//
you're reading...
Aussteiger

Esoterikaussteiger berichten – Bono, ein Krankenpfleger auf Sinnsuche


Liebe Freunde, Kollegen, Gleichgesinnte, Skeptiker, Angehörige und Ausgeweihte,

gelegentlich bekomme ich Anfragen, von Zeitungen und vom Fernsehen, die nach Esoterik-Aussteigern suchen.
Ich kenne ja einige Betroffene, mit denen ich mich regelmäßig austausche, die über meinen Blog oder über Facebook auf mich aufmerksam gerworden sind.
Leider gibt´s selten Leute, die ihren (Leidens-)Weg öffentlich machen wollen, vor die Kamera oder ein Mikro treten würden.

Der Grund: sehr oft sind eben ganze Familien betroffen, sind noch Angehörige, Geschwister und Partner involviert.
Viel bleibt dann im privaten, um nicht mehr kaputt zu machen als notwendig – was ich absolut verstehen kann!
Trotzdem wäre es so wichtig, daß die Öffentlichkeit davon Notiz nimmt!
…was da in unserer Gesellschaft passiert, und wie Leute von einer Industrie verführt werden!
Und genau deshalb gebe ich hier jetzt Esoterikaussteigern und deren Freunden und Verwandten die Möglichkeit eines Interviews.

DSCF9704 - Kopie

Den Anfang macht „Bono“, der natürlich nicht Bono heißt.
Wir haben uns für dieses Interview diesen Namen ausgesucht. Fragen wir Ihn und lassen ihn ein wenig erzählen.

Hallo Bono, nett dich interviewen zu dürfen.
Wir kennen uns ja mittlerweile gut zwei Jahre und sind via Social Media und E-Mail in regelmäßigen Kontakt.
Du hast mich auch auf die Idee gebracht, ab nun gelegentlich Esoterik-Aussteiger zu interviewen.
Also starten wir mal und sehen was daraus wird.

Du sagst, du siehst dich als „Aussteiger“, nicht als “ Esoterik-Opfer“, weil du aus eigenem Antrieb wieder herausgefunden hast. Auf die Art und Weise kann man das als (schlechte) Erfahrung abheften und später damit konstruktiver umgehen?
Nun aber zuerst mal die Frage, wie du da hineingeraten bist?

Hallo Jemseneier,

geboren in den 1960ern in einer mittelgroßen Stadt, welche damals in den Sog der politischen Umwälzungen geriet. APO, 68’er Bewegung, später Hausbesetzungen im großen Stil bis in die 1980er hinein. Anhand der geologischen Lage wurde die Stadt wohl auch für die eine oder andere spirituelle Gruppe interessant und zu einem Ort für Willfährige (Baghwan, Krihshna, Anthroposophen, Scientology), nebst einer starken Anti – AKW Bewegung aus den unterschiedlichsten Gründen. Somit als ein interessantes Gemenge.

Ich selber wurde schnell zum Scheidungskind, wuchs bei meinem Vater und dessen Familie auf. Verbrachte meine ersten Lebensjahre im Chaos. Hin und her. Der erste Kindergarten war ein Kinderladen antiautoritären Stils, wie in Berlin damals üblich. Alles politisch ausgerichtet.
Meine Mutter verlor schnell den Boden unter den Füßen und wurde zum Hippie. Ibizza und Co. In den 1980ern wurde sie dann wie eine ihrer Schwestern Sanyas. Zuvor schon durch Drogen Jesus und dergleichen sehr nah.

Als ungetauftes Kind, in einem religionsfernen Millieu aufgewachsen, in welchem die Vertreibung nach 1945 ein großes Thema war, kam in mir die Frage nach dem Sinn des Lebens auf.
So war ich von Däniken genauso fasziniert wie von Darwin und Humboldt. Einfach den Möglichkeiten folgend, die in den 1970ern so dargeboten wurden: Aeronauten und Evolution.

In den 1980ern dann eine kurze heftige religiöse Phase (Pupertätsphase) mit dem Ergebnis zur evangelischen Taufe. Ich besuchte Bibelgruppen, aus Sehnsucht nach Rettung.
Der kalte Krieg zeigte seine Spuren, überall Krieg, Israel, Libanon.
Somit herrschte ein Angst vor der Zukunft die uns als Gesellschaft verstörte.

Das mit den Bibelgruppen hat sich für mich schnell als Blödsinn herausgestellt.
Überall wurde der Satan herausgestellt und für alles schlechte in der Welt verantwortet.
Erinnere mich noch an die Bibelschreier die wöchentlich auftraten.

Meinen Bezug zum christlichen Glauben verlor ich endgültig durch lesen von kirchenkritischer Literatur. K.H. Deschner und dem Studium der Bibel selbst, in Eigenregie.
Ich wollte damit nichts zu tun haben und endlich AC / DC hören. Das war 1983 und wurde peu a peu zum Agnostiker, schloss nie so ganz die Nicht-Existenz eines Gottes aus. Verharrte eher in dieser anklagenden Wut auf jenen der da Schöpfer sein sollte. Anfang der 90er trat ich wieder aus der Kirche aus.
Dann kehrte eine kurze Ruhephase ein. Ein bisschen Crowley und La Vey, Gläserrücken.
Dann rollte die 2. UFO Welle an. Roswell in aller Munde, Akte X und von Buttlar waren wunderbares Futter.

Bono, als Jugendlicher den Däniken spannend zu finden kann ich ganz gut nachvollziehen – wie vieles andere auch was man so in seiner Jugend macht.
Ist ja auch die erste Zeit einer „Sinn“-suche, wo man seinen Platz noch sucht im Leben.
Wo man vielleicht gar nicht weiß, was man wert ist.
Und dann kommt jemand und meint man wäre auf die eine oder andere Weise „auserwählt“.
Schwieriges Thema, gerade wieder sehr aktuell, kenn ich in vielen Bereichen von mir selbst auch.

Jedenfalls steht´s ja der Jugend immer frei, alles in Frage zu stellen,
ohne falsche Rücksicht gegenüber „religiösen“ und „spirituellen“ Gefühlen der Elterngeneration.

Man kann nur dabei helfen, in dem man ihnen das Rüstzeug gibt um sich zurecht zu finden:
z.B. durch „strukturiertes Argumentieren und Denken“ (so wie z.B. Wissenschaftler zu neuen Erkenntnissen kommen).
Ich hab mir das auch erst spät als Erwachsener angeeignet, was mich ein
bisschen ärgert!

Jedenfalls scheint es so zu sein,
daß man sein ganzes Leben  immer irgendwie mit der Suche nach „Halt“ verbringt,
die Esoterik bedient diese Suche immer mit Schein-Lösungen!
… auf kurze, einfache, und überhaupt nicht nachhaltige Weise.

Du hast einen tollen Beruf! als Krankenpfleger kannst Du anderen helfen,
eigentlich auch ganz ohne esoterischen „Überbau“.
In wieweit hat dich das Thema trotzdem begleitet?

Von Beruf war ich mittlerweile Krankenpfleger, u.a. 13 Jahre in der Onkologie.
Bei Weiterbildung kam ich mit allem möglichen in Kontakt was der Mensch so neben der reinen Medizin für sich in seiner Not zu nutzen weiß.
Paramedizinisches war jedoch sehr selten anzutreffen, das änderte sich jedoch ab etwa ab dem Jahr 2000 zusehends. Ich reagierte darauf eher ablehnend.
Zumeist waren dies eher christliche Symbole.

2006 wachte ich morgens mit Schmerzen in meiner Ferse auf. Vom Arzt bekam ich die Diagnose Fersensporn. Einlagen wurden empfohlen. Medizinisch gab es einige Möglichkeit der Bestrahlung , die ich mir nicht antun wollte.
Zu Hause wurden schon unsere Tiere mit Homöopathie und Bachblüten ,,erfolgreich“ behandelt. Und nun suchte ich im Internet nach entsprechenden Mitteln gegen den Fersensporn: „Hekla Lava“ in einer D-Potenz. Ein Text im Format einer ,,Studie“ erklärte wieso und weshalb dies funktionieren würde. Das Ähnlichkeitsprinzip trat in mein Leben und es gibt Alternativen zur stressigen Hochschulmedizin.
Etwa 1 Jahr später war der Fersensporn weg. Ich war folglich zunächst sehr angetan von der Homöopathie. Erst ab 2011 reflektierte ich wohl was ich denn alles noch so unternahm um den lästigen Sporn ,,loszuwerden“: Verändern des Gehens, andere Schuhe, Einlagen…
So langsam schlich sich die Ideenwelt des Panentheismus in mein Leben, alles ist von göttlicher Energie durchflutet. Ohne jedoch an einen Christengott glauben zu wollen! Atheismus erschien mir zu kalt und Agnostik zu anstrengend.

Kenne ich gut!
Aus der Idee einer allgegenwärtigen übertragbaren „Information“ in der Homöopathie könnte man auf eine „göttlichen Kraft“ folgern, die allen Sachen innewohnt.
…was sich viel romantischer  anhört als der schnöde „Placebo“.

Das bedient dann auch die Sehnsucht danach, Teil eines Großen zu sein, in einer Gesellschaft wo Leute manchmal mit ihrer eigenen Individualität nicht mehr zurechtkommen
(ich schließe mich da gar nicht aus).

Über diese Ecke sind viele in die Esoterik geschlittert…
Wie ging´s weiter?

Ich besuchte, angefixt durch eine Ex-Kollegin eine 10 tägige NLP Schulung, deckte mich damals schon mit Büchern zum Thema ein, nur um dann später über die Gefahr dieser Methode zu erfahren.
Der Trainer war eine sehr karismatische Person und das ist ein Haken in meinem Lebensweg. !!
Personen zu denen ich als Leitfigur aufsehen kann und ich dennoch Enttäuschung erfuhr.

Mein Leben wurde getriebener: Karriere oder liegen bleiben?
Ich entschied mich für Karriere. Aufbrüche, neues Entdecken und beruflich vorankommen.
Obwohl ich in der Tat überhaupt nicht dem Managertypus entspreche. So war ich dennoch von der Möglichkeit angefixt die Leiter höher klettern zu können. Den warnenden Rufen zum Trotz. Einen Förderer hatte ich. Einen real existierenden berufsbezogenen Mentor. Also war noch alles klar in mir.

2008 wollte ich dann eine Schulung und ein BWL-Fernstudium beginnen, und verließ den Ort der beruflichen Geborgenheit. Nach einem 3/4 Jahr kam ich mächtig ins schwitzen und korrigierte meinen beruflichen Weg radikal. Brach diese Episode ab. Das investierte Geld war futsch.

2009 Heilsteinmesse in der Stadt. Noch nie davon gehört. Dennoch, ,,sei neugierig und geh hin“.
Da wars um mich geschehen. Homöophathie und Bachblüten schienen ja schon wunderliches zu bewirken – auf der feinstofflichen Ebene und nun noch die wunderbare Welt der Amelie.. der Steine zu erfassen. Können sich tausende Menschen irren? Das Führerprinzip, ja es holte mich ein. Ein Hunger, eine ungestillte Sehnsucht nach unabdingbarer Liebe und dem was eigentlich Heilung bedeutet, in einer Phase in welcher um mich herum sich so vieles verändert hatte, Familie und Beruf.

Ja ich kann dies als Erfahrung abheften, oder ich versuche das quasi noch immer. Es ist mir sehr wichtig damit konstruktiv umzugehen um einen größtmöglichen Benefit aus der Verarbeitungsphase zu ziehen. In dem Wissen, dass auch prominente Personen wie Eric Clapton oder Sloterdijk mit der Eoterik / New Age zu hatten und dennoch ihren Weg daraus fanden und weitermachen konnten.
Menschen anzutreffen, die nicht davon betroffen sind und dennoch empathisch sind, das gibt mir Kraft darüber zu berichten.

Bono, was du beschreibst geht weit in die „Coaching-Ecke“ hinein, die stark mit der Esoterik verbunden ist.
Die großen Versprechen: alles wäre machbar, man müsse es sich nur wünschen und „visualisieren“…?
Und dann hattest du noch diese berufliche Doppelbelastung
.

Die Doppelbelastung spielt eine sehr große Rolle. Nicht nur Beruf und Studium sondern auch das private Management. Nebenerwerb mit Kundenbetreuung. Bei solch einem Trubel bleiben die Katastrophen nicht aus. Dies alles führte zu einer explosiven Mischung und es brach eben 2010 ab dem Sommer in mir aus. Inklusive medizinisch bewertetem Überlastungssyndrom. Obwohl ich wohl eher kurz vor einer Psychose stand. Es kam noch sehr vieles aus meiner Kindheitsphase (den wilden Jahren meiner Eltern) hoch.
Da noch mit Johanniskraut ,,behandelt“ und halt dem anderen Quatsch. Ich war wohl ständig am tun. Klar, man will sich doch heilen und sucht halt auf unwägbaren Wegen und läßt sich verlocken.

Es war ein Weg duch Mangel und dem Gefühl des ,,Nicht-Genug“ seins. Sich und anderen nicht gerecht werden können. Und doch mehr zu wollen. Ein sich übersteigen. In etwa dem was Nitzsche mit dem ,,Übermenschen“ meint, wenn ich Sloterdejk richtig verstanden habe. (Du mußt Dein Leben ändern).
Ich begann zu rudern und verprellte Andere, anstatt innezuhalten und warten was sonst möglich ist. Schwer das heute noch nachzuvollziehen.

Was mich faszinierte an meinem Weg, war auch Menschen zu treffen die so klar und willens waren in dem was sie taten und anstrebten. Einer Mission oder Vision folgend. Da wollte ich mitgerissen werden. Aufstreben. Willkommen sein. Eindringen in diese Ebene.
Wohl deswegen kam mir die Heilkurslehrerin so gelegen, so weiblich, so belesen und im Leben stehend.
Wir waren sofort auf einer Ebene. Ich hätte mich gerne von ihr verführen lassen. Und so beschloß ich, dass diese Person es sein wird.

Ich werde nun nicht über Chakren und Energieausgleich referieren (wenn gewünscht an anderer Stelle gerne). Ich wollte auf jeden Fall!!! das lernen was dereinst Baileys und Co. offenbarten.
Erkannte dann jedoch binnen 5 Monaten, dass mir das zuviel wird. All den Geistwesen die da gechannelt werden können zu folgen. White Eagle und dergleichen.

Nach der Katastrophe von Fukushima schalteten sich noch die Hatoren ein. Als ich las was die verbreitet haben sollen mußte ich was ändern, das ging mir dann doch zu weit. Irgendwie hatte ich einen funktionierenden Verstand der auch immer wissen wollte, wo was herkommt, worin begründet liegt. Dennoch bin ich sogar noch zu einem Heilsingen bzgl. Fukushima. Einmal und nie wieder. Hinzukamen dann noch diverse Artikel in Esomagazinen die mich zunehmend abschreckten. Vom Krieg der einzelnen Rassen auf der Erde vor der Schöpfung und Lichtnahrung.

Ein wichtiger Faktor bei all dem ist wohl, dass Kollegen die ähnlich tickten wie ich aus meinem Leben verschwanden. Vor allem nach dem ich die Heilerausbildung abbrach, war das was sich so wunderbar anbahnte verloren, weggebrochen. Jegliche Kontakte verpufften. Das war auch ein kleiner Schock auf dem Weg zur Ernüchterung.
Ich stand fast vor dem Nichts. Versagend.

So blieb mir nun endlich Zeit um voll und Ganz auf den Kurs In Wundern zu konzentrieren. Kaufte mir das Werk und dazugehörige Literatur. Nur fehlten mir da auch Menschen dazu. Doch die würde ich dann auch noch treffen. Das „www“ macht es ja möglich.
Nur waren die Kontakte dann nicht das was ich wollte. Ich wollte auf keinen Fall einen weiteren Bibelkreis. Und das was ich an Vorträgen über das Internet abfischte wurde immer gruseliger. Den eigenen Mangel fütternd.
Die menschliche Gier wurde zu einem Negativum. Und da ich mich als Mensch mit hedonistischen Zügen sehe mußte ich erkennen, dass nun auch dieser Weg ein Ende haben muß und wird. So brach ich den Kurs zum Dezember 2011 ab. (Quellen hier: Reinhard Lier und die Kursw WG in Thüringen. Hier kann man etliche Vorträge via www anhören und Komentare zum Kurs nachlesen.
)

Mit der Zeit erkannte ich, dass dies wie so vieles Humbug sein muß. Wollte ich sklavisch werden und einem fragwürdigen Weg zur Liebe hin folgen? Oder was wollte ich noch immer heilen und verstehen?
Zumal meine Frau in einem anderen Kurs ganz tolle Erfahrungen mit dem Heilen machte. Hier wieder ein Mangel meinerseits. Ich hätte logischerweise den Kurs in einem Folgejahr wieder aufgreifen können, doch da hatte ich schon gecheckt was Sache sein könnte.

Heute morgen laß ich in dem Buch über das Sockenfressende Monster in der Waschmaschine über UFO-Entführungen und hypnotische Zustände. Nur durch viel aufmerksames Beobachten gelang es mir aus folgender Situation auszusteigen:
Im Mai 2011 war der Heilerkurs für eine Woche in einem Tal untergebracht. Hierbei lernten wir das ,,Heilen“ zu intensivieren. Ich kam in die Gelegenheit mich von der Kursleiterin behandeln zu lassen. Just in dem Moment wo sie mir an die Füße faste tauchten Bilder von alten Mittel- und Südamerikanischen Tempelanlagen auf. So klar und logisch. An meinem Kopf spürte ich ein kribbeln, wie eine statische Aufladung. Die anderen Koleginnen waren ca. 2 m entfernt. So glaubte ich, dass da nun tatsächlich eine Entietät vorhanden und am mitwirken sei. Das war dann schon auch unheimlich. Knalle ich nun durch?
Wochen später erkannte ich in der Aufarbeitung wieso und weshalb ich da nun Pyramiden amerikanischer Herkunft wahrnahm. Die Leiterin erzählte uns im Vorseminar von ihrem persönlichen Kraftort und der sei in Südamerika. Chile oder so. Und da ich mich für Ur-indianische Kulturen interessiere war hier wohl der Link zur Vision gegeben.
Das mit dem Kribbeln an meiner Kopfhaut war wohl dem Wohlgefühl geschuldet. Immherin schaffte ich somit eine Korrektur meiner Annahme.

Lieber Bono, gibt´s bei dir irgendein spezielles Erlebnis, das dich dazu bewogen hat, deine Ansichten zu revidieren, oder war das eher ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess?

Gegen Ende 2011 landete ich nach weiterer Suche um Fragen nach dem großen Ganzen beantworten zu bekommen in einem Forum welches von einem ,,Buchautoren“ geführt wurde. Rubrik: Alles Eins. Wir waren uns sofort grün und es ging eine Zeitlang auch gut im Miteinander. Doch wie es so ist wurden bei mir die Fragezeichen in Richtung Esoterik immer größer. Miteinwirkend Colin Goldner, Prof. Oberhummer u.a. kritische Stimmen wider des Esowahns.

Ich begegnete noch einer Reihe seltsam anmutender Menschen, die ich einfach nicht mehr verstehen und begreifen wollte. Egal ob diese nun mit Engeln können oder einfach mal so eine schamanische Männergruppe gestalten.

Besonders nervte mich dann noch Robert Betz mit seinem Channelingexkurs, vorbereitend auf 2012. Zuvor war ich im gar nicht abgeneigt. Er war mehrfach in meiner Stadt mit seinem Programm, ich besuchte diese nie. Irgendetwas  hielt mich ab. Vielleicht der letzte Funken Verstand.

Im Frühjahr 2012 hatte ich einen Leistenbruch und somit 6 Wochen Zeit so einiges in meinem Leben zu korrigieren.
Ich begann immer mehr auf das einzusteigen was Skeptiker so meinen.
Hinzu kam noch der erloschene Blog einer Person dessen Lebenspartner sich in der HardCore – Esoterik verlor. Da bin ich glücklicherweise drangelaufen.
Verfolgte schon länger die Seite von Florian Freistetter. Die Links des verlorenen Blogs führten mich dann weiter, u.a. zu Vikas ev. und die unvergessenen Buchtips, u.a. „Irrt die Physik„.

Auch im Netz führte ich dann ein erstes gutes Gespräch mit Jürgen Beetz, Buchautor von ,,Denken-Nachdenken-Handeln„. In welchem die Tücken der Esoterik aufgeführt wurden.

Wandte mich an die GWUP und bestellte mir ein paar Skeptikermagazine und wachte immer mehr auf. Nicht unbedingt zum Wohle meiner Frau, die ja immer noch tiefer ins Heilen wollte.
Doch zum Glück hat sich auch das zum größten Teil in Wohlgefallen aufgelöst.

Doch war es wirklich so einfach? Nein. Ein Kraftakt wars. Einer Erschütterung im ganzen. Ich stand im Sommer 2012 kurz davor mich in die Psychiatrie einweisen zu lassen.

Versuchte ich es noch mit freiem Tanzen (eine musikalische Art der von Osho initierten Tanzmedition zu unterschiedlichen Rhythmen). Einfach freistrampeln. Und zu guter letzt noch den ZEN Buddhismus ancheckend.

Das gab mir dann den Rest und ich legte alles weg. Schluß aus. Machte regelrecht Kehraus. Verbannte alle esoterisch anmutenden Kontakte aus meinem Leben und begann alsbald mit der Aufarbeitung meines Weges in einer Psychotherapie.

Und was gibt Dir heute den notwendigen Halt, den man wohl im Leben braucht?

Ich setzte mich hin und habe aufgearbeitet und begann kritische Bücher zu lesen bis hin zu Dawkins und Schmidt-Salomon. Fühle mich im atheistischen Weltbild wohl und bin nach wie vor von den evolutionären Prozessen ergriffen. Halt gibt mir auch die Fehlerkultur der Naturwissenschaft. Try and Error. Und die Erkenntnis des Irrtums, was bei Esoterikern und Heilern ja so nicht vorkommt.

Eine Einsicht in den eigenen Irrweg. Zugleich auch gelassener da hinzusehen wo der Unsinn Schule macht, nicht gegenmissionieren zu müssen. Immer mehr Abstand zu alledem zu bekommen.

Halt gaben mir Menschen die sehr straight im Denken sind, mich mit meiner Denkweise konfrontierten und ich somit die Gelegenheit bekam aus dem Wirrwarr auszusteigen. Mich klar von Verwirrten abzugrenzen und nicht in eine Kontraagitation geraten. Ich grenze mich nun nach einer Abgrenzungsphase nun auch davon ab. Normalität statt Kampf.

Halt gibt mir auch meine Frau, die zwar immer noch annimmt, das Homöopathie wirkt… dennoch schaue ich hier immer gelassener hin.

Halt gibt mir einfach meine Lebensfreude und der Spaß an der Musik die mir gefällt, aktiv und als Fan. Rock‘ n Roll, von 1954 – Darauf fokusiere ich mich.

 was würdest du heute den Leuten raten, oder was würdest du unseren Lesern noch gerne auf den Weg mitgeben?

 Prüfe den Glauben. Lege den Fokus dahin wo es thematisch Kritik an der Esoterik und den sogenannten Heilkünsten gibt. Homöopathie und deren Prinzipien sind ja ein ,,wunderbarer“ Einstieg.  Wer sich auf dem Weg in die Esoterik begibt ist nur schwer davon abzuhalten. Da ist einfach dieser Drang des ,,Wissen wollens“ stark. Eingeweiht zu sein in die geheimen geheimnissse der Welt – die Invokati,  Akasha und Atlantis.

In der Not für verlorene dazusein, doch immer daran denken: Esoterik ist wie vieles eine Sucht, du wirst nicht fertig und vieles zugleich verlieren.

Eine Ersatzreligion hilft hierbei dann nicht. Der Bruch muß klar sein, denn viele christlich orientierte Gruppen wollen da natürlich auch wieder ihre Schäfchen rekrutieren und für Erlösung sorgen. Hilfe hohlen bei der entsprechenden Profession.

Toll an dem ganzen ist, dass meine Kinder unbeschadet da raus kamen. Sie waren wohl eher erschüttert oder besser ernüchtert.

Heuer ist meine Ehe trotz allem wieder gut und auf stabilen Bahnen. Ich bin froh um meine kritische Denke und bringe das zuweilen auch ein.

Und was hilft ist einfach –> reden, die Scheu und Scham ablegen sich geirrt und verrant zu haben. Natürlich beim ausgewiesenen Therapeuten oder in einer speziellen Einrichtung die ohne Firlefanz auskommt.

Lieber Bono, vielen Dank für Dein Interview und viel Glück  Dir und Deiner Frau auf dem Weg zu Normalität und Gelassenheit.

 Das Interview wurde via Facebook und Email geführt, zusammengeschnitten und vom Interviewten anschließend freigegeben.

Advertisements

Über jemseneier

Chiemgauer

Diskussionen

3 Gedanken zu “Esoterikaussteiger berichten – Bono, ein Krankenpfleger auf Sinnsuche

  1. Hat dies auf FSMoSophica rebloggt und kommentierte:
    Ramen, Esoterik-Aussteiger gesucht!

    Verfasst von Mr. MIR | Oktober 1, 2014, 9:22 pm

Trackbacks/Pingbacks

  1. Pingback: „Auf der Suche nach Heilern“ nicht fündig geworden: Rosa von Praunheims neuer Film @ gwup | die skeptiker - Oktober 3, 2014

  2. Pingback: „Erschreckend“: Drei Skeptiker auf der Esoterik-Messe @ gwup | die skeptiker - Dezember 1, 2014

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s