupt darauf zu antworten)

Fragenanalyse zur Bundestagswahl – Beispiel DZVhÄ

Viel interessanter ist es allerdings, sich die Fragen genauer anzusehen und zu analysieren!
Mit dem Augenmerk darauf,
welche Zusammenhänge da eigentlich suggeriert werden sollen,
welche Worte verdreht werden,
Wie hier der Leser und Wähler meiner Meinung nach manipuliert werden soll,
wessen Geistes Kind so ein Verein ist,
und wie er´s im Allgemeinen mit so etwas wie „Wahrheit“ hält.

Eine der Lobby-Organisationen, die sich aus meiner Sicht sehr darauf spezialisiert hat,
ist die der Homöopathen:
Mit Erfolg, wie man zum Beispiel an der Grünen-Politikerin Barbara Steffens erkennen kann,
die so manche Hohl-Prase ohne den notwendigen „Import-Filter“ verinnert hat.

Auch 2013 hat der DZVhÄ  die Parteien befragt und leider auch einige weichgespülte Antworten bekommen.
Richtig Klartext gab´s leider nur von den Piraten...
Den Piraten ist hier nichts hinzuzufügen,
ihr Standpunkt ein Bollwerk gegen ein mythologisch irrationales Weltbild,
das uns von Esoterikern so gerne als Alternative vorgestellt wird,
aber nie eine gewesen ist.
(Ich hätte mir das auch beispielsweise von der SPD gewünscht).

Wir können uns also ausschließlich auf die Analyse der Fragen konzentrieren.
(Die Fragen des DZVhÄ in violett hinterlegt)

globuli

1. DZVhÄ: Eine Allensbach-Studie zeigte 2009, dass mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland selbst schon einmal homöopathische Mittel verwendet hat (53 Prozent). Erhebungen von Krankenkassen sprechen sogar von 68 Prozent. Die besonderen Therapierichtungen spielen im Gesundheitssystem allerdings eine nur untergeordnete Rolle. Werden Sie sich des Themas annehmen und die Homöopathie als komplementäre Methode politisch unterstützen?

Hier wird ein sogenanntes Popularitätsargument ausgebreitet.
Die Ansicht A ist weit verbreitet, also stimmt sie.
Oder ein Mittel oder Verfahren wurde von vielen angewendet, also müsse es wirken.

Tatsächlich sagt aber gerade der Umstand, daß viele irgendwas ausprobiert haben,
nichts über die Wirksamkeit aus! …aber genau das soll hier suggeriert werden.

Tatsächlich dürften ja beinahe 100% der Skeptiker bereits Homöopathie zu sich genommen haben!
Die allermeisten von ihnen haben sich sehr intensiv mit dieser Pseudo-Heil-Variante auseinandergesetzt, bevor sie zu Skeptikern geworden sind.
Einige davon haben später bei einer der vielen 10²³-Aktionen Homöopathika zu sich genommen,
ohne das je eine Wirkung passiert wäre.

(Nebenbei bestehen die Globulis aus 100% Zucker, Zucker ist im Supermarkt frei zugänglich,
zu Kilo-Preisen von etwa einem Euro.
Ich versteh nicht, warum man den Verkauf von Zucker politisch noch fördern sollte,
dadurch entsteht nur Übergewicht und Karies).

2. DZVhÄ: Evidence based Medicine (EbM) spielt in der konventionellen Arztpraxis eine nur untergeordnete Rolle. Warum werden Ihrer Meinung nach aber EbM-Regeln als Maßstab für die ärztliche Homöopathie herangezogen?

Das ist leider totaler Unsinn!
Jeder Patient erwartet, daß das Medikament, welches ihm verordnet wird, getestet ist:
Auf Wirksamkeit und Nebenwirkungen! Nichts anderes ist Evidenzbasierte Medizin!

In letzter Konsequenz wird hier vom DZVhÄ behauptet, Medizin müsse sich überhaupt nicht beweisen! Denn warum sollte man auf andere Medizin EbM-Regeln als Maßstab ansetzen,
wenn man´s bei der Homöopathie nicht bräuchte.

Hier wird ein Freifahrtsschein für jede Art von Pseudomedizin daraus:
Immerhin stellt sich die Studienlage zu annähernd allen anderen „sanften“ Pseudoheilverfahren wesentlich vorteilhafter dar,
als bei der Homöopathie! weil kein anderes durch Meta-Studien so eindruckvoll wiederlegt ist,
als die Homöopathie.

Im Endeffekt fährt man so ein ganzes Gesundheitssystem an die Wand,
weil man nun jede Therapie gleich bezahlen müßte, egal wie unsinnig und unbrauchbar sie wäre.

3. DZVhÄ: Es liegen zahlreiche positive Studien der unterschiedlichsten Designs zur Homöopathie vor. Weitere Forschung ist aber nötig. Werden Sie sich für die öffentliche Förderung der Forschung in diesem Gebiet einsetzen?

Genau hier wird suggeriert, daß die Studienlage zur Homöopathie allgemein positiv wäre!
Genau das Gegenteil ist der Fall!
Je besser, je genauer je verlässlicher ein Studiendesign durchgeführt wird, desto weniger lassen sich positive Effekte ableiten.

Der Trick im Hintergrund ist ja der, hier einfach zu postulieren daß es überhaupt noch Forschungsbedarf gäbe! (Buchempfehlung: Die Homöopathielüge)
So lange noch geforscht wird, könnte ja noch etwas dran sein!
Solange geforscht wird, wird die Mär vom sanften nebenwirkungsfreien Heilmittel aufrechterhalten! Aber:
Unter Wissenschaftlern ist die Frage nach der Wirksamkeit von Homöopathie längst erledigt – weitere Forschung ist hier eben NICHT nötig!
Wer hierfür öffentliche Gelder einsetzt, unterstützt nur noch die Lobbyarbeit der DZVhÄ (und darum geht´s hier ja wohl in erster Linie…)
Hier wird kaum noch ein Beitrag mehr für bessere Medizin geleistet.
Eigentlich eine Verschwendung von Steuergeldern.

4. DZVhÄ: Haben Selektiv-Verträge mit Krankenkassen aus Ihrer Sicht eine Zukunft?

…da weiß ich jetzt auch nicht, worauf die ´rauswollen.
Bin nur gespannt wann´s die ersten Selektiv-Veträge gibt, die das Bier an der Bar meiner Kneipe zahlen.
Ich behaupte so´n Thekengespräch unter Freunden hat die gleiche Bedeutsamkeit
wie die rein psychologische Wirkung von Homöopathika.
Also ich finde es ja eigentlich ne Frechheit, daß ich das selbst bezahlen muß! :-)

5. DZVhÄ: Wenn es zur Bürgerversicherung kommt, wird die ärztliche Homöopathie dann Bestandteil sein?
6. DZVhÄ: Es gibt in Deutschland ca. 10.000 rein privatärztlich niedergelassene Ärzte, davon praktizieren etwa 10 Prozent Homöopathie. Können sich alle Patienten im Rahmen einer Bürgerversicherung von diesen Ärzten behandeln lassen?

Bei solchen Sätzen verlässt den Berufspolitiker schnell mal der Mut… Aber wer sich bis hierher durchgewunden hat, ist wohl auch schon weichgeklopft oder bereits indoktriniert.

7. DZVhÄ: Chronisch kranke Patienten – sie sind häufig schulmedizinisch austherapiert – kann der homöopathische Arzt zumeist helfen. Das zeigen die subjektiven Einschätzungen von Ärzten und Patienten und die objektiven Daten aus der Versorgungsforschung. Bezahlen muss der Patient die Therapie aber selber. Sollte die starre Abgrenzung der Homöopathie in der GKV nicht gelockert werden?

Am Wort „austherapiert“ stoß ich mich die ganze Zeit.

„Austherapiert“ heißt bei chronisch Kranken in der Regel, es gibt keine besseren Medikamente als die, die dem Patienten zur Verfügung stehen.
Psychologisch ist dann natürlich immer noch einiges machbar! …wie das Bier an der Bar :-)

Versorungstechnisch würden womöglich 100% der Barbesucher Freibier als positiv beurteilen.
Die wenigsten Barbesucher kämen aber auf die absurde Idee, sich das auf Krankenkassenkosten einschenken zu lassen…
.
8. DZVhÄ: Versorgungsforschung ist die einzige Forschung, die einen konkreten Bezug zum Praxisalltag hat. Ihre Ergebnisse haben aber einen nur geringen Stellenwert. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Im Prinzip macht Versorungsforschung erst ab den Zeitpunkt Sinn,
nachdem ein Medikament/eine Behandlung in der klinischen Arzneimittelprüfung den Beweis erbracht hat, zu funktionieren.
Danach kann man erst überprüfen, wie das Umfeld aufgebaut sein muß, in dem dies angewendet wird.
Sonst stellen sich genau die gleichen Effekte ein, wie bei unverblindeten Studien.

Was die Homöopathen als Versorungsforschung ansehen, ist ja schon wieder eine Umdeutung des Begriffs.
Versorgungsforschung wird hier auf die Aussage reduziert:
XX% der Homöopathie-Konsumenten finden Homöopathie toll, also muß Homöopathie wirken. Meinungsbildungstricks, die man normal nur aus der Werbung zu Antifalten-Cremes kennt…
Dass die meisten Homöopathie-Anhänger von Homöopathie überzeugt sind, wird ja keiner in Frage stellen – die moderne Marketingpsychologie rund um die Homöopathie war da sehr erfolgreich…

Die „Versorgungsforschung“ ist offensichtlich eine sehr neue Disziplin.
Der Wikipedia-Artikel dazu ist äußerst mager, viele Leute können mit dem Begriff noch nicht viel anfangen.
Die Gelegenheit für die Homöopathen, den Begriff zu besetzen und ein paar Jährchen wieder unter falscher Flagge zu segeln…
Spätestens wenn sich brauchbare Regeln in der Versorgunsforschung etabliert haben,
wird sich die alte Leier der Homöopathen wiederholen,
wie „ist ja gar nicht auf sie anwendbar“, „muß man ganzheitlich sehen“, „…aber die Quanten…“ etc..
So wie´s derzeit mit der EbM der Fall ist. Wetten?

9. DZVhÄ: Wie können die ärztlichen Verbände aus der Komplementärmedizin Sie in Ihrer politischen Arbeit unterstützen?

Klingt zuerst mal nett,
soll aber im Prinzip nur die meinungsbildenden Möglichkeiten der homöopathischen Pharmalobby unterstreichen,
die man ja vorher indirekt mit Forschungsgeldern subventionieren soll…

10. DZVhÄ: Wer wird der nächste Gesundheitsminister?

…die letzten Gesundheitsminister wurden (auch) durch diverse Lobbyorganisationen aufgerieben.
Wäre ja echt toll für diese Organisationen, wenn sie schon VOR den neuen Wahlen damit anfangen könnten…
Aber um´ s am Schluß nochmal mit den Worten der Piraten zu sagen:
„Unsere Kristallkugel war zum Zeitpunkt der Beantwortung dieser Fragen leider energetisch falsch aufgeladen.“

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Über jemseneier

Chiemgauer

Diskussionen

5 Gedanken zu “Suggestiv-Fragen zur Wahl (z.B. zur Homöopathie)

  1. Sehr gute Arbeit. Respekt. Ich werde ein Follower.

    Verfasst von Mike Etal | September 1, 2013, 8:21 pm
  2. Homöopathie ist nicht die einzig obskure Therapieform, oder? Wahrscheinlich tummeln sich in der medizinischen Praxis so viele seltsame Dinge, weil das Heilen eben aus der mystisch/religiösen Welt kommt. War nicht der Medizinmann derjenige, der die Geister besänftigen und irgendwie beeinflussen konnte. Also kein Wunder, wenn das Schamanentum im medizinischen Bereich weiterhin fröhliche Urständ feiert.
    Mich würde Ihre Meinung zu den vielen Naturheilverfahren und den zugehörigen Heilern interessieren. Ist die ähnlich dezitiert?

    Verfasst von Alois | September 2, 2013, 1:05 pm
    • …ist ganz ähnlich dezidiert. Und nach meiner Erfahrung berufen die sich eh alle auch wieder auf die Homöopathie und ihrer unsäglich unsinnigen Theorien, die Quanten und so…
      Ich halte im Prinzip Homöopathie für ne Art Einstiegsdroge:
      Wenn sich dort der Placebo mit der Zeit abgenützt hat, machen diese User oft eine ganz lange Reise quer durch die Esoterik.
      Bis hin zu richtig brutalen Anwendungen wie Lichtnahrung:
      Dafür wurde durchaus auf offiziellen Homöopathieseiten Werbung gemacht, mit empfehlungen für diesen unsäglich dämlichen Film „Am Anfang war das Licht“. Sosehr daß dies sogar magersüchtige Teenager hier in der Gegend ausprobiert haben.
      Von Lichtnahrung rüber zu Sekten wie Kryon ist es aber nicht mal mehr ein Schritt, man ist da schon fast mittendrin…
      Nebenbei ist Homöopathie nicht mal ein Naturheilkunde! Da es den Naturgesetzten wiederspricht, kann´s nicht natürlich sein! Es ist ein Phantasieprodukt – und als solches rein künstlich.

      Verfasst von jemseneier | September 3, 2013, 11:06 pm

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