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Veranstaltungen

Reichsbürger-Vortrag in Rosenheim am 13.4. – Kein Hass auf Rosenheims Bühnen


Liebe Freunde,

eines der Themen, das mich in Sachen Esoterik gerade am meisten bewegt, ist das der Reichsbürger. Auch deshalb, weil es  typische Entwicklungen aus dem Ende der Weimarer Republik wiederspiegelt: Nach dem Ende des ersten Weltkrieges entstanden in Deutschland überall paramilitärische Verbände, teilweise auch durch arbeitslos gewordene Soldaten, die aus ihrer persönlichen Misere heraus die Weimarer Republik nicht anerkannten. Eine Entwicklung die direkt im Nationalismus mündete, über Vereine wie SA und SS.  Daher ist es auch besonders krass, wenn Leute aus dem Polizeidienst in ihrer Parallelwelt auch noch Reichsbürger sind. Auch das hatten wir hier in der Gegend.

Aus dieser Zeit stammt auch die Idee einer jüdischen Weltverschwörung, und als Kontra zum verschwörerischen Juden das Hirngespinst des edlen spirituell alles überragenden Germanen.
Die Idee dieses deutschen Ariers ist allerdings ein bisschen älter und kommt ursprünglich aus der Wiener Kaffeehaus-Kultur, in der Esoterik-Zeitschriften wie die „Ostara“ ausgelegt waren. Von hier hatte wohl auch ein gewisser Adolf Hitler seine Überzeugungen. (Ich hab das hier schon mal ein wenig länger behandelt).
Über esoterische Vereine und über die Lebensreformbewegung ist dann diese eso-faschistische Literatur nach Deutschland gekommen.
Hier in Bayern, in München und in Bad Aibling trifft Hitler mit den gleichdenkenden Freikorps der Thule-Gesellschaft zusammen, und die Geschichte nimmt ihren Lauf…
Das ist alles nicht allzu weit weg von uns, und deshalb sollten wir ein wenig mehr aufpassen, wenn sich solche Vereine wieder bei uns etablieren wollen.

 

2017-04-09 17.01.10

Sieht naiv aus…

Die Idee der Reichsbürger, ob sie sich nun Germaniten, Mens:ch, Freie Menschen oder sonst wie nennen, ist immer ziemlich die Gleiche: Deutschland wäre kein freies Land, und deshalb hat man keine Lust seinen Steuern nachzukommen, seinen Strom zu zahlen, seine Autoversicherung oder seine Kanalgebüren…
Ich stelle mir dann vor, was eigentlich so Einer macht, wenn dann die Stadt tatsächlich mal den Abwasserkanal zusperren würde und die Fäkalien, die im Obergeschoss in der Schüssel landen, im Erdgeschoss irgendwo wieder rauskommen… Naja, wollen wir mal nicht weiter vertiefen. Jedenfalls, Schuld daran, dass man diese Kanalgebüren zahlen muss, ist natürlich die NWO, die „neue Weltordnung„, und die wäre natürlich wieder von den Juden (den Rotschilds etc. ) gesteuert. Genau dort trifft sich dann diese Ideologie der Naziesoteriker und deren Freikorps mit den heutigen Reichsbürgern.

Die Thule-Gesellschaft hatte, ganz ähnlich wie die Reichsbürger heute, Waffen gehortet. Spätestens in dem Moment sollte der BRD eingreifen und den doch nicht so harmlosen Leuten ihr Spielzeug wegnehmen. Das haben sie ja dann auch. Ich hatte davor schon etwa vor einem Jahr gewarnt, noch bevor das mit Toten uns Verletzten eskaliert ist.

Reichsbürgerprozess im Amtsgericht Traunstein vom März

Auch im Landkreis Traunstein gab es Reichsbürger, die Waffen gehortet hatten.
Ein Chieminger hatte „eine Langwaffe, eine Kurzwaffe, gefüllte Magazine für ein Maschinengewehr (das Maschinengewehr dazu wurde offensichtlich nicht gefunden!) und über 3500 Schuss Munition“ in Besitz, die von der Polizei und der Staatsanwaltschaft im vergangenen Dezember sicher gestellt wurden.
Die Waffen wurden nur durch Zufall gefunden: der Chieminger Reichsbürger hatte sein gepfändetes Fahrzeug verschwinden lassen, wodurch er eine Hausdurchsuchung auslöste. Dabei wurden die Waffen entdeckt. In der Verhandlung Anfang März 2017 gab er an, dass ihm diese Waffen lediglich von einem Freund zur Aufbewahrung ausgehändigt wurden. Da dieser Freund mittlerweile verstorben war, konnte dies nicht mehr überprüft werden, und das Gericht musste ihm glauben.
Ein Psychiater attestierte dem Reichsbürger, der zudem noch Veganer war, zwar volle Zurechnungsfähigkeit, aber „bestimmte Ansichten“ und eine „eigene Weltanschauung“.
Der Reichsbürger fügte sich dem Gericht, hatte seine ausständigen Steuerschulden bezahlt und kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Vielleicht ist es ja manchmal gerade die normative Kraft des Faktischen, die solche Leute wieder auf´s Gleis bringt… (Informationen aus der Printausgabe des Chiemgau/BGL-Wochenblatt vom 15. März 2017, Seite 3.  Zum weiter lesen aber auch hier)

Xavier Naidoo -Sommerfestival Rosenheim 2017

Eine Ikone für diese Reichsbürgerbewegung ist Xavier Naidoo: die Idee einer NWO, die Idee des besetzen Deutschlands, und die Idee dass der Kampf gegen diese unsinnige Paranoia gerecht wäre, findet sich in seinen Texten und Interviews wieder.
Ideen, die  offensichtlich auch der voll bewaffnete Chieminger teilte.
Solche Impulsgeber kann man ja leider nicht verantwortlich machen, aber man braucht ihnen auch nicht extra eine Bühne zu geben. Xavier Naidoo und die Söhne Mannheims sollen im Rahmen des Sommerfestivals 2017 in Rosenheim auftreten. Ein breites Aktionsbündnis will das eben wegen seiner Nähe zur Reichsbürger-Bewegung verhindern.
Der Stadtrat mit aller Kraft diesen Termin durchzuziehen…

Veranstaltung Bündnis „Kein Hass auf Rosenheims Bühnen“ am 13.4. im Mail-Keller

Gegen dieses Verhalten, und gegen die Reichsbürgerbewegung selbst, richtet sich eine Veranstaltung des Bündnisses „Kein Hass auf Rosenheims Bühnen“ am 13.04.2017 ab 19:30 Uhr  im Rosenheimer Mailkeller. Vortragender ist ein Mitarbeiter der „Fachinformationsstelle Rechtsextremismus München. Beleuchtet wird die Reichsbürgerszene mit ihren Narrativen und Agitationsmethoden. Dabei wird vor allem ihre Anschlussfähigkeit und wachsende Popularität im Mittelpunkt der Betrachtung stehen.

Sicher ein spannender Vortrag, und ich bin gespannt ob sich auch ein paar Verantwortliche vom Rosenheimer Stadtrat dazu gesellen werden. Obwohl ich ehrlich gesagt nicht daran glaube. Wahrscheinlich wird man das eher wieder ortsüblich aussitzen wollen…?

Weitere Infos unter https://keinhass.rosenheim.tk/

 

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