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Einfach nur Regional, Wissenschaftstheorie und kritisches Denken

Kritische Bildung in der SPD?


Es gibt immer den Einen, der versteht was ich sage.
Diesen Einen, der mir folgen kann!
Wo ich dann weiß, dass ich nicht ganz falsch liege.

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All-focus

Gestern war ich auf einer Veranstaltung der „SPD oberes Achental“ mit Martin Güll, dem bildungspolitischen Sprecher der SPD Bayern. Außerdem mit Sepp Parzinger von den Jusos.
Thema war „Bildung“, also alles was mit dem dualen System zu tun hat, 8 oder 9 Klassen Gymnasium, Ausstattung von Schulen, Führung von Schulen in die Digitalisierung etc..

Nachdem ich alleinerziehender Vater bin und mein Sohnemann gestern seine letzte Abiprüfung abgelegt hat, hab ich natürlich auch etwas dazu zu sagen. Aber auch ganz besonders als Mitglied der GWUP, dem Verein für kritisches (skeptisches) Denken

Gegen eine postfaktische Gesellschaft!

Mich stört nämlich, dass unsere Gesellschaft auseinander driftet, aufgrund fehlender Bildung! Und dass das sowohl ein Problem bei den Erwachsenen als auch an Schulen ist. Dass es immer mehr Leute gibt, die sich in unserer Medienwelt nicht zurecht finden. Dafür braucht es Bildung, die nicht auswendig lernt, die zeigt wie man mit Argumenten umgeht, wie man sie nach ihrem Wahrheitsgehalt abklopft. Echtes Kritisches Denken!
Wenn man das nicht lernt, ist es kein Wunder, wenn die Leute auf Verschwörungstheorien, „alternative Wahrheiten“ und Fake-News herein fallen und dann irgend wann bei braunen Parteien wie der AfD landen.
Mich nervt es, dass dieses Thema “kritisches, wissenschaftliches , logisches und faktenbasiertes Denken” überhaupt kein Thema mehr im Koalitionsvertrag war. Dieses Denken, mit dem z.B. auch Wissenschaftler an gesichertes Wissen kommen. Eigentlich ist das gar nicht so kompliziert. Jeder könnte das, und deshalb ist z.B. auch „Critical Thinking“ ein Schulfach in Großbritannien.
Hierzulande herrscht da noch Aufklärungsbedarf: Wohl hat man erkannt, dass dafür Bildung notwendig ist, aber mit diesen ganzen Begrifflichkeiten wie „Ockhams Razor, Confirmation-Bias, Selection Bias, Texanische Scharfschützen, Deduktives und induktives Argumentieren kann selbst der Bildungssprecher der SPD noch nicht wirklich was anfangen – obwohl das so verdammt wichtig wäre, für die Medienkompetenz.
Da sind noch ganz dicke Bretter zu bohren. Wenn man dann in manches Gesicht sieht und weiß, der hat jetzt kein Wort von dem verstanden, was man gesagt hat, dann ist das frustrierend.
Zum Glück gibt es bei jeder SPD-Veranstaltung den Einen, nicht mehr! … nur den Einen, der hinterher rüber kommt und meint: “Mir geht´s genauso, und du hast verdammt recht mit dem was du sagst.” In diesem Fall war es eine Psychologin und Neurowissenschaftlerin.
Also wenn es nicht immer diese eine fremde Person gäbe, ich hätte das mit dem Versuch, Leuten aus der SPD ein bisschen kritische Bildung beizubringen, längst aufgegeben….

Wo steht die SPD?

Das Problem ist, dass Teile der SPD nämlich selbst manchmal nicht so weit weg sind, von diesem Verschwörungsdenken. Nach der Wahl Trumps zum US-Präsidenten hatte man den Eindruck, die SPD und andere etablierte Parteien wollten sich tatsächlich gegen Fake-News und alternative Pseudowahrheiten positionieren. Heute sind wir wieder ernüchtert: Die Versuche sind komplett eingeschlafen. So sehr, dass dem kritischen Denken auf den ca. 80 Seiten Koalitionsvertrag keinerlei Bedeutung beigemessen wurde.

Ein Beispiel dazu hier aus dem Ort, ein paar Jahre her, zu einer Gentechnik-Debatte mit Bärbel Kofler (Bundestag) und Maria Noichl (EU-Parlament):
Damals gingen die Wogen hoch, und die Argumente flogen tief. Frau Noichls Grundlage war leider durchaus auch nach dem Motto: weil Firmen wie Monsanto Geld mit grüner Gentechnik verdienen, muß grüne Gentechnik Mist sein, verboten werden. Soweit so unlogisch: das war leider damals klassisches Verschwörungsdenken auf Qui-Bono Niveau.
Ich habe mir danach erlaubt, danach der örtlichen SPD ein PDF zusammen zu stellen, mit Fachartikeln die ein wenig die Grundlagen und Argumentationen erklären, mit der Logik dahinter, ein klein wenig Statistik und Faktencheck. Dieses PDF hatte ich damals auch einem befreundeten Gentechniker mit Professur in Salzburg zugesendet, in der Hoffnung ich könnte ihn für einen Vortrag gewinnen. Die einzige Reaktion, die ich von seiten der SPD erhielt, war die, warum ich denn überhaupt solche Leute anspreche? Also mit Leuten, die das studiert haben und sich auskennen, Experten…
Auch die SPD lebt manchmal in einer Filterbubble an Überzeugungen, die sie nicht zur Disposition stellen will.

Dabei war das schon einmal anders, vor ein paar Jahren, als die SPD noch erfolgreicher war. Damals zu Zeiten der rot-grünen Regierung etablierte diese Koalition eine neue Behörde in Deutschland, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Eine Behörde, die nach wissenschaftlichen Kriterien Lebensmittel- und Produktsicherheit feststellen und bewerten sollte. Tolle Sache, man hätte sich dann nur noch hier Expertenrat holen müssen. Was passiert aber dann, wenn ausgerechnet dieses Expertenwissen konträr zur populären Paranoia und aktuellen Verschwörungstheorien läuft? So wie es bei der noch recht aktuellen Debatte um Glyphosat war?
Tja, man ahnt es schon: man schließt sich den Angstmachern an und nutzt die Panik in der Hoffnung damit Zahlen zu machen.
Das Schlimme: Man handelt damit nicht anders als irgendein Esoterikladen, baut Ängste auf um sich selbst als Medizin zu generieren. Man handelt wie die vielen anderen Parteien, von denen man sich doch eigentlich gerne ein bisschen intellektuell abgehoben hätte.

Konsens- und Wahrheitsdilemma

Jetzt stehen wir aber in diesem Dilemma! Wir wissen wir müssten etwas tun! Wir brauchen einen neuen Konsens, eine neue Ehrlichkeit! Wir sollten selbst glaubhaft werden, damit wir diese ganze Fake-News-Kacke los werden können!
Statt dessen greift die SPD immer noch wie beschrieben viele unwirkliche Meinungen auf, und verliert dadurch langfristig weiter selbst an Glaubhaftigkeit.
Aktuell gibt es eine hundertseitige Aufarbeitung von einer Beratungsfirma zum letzten Wahlverhalten und den Abschneiden der SPD. Ob man dieses ursächliche Dilemma realisiert hat, da bin ich mir nicht sicher: Dass der Wert einer Demokratie und der Wert einer Partei immer in erster Linie an der Glaubwürdigkeit ihrer Protagonisten hängt. Vielleicht sollten wir deshalb einfach weniger nach Quoten suchen, und uns statt dessen wieder um ein aufklärerisches humanistisches sozialverträgliches Weltbild bemühen. So wie es früher einmal die SPD dargestellt hat.

Es gibt immer diesen einen, der das versteht, der nach der Veranstaltung zu mir kommt, und sagt: “Verdammt du hast recht”. Nur den Einen….,

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