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„Homöopathische Überdosis“ in Traunstein


Nichts drin, nichts dran: Die Untersberger Skeptiker machen am 12. April um 10:23 am Stadtplatz mit einem Selbstversuch darauf aufmerksam, dass Homöopathie wissenschaftlich unhaltbar ist.
Einen Tag zuvor, am 11. April findet die gleiche Aktion in Wien am Stephansplatz statt.
Gewarnt wird davor, pseudowissenschaftlichen Behauptungen durch Aufnahme in universitäre Lehrgänge einen wissenschaftlichen Anstrich zu verleihen.

Mit homöopathischen Präparaten lässt sich heute viel Geld verdienen – die Lehre dahinter widerspricht jedoch allen Naturgesetzen.  Bis heute gibt es weder einen klaren Nachweis, dass Homöopathie wirksam ist, noch eine nachvollziehbare Theorie, wie sie überhaupt wirken soll. Die Untersberg-Skeptiker (Mitglieder bei der GWUP, Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) machen anlässlich der internationalen „Woche der Homöopathie“ am 12. April um 10:23 am Stadtplatz in Traunstein mit einem „Selbstversuch“ auf ironische Weise auf die Unwirksamkeit von Homöopathie aufmerksam: Sie werden dort öffentlich große Mengen homöopathischer Hochpotenzen schlucken.

Nach der Lehre der Homöopathie soll die Einnahme von sogenannten Hochpotenzen durch gesunde Personen zwar gefährlich sein – doch Angst vor schädlichen Auswirkungen haben die Skeptiker nicht: „Homöopathische Globuli sind bloß Zuckerkügelchen und enthalten keinen Wirkstoff“, erklärt Prof. Ulrich Berger (Professor für Volkswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien). „Durch den Zucker riskiert man allenfalls Karies, aber abgesehen davon sind Hochpotenzen völlig wirkungslos.“

Je weniger, umso mehr?

Zu den Grundideen der Homöopathie zählt die Potenzierung: Ein Wirkstoff soll umso stärker wirken, je stärker er verdünnt ist – auch wenn das unserer Alltagserfahrung völlig widerspricht. Der Wirkstoff wird deshalb in einer Reihe von Schritten so stark verdünnt, dass im Präparat kein einziges Molekül davon mehr übrig ist. Homöopathen erklären, dass der Wirkstoff eine geheimnisvolle Information im Präparat hinterlassen habe, doch dafür konnte in wissenschaftlichen Untersuchungen noch nie ein Hinweis gefunden werden.

Peudowissenschaft als Wissenschaft getarnt

Als besonders bedenklich sehen die Skeptiker die Tendenz, fragwürdigen Lehren wie der Homöopathie an Universitäten Platz einzuräumen und damit den Anschein zu erwecken, es handle sich dabei um echte Wissenschaft. Doch auch der Widerstand dagegen ist im Wachsen: So gab es bis vor wenigen Tagen etwa den Plan einer Privatuniversität, im oberbayerischen Traunstein einen Homöopathie-Lehrgang mit Bachelor-Abschluss ins Leben zu rufen. Massiver öffentlicher Widerstand hat nun allerdings dazu geführt, dass dieses Projekt gestoppt wurde.

„Wir Skeptiker sind vom immensen Nutzen von Wissenschaft und Forschung zutiefst überzeugt und wünschen uns, dass solider Wissenschaft mehr gesellschaftliche Bedeutung beigemessen wird“, sagt Ulrich Berger. „Gerade weil heute Universitäten mit Finanzproblemen zu kämpfen haben und zu wenig Geld in echte, seriöse Forschung investiert wird, dürfen wir nicht hinnehmen, dass antiwissenschaftliche Quacksalberei ein wissenschaftliches Mäntelchen umgehängt bekommt. Esoterik hat an Universitäten nichts zu suchen.“

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Diskussionen

3 Gedanken zu “„Homöopathische Überdosis“ in Traunstein

  1. Lasst aber bitte die Kügelchen ganz langsam unter der Zunge zergehen und nehmt mehrmals in Abständen eine gewisse Dosis, um den homöopathischen Ritualen auch gerecht zu werden ;-)
    Schützenhilfe für die Homöopathie-Skeptiker kommt ganz aktuell auch aus Australien :-)
    http://ratgebernewsblog2.wordpress.com/2014/04/09/homoopathie-neue-australische-ubersichtsstudie-mit-vernichtendem-urteil/

    Verfasst von Elke | April 10, 2014, 12:00 am
  2. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass die Partei Bündis90/die Grünen in ihrem Wahlprogramm 2013 die Forderung stehen hat, dass die Prüfkriterien für alternative Medizin (Homöopathie, TCM usw.) dahingehend zu ändern seien, dass Wirkungsnachweise möglich werden !!! Diese Meinung vertritt auch die grüne Gesundheitsministerin in NRW, Barbara Steffens, wie sie mir vor geraumer Zeit auf meine Anfrage in Abgeordnetenwatch übermittelte. Damit wir uns richtig verstehen: Ich bin kein geborener Feind der Grünen, denn zuvor habe ich hin und wieder schon mal grün gewählt. Zugegeben, ein großer Fehler, der sich nicht wiederholen wird !

    In Baden-Württemberg vertritt die grüne Ex-Bundestagsabgeordnete Biggy Bender, dieselbe Meinung. Ein Glück, dass sie bei der Bundestagswahl 2013 ihr Mandat verloren hat. Sie war bis dato immerhin die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen in Bundestag. Nun ja, Biggy Bender ist studierte Juristin und über diesen Berufsstand schrieb der Schriftsteller Ludwig Thoma in seiner Kurzgeschichte „Der Vertrag“: „Er war (ein guter) Jurist und auch sonst nur von mäßigem Verstand !“

    Verfasst von Argus7 | April 10, 2014, 9:49 am

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