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Master of Esoterics in Traunstein – die „Homöo-Akademie“


wie vor etwa 1,5 Jahren schon großartig in der Regional-Presse angekündigt, ist es nun bald so weit!
Im März 2014 soll die Para-Hochschule für Homöopathie (sogenannte Homöo-Akademie) ihren Betrieb in Traunstein aufnehmen.
Am 20. November wird die Presse in einer Konferenz über die Einzelheiten informiert.
Schirmherrlich dabei ist mal wieder der Traunsteiner Landrat,
sicher werden es sich aber auch viele andere Lokalpolitiker nicht nehmen lassen,
vor versammelter Presse ihr Bekenntnis zur Esoterik (in Form der Homöopathie…) herunterzubeten.

traunstein

Selbstbewußt behauptet die Schule  „die Klassische Homöopathie in Verbindung mit Schulmedizin auf Hochschulniveau zu unterrichten“.
Ja, sogar „auf wissenschaftlichem Niveau“…
Tja, da kann wohl nur das wirtschaftswissenschaftliche Niveau gemeint sein,
denn mit Naturwissenschaft haben die mit Namedropping gespickten Märchengeschichten der Homöopathen von „Quanten“ und „Informationen“ nichts zu tun.

Aber wer das Kilo Zuckerkügelchen ohne Wirkstoff für mehrere 100 Euros verkauft,
hat betriebswirtschaftlich sicher etwas drauf!
Genau hier scheint sowieso das Augenmerk der Steinbeis-Hochschule zu liegen, unter dessen Deckmantel die Sache läuft:
Das Esoterik-Business ist mit eine der schnellst-wachsenen Branchen in Deutschland,
mit sagenhaften Gewinnmargen!  … da gilt es sich als private Hochschule zu positionieren!

Wissenschaft ohne Nachweise?

Zum homöopathischen Wissenschaftsverständnis empfehle ich die Analyse der Fragen der entsprechenden Lobbyverbände an die Parteien zur Bundestagswahl, sehr aufschlußreich!
Um es einmal kurz zusammenzufassen, es heißt immer so:
Homöopathie ist noch nicht („schul-„)medizinisch nachgewiesen.
Was suggeriert, es gäbe noch Hoffnung, daß ein Effekt über den Placebo hinaus noch irgendwann nachgewiesen würde,
… was aber angesichts von über 200 Jahren Forschung totaler Blödsinn ist!

Trotzdem will man in Traunstein eine Hochschule etablieren,
die so tut als ob es für die Homöopathie noch irgendeine wissenschaftliche Basis gäbe.
Das ist grotesk!

Versorgungsforschung…

Momentan gibt es noch eine weitere Argumentationsvariante, die sogenannte „Versorgungsforschung“.
Der Begriff allein wird leider schon total mißverstanden.
Knapp zusammengefasst wird er von Homöopathen in der Regel auf folgende Aussage reduziert:
Weil Leute auf Homöopathie stehen, zufrieden damit sind, soll sie bezahlt werden.
… Ob´s wirkt oder nicht ist egal – hauptsache die Leute fühlen sich irgendwie „abgeholt“,
wie man so schön im Marketing-Jargon sagt …

Fazit:
machen sie ausreichend Werbung!
verkaufen sie ein Produkt als nebenwirkungsfrei,
basteln sie eine schöne Geschichte drum herum…
Der Erfolg kommt von selbst, und schon müßte die Krankenkasse dafür aufkommen…

Forschung und Wissenschaft kann man dann getrost in Tonne klopfen,
denn wer würde noch Geld für aufwendige Forschung und Zulassungsverfahren aufbringen,
wenn man mit Wirtschaftswissenschaftlern und ein bisschen Esoterik jede Menge Kohle ohne viel Anstrengungen verdienen kann!
Und so machen diese seltsamen Schulen genau das kaputt,
was sie sich medienwirksam auf die Homepage geschrieben haben: Die Wissenschaft!

Den Pressevertretern,

die hier womöglich mit sanften Anekdoten und Hochglanz-Werbematerial überschwemmt werden sollen,
würde man wünschen, daß sie sich auch anderswo informieren.
Basis ist dazu erst mal die Recherche über den Begriff von Wissenschaft selbst!
Wie zum Beispiel echte Studien angelegt sind, oder wie wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn grundsätzlich funktioniert.

Hierzu gibt es sehr gute Bücher, die ich Jedem ans Herz legen möchte:
Eines davon ist: „Das sockenfressende Monster in der Waschmaschine“ von Christoph Bördlein.
Aus dem Klappentext:
Christoph Bördlein führt uns anhand vieler Beispiele aus Wissenschaft und Alltag ins skeptische, wissenschaftliche Denken ein. Allgemeinverständlich und unterhaltsam erklärt er, wie Wissenschaft als Methode, Behauptungen zu überprüfen, funktioniert. Ausführlich werden Möglichkeiten, sich zu täuschen, vorgestellt und Strategien, nicht in solche Fallen zu tappen, aufgezeigt.
Eigentlich Basics für jeden Journalisten!

Während Bördlein dem Leser grundsätzliche Erkenntnistheorie nahebringt, geht es in meinem zweiten Buchtipp rein um die Naturwissenschaft:
„Irrt die Physik“ vom Physiker Martin Lambeck
„Martin Lambeck erläutert die wichtigsten Aspekte und Phänomene, aus denen sich das besondere Spannungsverhältnis von moderner Physik einerseits und alternativer Medizin und Esoterik andererseits speist, und beschreibt Möglichkeiten, wie der Streit vernünftig ausgetragen und entschieden werden könnte. Ein spannend-provokatives Buch über eine ebenso lange wie heftige Kontroverse, in der es keineswegs nur um wissenschaftliche Wahrheit, sondern auch um die Gültigkeit von Weltbildern geht.“

Für die Leute die sich ein bisschen schneller informieren wollen empfehle ich den „Spiegel“ Nr.28/2010, online erhältlich: „Homöopathie – Die große Illusion“

Das momentan umfangreichste Buch zur kritischen Auseinandersetzung mit Homöopathie
wurde von Christian Weymayr und Nicole Heißmann (zwei Journalisten des „Stern“) zusammengetragen
und trägt den Titel „Die Homöopathielüge“
„Teuer und wirkungslos wecken sie falsche Hoffnungen und verhindern im schlimmsten Fall echte Therapien. Vor allem aber untergraben sie ein Denken, das auf rationalen Kriterien beruht.“

Wie hier ähnlich schon mal gesagt:
von der Traunsteiner Politik, vom Kreisrat erwarte ich:
– keine Einsicht,
– kein Wissen,
– kein Know-How,
– keine Wissenschaftstheorie!
Da ist eh Hopfen und Malz verloren!
Aber vielleicht gibt´s ja doch den einen oder anderen (Regional-)Journalisten, der die Fähigkeit besitzt,
sich kritisch mit so einem Thema auseinander zu setzen!
So wie es seine/ihre Kollegen vom „Spiegel“, vom „Stern“, von der „Zeit“ und der „Welt“ machen? …wir werden sehen…

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Diskussionen

11 Gedanken zu “Master of Esoterics in Traunstein – die „Homöo-Akademie“

  1. Da haben Sie wohl eher keine Chance: Wenn die Lokalpolitiker die Möglichkeit sehen, eine Hochschule in der Provinz zu etablieren, werden sie zugreifen. Auch von der Lokalpresse ist da nichts zu erwarten. In meiner Region hat vor kurzem die Regionalzeitung einem russischen Geistheiler, der in der Region praktiziert, die komplette Seite 3 gewidmet. Um wenigstens den Anschein der kritischen Berichterstattung zu wahren, wurde noch ein „Wissenschaftler“ eines Freiburger parapsychologischen Instituts interviewt, der den gesamten Schmarrn für möglich hält.
    Mein geharnischter Leserbrief wurde nicht abgedruckt. Sie haben immerhin Ihren Blog. Die Eso-Hochschule freilich wird kommen. Lokalpresse und -politiker werden sich angesichts dieser Großtat gegenseitig belobigen.

    Verfasst von Alois | November 15, 2013, 10:58 pm
    • es ist an der Zeit, dass in Traunstein etwas geschieht.
      Mein Vorschlag. Gibt es nicht die Möglichkeit, dass man in Traunstein etwas unternimmt, um die Bevölkerung aufzuklären und eine kritische Diskussion anzuregen
      Mein Vorschlag: Jeder sollte einen Leserbrief an die Traunsteiner Zeitung schreiben! Irgendwann können sie das nicht mehr ignorieren!
      Weiterhin sollte man den ärztlichen Kreisverband und das Krankenhaus anschreiben und an die Verantwortung dieser Institutionen appellieren,

      Verfasst von Dr Michael Bauer | November 23, 2013, 4:09 pm
      • Fortsetzung
        Weiterhin auch Stadträte und den Oberbürgermeister ansprechen und anschreiben
        Nach der ärztlichen Standesordnung ist es verboten, dass Ärzte und Heilpraktiker zusammenarbeiten, Praktika im Krankenhaus im Rahmen der Ausbildung an der „Homöopathieuni“ sind ein eindeutiger Verstoß gegen dieses Standesrecht, vermutlich auch das gemeinsame Unterrichten von Heilpraktikern und Ärzten an der „Uni“
        Schreiben Sie deshalb an die bayerische Landesärztekammer!
        Man sollte sich dann einmal treffen und vielleicht folgendes organisieren
        1. Eine gemeinsame Anzeige in der Traunsteiner Zeitung zur Aufklärung der Bevölkerung. Falls diese sich weigert; diese anzunehmen juristisches Vorgehen!!
        2: Einen Vortrag eines anerkannten Homöopathiekritiker möglichst über die VHS notfalls ohne diese, dann aber Ärger machen, da es zum Auftrag der VHS gehört, nicht nur Herrn Graspointer ein Forum zu gönnen
        Wo und wann könnte man sich treffen?

        Michael Bauer

        Verfasst von Dr Michael Bauer | November 23, 2013, 4:25 pm
  2. Was es nicht alles gibt. Ich fürchte freilich, dass Dein Wunsch, die Damen und Herrn aus den Redaktionsstuben mögen recherchieren, nicht in Erfüllung gehen wird. Mir platzt fast täglich ne Ader, wenn ich die Zeitung aufschlag oder rumsurfe und lesen muss, wie Jouirnalistendarsteller feinstoffliches Geszülze etc. nachplappern. Wobei das gerade in der Lokalpresse passiert, wie Alois oben richtig anmerkte, und das ein noch größerer Beschiss am Leser ist, wie ich drüben bei mir schon mal genörgelt hab.

    Verfasst von aargks | November 16, 2013, 5:07 pm
    • weiterer Vorschlag
      Redakteure der SZ und Zeit informieren. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Zeitungen hier durchaus kritisch berichten.
      Vor allem die SZ könnte man in Traunstein nicht ignorieren Dadurch würde mancher doch zum Nahdenken angeregt.

      Verfasst von Dr Michael Bauer | November 23, 2013, 4:28 pm
  3. Ja wir feiern einen Kreistanz hier in Freiburg. Lucadou der von mir lange geschätzte Parapsychologe.
    Es ist wie es ist. Ich denke es muß wirklich erst was ganz schlimmes passieren wie totaler Missbrauch und dergleiche. Wir sehen es ja bei den Grünen. Wahl vorbei und kein Ton zur Pädophilie mehr… oder nehme ich es nur nicht wahr, weil ich einfach nicht mehr hinschaue.

    Großes Lob an den Blog. Weiter so. Die Bücher lege ich bei mir auch immer auf den Tisch. Immerhin nützen sie mir was.

    Verfasst von ronaldlauter | November 17, 2013, 9:23 pm

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