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Muttertag und Emanzipation…


Bei diesem ganzen Muttertags-Geschäume, bei der ja dann doch ungehemmt allzu antiquierte Rollenklischees aufgewärmt werden, will ich dann doch auch an so großartige Frauen des Feminismus wie Simone de Beauvoir erinnern. Die haben genau ein Leben lang gegen solche Klischees gekämpft und durch sie wurde einiges gesellschaftlich überwunden, was wir am heutigen Muttertag seltsamer Weise wieder feiern.

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Als alleinerziehender Vater habe ich große Hochachtung vor diesen wahren Feministinnen!

Ich sehe das solidarisch, denn genauso wie die Beauvoir ihren Anteil am gesellschaftlichen Leben als Person, nicht als Mutter, einforderte, fordere ich die zusätzliche Anerkennung als erziehender Vater.
Genauso wie de Beauvoir ihren Anteil an der Arbeitswelt (im Bildungsbürgertum) forderte, fordere ich auch gleichberechtigte Anteile an der Arbeitswelt, aber eben auch in der Erziehung. Schon alleine um Männern und Frauen andere (gleiche!) Perspektiven zu geben.

Gegen diese typisch weibliche Perspektive ist Simone de Beauvoir auf die Straße gegangen:

die Idee, dass Frauen nur zum Kinder machen geboren sind und nur so gesellschaftliche Anerkennung erwarten. Und dieser furchtbare Umstand, dass jenes Frauen auch noch für eine gute Sache halten. Als alleinerziehender Vater finde ich das schlimm. Zum einen weil dieser Anspruch Väter behindert, ebenso die Erziehung zu übernehmen. Zum Anderen bringt die Abwendung von der Erwerbswelt (selbst gewählt oder gesellschaftlich gefordert) Väter und Exfamilien wieder genau in diese uralten Rollenverteilungen, die wir heute haben:
– Von der alleinerziehenden Mutter, die irgendwann gar nicht mehr anders kann, als ihr Lebensmodell im Muttersein zu suchen, weil sie wegen fehlender Ausbildung und Erfahrung vielleicht gerade noch so im Niedriglohnbereich Chancen hätte. Es gibt dann Frauen, die genau diese Rollenverteilung bis über jede Moralgrenze hinaus verteidigen würden.
– Und von Vätern, die deshalb nach wie vor zur Vollerwerbsarbeit verdonnert werden, und durch Alimente bis in den Mindestselbstbehalt gedrängt werden, obwohl sie sich vielleicht viel lieber auch solidarisch um ihren Nachwuchs kümmern wollten.

Parafeminismus

Der aufgeklärte Feminismus, den ich auch als Mann und Vater so gut finde, wurde in der Neuzeit verraten und vertauscht, gegen eine postmoderne Variante, die antiquierter nicht sein kann: Gegen einen Eso-Feminismus, der gelegentlich fälschlicherweise als Ökofeminismus bezeichnet wird. Während der echte Feminismus verhindern wollte, dass Frauen ihren Selbstwert und Anerkennung nur durch das Gebären von Kindern suchen, ist es bei Esofeministinnen (wie den Netzfrauen zum Beispiel) genau anders herum: Die definieren sich ausschließlich durch ihr Gebärfunktion (Wir sind “Mütter, Großmütter, Urgroßmütter, Urur…)” und leiten davon einen gesellschaftlichen und argumentativen Mehrwert ab. Frau de Bevoir würde sich im Grab umdrehen bei soviel Einfalt.
Die ganze Argumentation geht bei Esoterikerinnen soweit, dass Frauen die nicht bzw. nicht normal gebären können, gar keine echten vollwertigen Frauen wären. Ebenso wie solche, die sich aus privaten Gründen gegen Kinder entschieden haben. Ich kenne persönlich mindestens zwei Frauen, die ihre Kinder mit Kaiserschnitt auf die Welt bringen mussten und an diesem wieder gesellschaftlich gehypten Gefühl, jetzt nicht vollwertig zu sein, sehr zu knabbern hatten.

Weg mit den Rollenklischees!

Das alles könnte man auflösen, wenn man nicht diese rosa-plüschfarbenen Rollenklischees aufrechterhalten würde. Da ist noch ein langer Weg, besonders für Väter. Die müssen nämlich genau das fordern, was Feministinnen wie de Beauvoir auch gefordert haben: Das Frauen auch ihre Erwerbsanteile leisten, aber mit dem Hintergrund damit auch Väter Zeit für ihre Erziehungsanteile finden. Und zwar wenn es geht paritätisch.

Der Staat verstärkt die Situation noch, indem er durch solchen Unsinn wie Ehegattensplittig dieses vollkommen idiotische Rollenklischee fördert. Aus einer christlichen Vorstellung heraus scheint es besser zu sein, Ehe und in ihr zurückbleibende Mütter zu subventionieren, statt Kinder die heutzutage mehrheitlich nicht mehr in Ehen aufwachsen, finanziell besser zu stellen. Kein Wunder, wenn dann Frauen lieber zuhause bleiben, wenn sich das durch eine blödsinnige Subvention kurzfristig gedacht finanziell dermaßen rentiert.

Ganz uneigennützig sage ich das auch nicht, ich hätte nämlich als alleinerziehender Vater auch gerne Alimente für meinen Sohn erhalten, und ich kann mich nach Jahren noch ärgern warum ich mich auf dieses traditionelle Familienbild während meiner Ehe ohne große Gegenwehr eingelassen habe, obwohl sogar meine Exfrau und ich exakt die gleiche Ausbildung hatten. Männer stellen das nämlich selten in Frage, und das ist ein großer Fehler. Sie lassen sich in eine Rollenbild zerren, dass ihnen aber auch den Müttern bei Trennung und Scheidung arge Probleme bereiten dürfte.
Egal, ich habe meinen Sohn auch so durch die Pubertät gebracht, ganz alleine, und er ist toll geworden. Und ein bisschen hoffe ich, dass er sich später nicht mehr auf solche Klischees einläßt, sondern in einer männlichen Variante der Emanzipation partnerschaftlich mit entscheidet, wie das mit Erwerbeinkommen und Kindererziehung einmal aussehen könnte.

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Chiemgauer

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