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(Real)Satire, braucht koa Mensch!, Veranstaltungen, Wissenschaftstheorie und kritisches Denken

10hoch23 – die homöopatische Überdosis in Traunstein… schön war´s :-)


Der Arbeitskreis klassische Homöopathie im Chiemgau (ein paar Ärzte, hauptsächlich Heilpraktiker) schreibt auf seiner Homepage:

„Stellen Sie sich die Einnahme wie das Anstupsen einer Billiardkugel vor – der Lauf der Kugel soll nach der Einnahme nicht mehr gestört werden und die Wirkkraft einer Gabe der C30igsten Potenz läuft frühestens nach 30-40 Tagen aus. Dies bedeutet, dass Sie bei einfachen funktionellen Erkrankungen in der Regel nur eine Gabe
der Arznei benötigen „

Eine Dosis einer Substanz (die nicht mehr vorhanden ist) soll also die Wirkung einer Billiard-Kugel haben,
die in ihrem Lauf nicht gestört wird…
Beinahe unfreiwillig komisch hört sich der Vergleich an.
So wie die nicht gestörte Billiard-Kugel keine Auswirkung auf die Umwelt hat
und irgendwann ihre kinetische Energie durch Reibung (Wärmeenergie) an der Tischplatte verliert (Physik, Energieerhaltungssatz),
genauso geht´s ja auch der Homöopathie…

Am 12.4.2014 trafen sich also etwa 15 mutige Skeptiker-Gesellen in Traunstein am Maxplatz,
um der Sache mal auf den Zahn zu fühlen.
Die Absicht: Eine Überdosis! Homöopathie!

image

Laut §32 von Hahnemanns Organon:

„Jede wahre Arznei wirkt nämlich zu jeder Zeit, unter allen Umständen auf jeden lebenden Menschen und erregt in ihm die ihr eigenthümlichen Symptome (selbst deutlich in die Sinne fallend, wenn die Gabe groß genug war), so dass offenbar jeder lebende menschliche Organism jederzeit und durchaus (unbedingt) von der Arzneikrankheit behaftet und gleichsam angesteckt werden muß…“

Das heisst nach Hahnemanns Theorie:
Die Wirkung müsste sichtbar sein! … und zwar mit der Anzahl „potenzierter“ (verdünnter) Einheiten steigend…
Also gibt´s statt zwei oder drei Globuli die ganze Packung!
Die ultimative Überdosis!

Die Unerschrockenen:

2 Apotheker, 3 Physiker, mehrere Ingenieure, Buchautoren, Leute aus der Gesundheitsbranche.
Sogar ein Heilpraktiker und ein Theologe waren darunter.
Leuten, denen die esoterischen Umtriebe in Traunstein und in der Gegend einfach schon längst zuviel geworden sind.
Die nun den alles entscheidendenTest haben wollten!
Ein Kampf Esoterik gegen Physik, ein Wettstreit zwischen dem „materialistischen“ und dem konsumistisch-esoterischen Weltbild!

Die Mittel die eingenommen wurden waren aus der üblichen homöopatischen Hausapotheke, und „hochpotenziert“. Bis zu C200!:

“ Diese Potenzen dürfen nur von dafür qualifiziert ausgebildeten homöopathisch arbeitenden Ärzten oder Heilpraktikern verabreicht werden.“

sagt der Arbeitskreis der Homöopathen!
Ganz starkes Zeug, ein Molekül der Ursubstanz verdünnt (potenziert) auf eine nicht mehr vorstellbare Zahl von Universen!!!

Was passierte….

10:23 Uhr! Es ist Zeit!

… die Spannung steigt…

……..werden die Mittel eine Wirkung haben?

Die Fläschchen werden angesetzt, ein Spruch: „Nichts drin, nichts dran“, und leer ist das Ding!

Der Zucker gribbelt noch kurz auf der Zunge…

…. und… nun………

was passiert!!!?

…. ?

..

.

…..NIXXXX! Niente!

gar nichts! … uns gings genauso wie vorher.
Die Physik hat gewonnen (wer hätte daran gezweifelt…)
wir sind dann noch schön Mittagessen gegangen.

Noch ein paar Links:

Gesund trotz Überdosis!!
http://www.traunsteiner-tagblatt.de/region+lokal/landkreis-traunstein/traunstein_artikel,-Globuli-Ueberdosis-der-Skeptiker-blieb-ohne-Folgen-_arid,131373.html

Keine Spätfolgen :-)

Interview:
http://www.gwup.org/infos/nachrichten/1265-1023-aktion-in-traunstein

Fotos:
http://nutzhirn.at/?p=8974

Wir waren auch nicht die ersten, die diese 10hoch23-Aktionen durchführten.
Nur die ersten in Traunstein.
2011 hat man das sogar mal weltweit.
Also da wo nix drin ist kann auch nix passieren, wenn man nicht dran glaubt. So einfach ist das.
Noch nie was passiert, bei diesen Aktionen.

Und warum dann überhaupt das alles?

Ganz einfach, es ist Pseudomedizin!!!
Ungefährlich bei Befindlichkeitsstörungen! Also bei Sachen, die von selber weggehen.
Gefährlich wird´s aber dann wenn man glaubt, dass es wirkt – und sich dann darauf verlässt!
Besonders bei ernsten Krankheiten.
… und wer „eingefleischte“ Homöopathieanhänger kennt, weiß wie oft das passiert.

Noch gefährlicher, wenn sogar der Behandelnde davon überzeugt ist!
…obwohl ehrliche Wirksamkeitsnachweise seit 200 Jahren nicht erbracht wurden.
Ab dem Moment gibt´s auch nur noch selten Skrupel!
von da ab wird mit unwirksamen Mitteln an echten Kranken herumgedoktert!
Das ist einfach nicht mehr lustig! Dann ist es für mich inhuman und menschenverachtend!
… und wenn man dann bei Todkranken (wie bei Krebs!) noch den Eindruck erweckt, sie hätten nicht alles getan,
wenn sie nicht genug privates Geld in die wirkungslose Alternativ-Industrie gepumpt hätten,
dann ist es noch weniger als inhuman!

Schlimm ist besonders in unseren Kreisen die allgemeine Akzeptanz, auch im Alltag der Gesundheitsbranche:

– Das man in Apotheken Homöopathie verkauft, und der Apotheker tut so als wäre es echte Medizin.
Nebenbei wird noch Geld verdient mit Pseudoratgebern zu Schüsslersalzen und Globuli – weil´s der „Markt verlangt“.
– Das sich werbefinanzierte Zeitungen wie die Wochenblatt-Redaktion vor der Karren spannen lassen,
womöglich in der Hoffnung es einigen Anzeigenkunden recht zu machen.
– Das Krankenschwestern und Hebammen sich aktiv an der Verteilung dieser Zuckerkügelchen engagieren…
– Das sich Politik und Verwaltung lieber anbiedern, als zu warnen!

Hier ist soviel im Argen,

dass man diese Leute ganz einfach direkt wieder auf den Boden der Tatsachen bringen muss,
und zeigen, dass da wo nichts drin ist, auch nichts dran ist!
In diesem Sinne gute Besserung,
gehen sie zu echten Medizinern und lassen sie sich keinen Bären auf binden!

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Chiemgauer

Diskussionen

3 Gedanken zu “10hoch23 – die homöopatische Überdosis in Traunstein… schön war´s :-)

  1. Ich frage mich schon geraume Zeit, auf welcher Waldorfschule die verhinderten Homöopathie-Lehrer wohl ihren Namen tanzen gelernt haben !?

    Verfasst von Argus7 | Mai 10, 2014, 9:51 pm

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  1. Pingback: Homöopathie im “Merkur” @ gwup | die skeptiker - Mai 10, 2014

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