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No Answer to Cancer – Kinos: Desinformation ohne Schuldkomplex?


Eigentlich wollte ich nur einen Film-Vorführungsbericht zum Film „The Answer to Cancer“ von Ute Parsch und Bernd Harder vorstellen, ich werde aber doch ein bisschen weiter ausholen müssen…

Heute war es also soweit: Das Münchner Monopol Kino hat den vom „Scorpio Verlag“ vertriebenen Film von Susanne Aernecke gezeigt. Im Vorfeld hatte es auf Facebook etliche kritische Stimmen gegeben: Der Tenor der Kritik: Einen Film zu zeigen, der Patienten mit einer lebensbedrohlichen Diagnose wie Krebs nachweislich unhaltbare Aussagen völlig unkritisch auftischt, kann fatale Fehlentscheidungen bei der Therapiewahl zur Folge haben. Ein Kino, das solche falschen Thesen mitverbreitet, sollte sich nicht als unschuldig an den möglichen Folgen sehen.“

Ich weiß nicht, ob das eine neue Entwicklung ist, aber nachdem es in den Social-Networks nicht mehr ganz so einfach ist, jeden Unsinn los zu werden, Truther- und Fake-News-Seiten öfter mal gesperrt werden, und sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen auch nicht mehr für Alles hergibt (wobei da natürlich noch Verbesserungsbedarf besteht…), gibt es offenbar eine neue Entwicklung. Ein anderes Medium springt nun in die Lücke, um mit der Verbreitung von trumpesken Kontext neuen Umsatz zu generieren: Das gute alte Kino, bzw. das „Programmkino“.

Früher wurde es noch als kleines elitäres Informationsnetzwerk gehandelt, nun ist es da gelandet, wo jedes Niveau baden geht: Bei den Verschwörungstheoretikern und „Spirituellen“ dieser Welt. Bei Esoterikern, die längst aufgegeben haben, Zusammenhänge zu verstehen, und nur nach Gemeinschaft für ihren biedermaierischen Realitätsverlust suchen.

Soweit ich das zurücksehen kann, wurde diese Entwicklung zum „toxischen Film“ mit teilweise tödlichen Nebenwirkungen mit „Am Anfang war das Licht“ eingeläutet. Dieser Film von P. A. Straubinger, einem offenbar wissenschaftlich gänzlich ungebildeten Radiomoderator des ORFs, lief 2010 in sehr vielen Kinos. Er vertrat die These, dass sich Menschen nur mit der Aufnahme von Licht ernähren könnten, und unterbaute das mit einigen zwielichtigen Gestalten aus der internationalen Esoterikszene. Darunter auch der indischen Guru Prahlad Jani und die australische Lichtnahrungspäpstin Ellen Greve, alias „Jasmuheen“. An dem Film war nichts dran. Nichts haltbar, nichts wirklich belegt. Aber die Leute haben das geglaubt! Dieser Film lieferte Menschen den esoterischen Überbau dazu, ihre zwanghaften Nulldiäten durchzustehen, bis zum bitteren Ende. Dieser Trend fordert(e) einige Todesopfer, beeinflusst durch den Film und die Literatur von Ellen Greve, die sich übrigens fast jährlich zu Lichtfast-Seminaren hier in einem Esoterikhotel in Chieming aufhält.

Kinos und Ethos

Seitdem steht die absurde Behauptung der Kinobetreiber im Raum, die sie von den Folgen ihrer Vorführungen völlig freisprechen würde: Der Tenor ist immer, man würde ja nur ein Forum bieten wollen, und mache sich die Thesen nicht zu eigen.

Was ist aber nun, wenn diese Thesen so abenteuerlich dämlich sind, dass man sie mit ein bisschen übriggebliebenen Verstandes und ein bisschen Recherche ganz einfach durchschauen kann? Darf man sich dann wirklich als Kinobetreiber so dumm stellen, und die Folgen seines Tuns ignorieren? Macht man sich dann nicht mitschuldig an den ganzen Opfern?

Ähnliches passierte letztes Jahr bei dem Film „Vaxxed“, der mit unhaltbaren Thesen Menschen dazu verleitet(e), nicht oder nur teilweise zu impfen. Eine Einstellung, die momentan ein expotentielles Wachstum von Masernfällen verursacht, mit all den Problemen von Langzeitschäden bis hin zu Toten. Auf Basis furchtbar esoterischer und haarsträubender Argumentationen. Ich habe mir den Film einschließlich Diskussion letztes Jahr im Mai angesehen, seitdem haben sich die jährlichen Maserninfektionen in Europa verdoppelt.

Was immer wieder ganz groß hervorgehoben wird, wäre die Freiheit alles zeigen zu dürfen, was der Markt so hergibt. Mann wolle sich nichts vorschreiben lassen. Aber ist es fair, Menschen aus Freiheitsgründen potentiell Schaden zu zu fügen? Sorry, Nein!

Liebe Kinobetreiber, es gibt keinen Freifahrtsschein für Euch! Auch für Euch muss es einen Berufsethos und eine Verantwortlichkeit geben. Wenn schon nicht rechtlich, dann wenigstens moralisch! Manchmal wünsch ich mir, dass ihr einfach nicht mehr schlafen könnt, nach so einem potentiell tödlichen Murks.

Die Sache mit dem Forum…

Stimmt das überhaupt? Dass diese Betreiber nur ein Forum bieten würden? Ist es wirklich so, dass nach Filmen dieser (unterirdischen) Qualität, in dem Kunden eineinhalb bis zwei Stunden lang mit einseitiger manipulativer Propaganda beschossen wurden, hinterher sitzen bleiben und meinen: Jetzt lasst uns halt mal sachlich über das Thema diskutieren!?

Glaubt man in der Branche wirklich, dass dies möglich wäre? Zumal man sich dann dazu noch die Protagonisten dieser Filme einlädt?

Hinzu kommt, dass in der Regel ja auch fast nur so eine Klientel den Film besucht, die schon vorher esoterisch drauf war, leichtgläubig und anfällig auf Verschwörungstheorien, auf die sanften Versprechungen mit ihren brutalen Folgen.

The Answer auf gar nichts!

Der Film „The Answer to Cancer“ und die beschriebene anschließende Diskussion erinnerten mich an Vorführungen wie z.B. „Vaxxed“ in Prien. Und es bestätigt mich darin, dass das was Kinobertreiber wollen, ein neutrales Forum bieten, schon aus der Situation heraus gar nicht leisten können.

Ute erzählt in ihrer sachlichen Art über den „Dokumentarfim“ und eine Filmemacherin, die in ihrem Machwerk Fakten naiv weglächelt, sofern sie überhaupt erwähnt werden. Die These des Films ist, dass es eine indische Variante der Homöopathie gäbe, dem sogenannten Banerji-Protokoll, mit der man Krebs heilen könne. Um es vorweg zu nehmen: Gibt es nicht! Auch die indische Variante ist genauso Fake-Medizin wie der deutsche Ursprung. Und irgendwo hört dann auch der Spaß auf, wenn Leute viel Geld verdienen, mit Pseudoheilkunde an verzweifelten Patienten, wie diese indische Ärztefamilie.

In dem Film wurde auch ein Homöopath aus Deutschland interviewt. Dieser Herr Kriegisch, „Quantenmediziner“ und „Störfeldtherapeut“, der diese „Methode“ anwendet, war auch als Gesprächspartner in München eingeladen.

Wenn´s anders kommt…

Allerdings gab es wohl dann in der folgenden Diskussionsrunde eine Situation, die so im Kino noch nicht vorgekommen ist: Für die Podiumsdiskussion meldete sich im Vorfeld unser Herr Norbert Aust, der schon in Traunstein half die Homöopathie-Uni zu verhindern, als offiziellen Gesprächspartner. Tja, und da hat dann Herr Kriegisch wohl erkannt, dass diese Diskussion diesmal kein Präsent wird, das man sich nur noch einpacken muss, und hat gekniffen…

Jetzt war nur noch der Kritiker auf dem Podium! Wenn ich den Bericht richtig interpretiere, lag es nun an den Veranstalter selbst, sich die ganz große Peinlichkeit zu ersparen, dass der Film zu dem erklärt wird, was er in Wahrheit darstellt: Gesundheitlich höchst gefährliche Esoterik ohne wirklichen Beleg! Aus Kundensicht sähe das dann so aus, als hätte man Geld für heiße Luft bezahlt… Daher wundert es nicht, das Kritiker, die nach der ersten Wortmeldung als solche erkannt wurden, nichts mehr sagen durften (kommt mir bekannt vor…). Und das obwohl nur ein paar Dutzend Leute im Kino saßen.

Also lest bitte den Bericht von Bernd Harder und Ute Parsch. Es ist übrigens nicht der letzte toxische Film dieser Art in diesem Jahr. Im Herbst kommt mit „Eingeimpft“ noch ein Film von Daniel Sieveking, der ähnlich wie P.A. Straubinger mit guten Verbindungen zum Rundfunk, bar jeder wissenschaftlichen Kenntnis und unter Bezugnahme von Hardcore-Esoterikern seine ganz persönlichen Welterklärungen gefunden haben will….

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Chiemgauer

Diskussionen

Ein Gedanke zu “No Answer to Cancer – Kinos: Desinformation ohne Schuldkomplex?

  1. Es ist ja noch viel schlimmer. Du, Peter, hast es ja nicht anders erlebt als ich im Zusammenhang mit Vaxxed: In dem Bemühen, bei den Kino-Verantwortlichen Aufklärung zu vermitteln und Problembewusstsein zu wecken, werden die Kritiker als Gegner der Meinungsfreiheit hingestellt und undemokratischer Umtriebe verdächtigt. Der Tenor war beim Münchner Kino kein Jota anders als ein Jahr zuvor im Chiemgau wie auch im Ruhrgebiet.

    Verfasst von Udo Endruscheit | August 28, 2018, 9:19 pm

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