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braucht koa Mensch!

Alltags-Rassismus


Seit dem grausamen Tod des Schwarzen George Floyd durch die US-Polizei vergangene Woche kommt es in den USA von Demonstrationen bis fast zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Angeheizt werden diese Proteste leider auch durch US-Präsident Donald Trump selbst.

Weil sich die ARD zu einer Sondersendung nicht durchringen konnte, griff das Thema Rassismus eine Comedy-Sendung auf: Die “Carolin-Kebekus-Show” gab Sendezeit ab, um ein paar kritische Stimmen schwarzer Mitmenschen in Deutschland einzufangen. 

Eine dieser Stimmen, die von Thelma Buabeng (ab 9:10) hat mich besonders angetriggert, weil es eine sehr spezielle Variante eines deutschen Rassismus darstellt, auf den man auch immer wieder  in einer sehr “grünen” Szene trifft. Sie erzählt:  

“Ich bin bei einer anthroposophischen Frauenenärztin. Sage ich habe Schmerzen. Sie sagt: “Frau Buabeng, sie müssen gar nicht weiter reden. Das ist ganz typisch bei afrikanischen Frauen. Sie tragen den Schmerz der afrikanischen Frauen in ihrem Becken. Sklaverei, Kolonialismus, Vergewaltigung.” Den ganzen Schmerz aller schwarzen Frauen trage ich in meinem Becken, und ich solle doch wenn ich zuhause bin, das mache ich doch bestimmt ganz gerne, Trommelmusik anmachen und den Schmerz herausschütteln, herausschütteln, herausschütteln. True Story, einer Frauenärztin”.

Das sind keine zufälligen Aussagen, sondern das entspricht der Ideologie eines esoterischen Rassismus von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie. Steiner hat die Menschheit in verschiedene Wurzelrassen eingeteilt, denen er verschiedene Qualitäten zu ordnete.  

Indianer z.B. wären demnach, auch weil sie durch diverse Infektionskrankheiten dezimiert wurden, eine schwächliche Rasse, die ganz natürlich zum (Aus-)sterben neige.  Diese Idee von Sozialdarwinismus feiert heute gerade wieder fröhliche Urstände bei Corona-Seuchenfreunden und diversen Bio-Herstellen aus dem Antroposophischen Milieu.

 “Schwarze” mit ihrem Trieb- und Instinktleben würden in der Sonne Afrikas” vegetieren, kaum fähig zu höherer intellektueller Leistung. Asiaten haben ein starkes Gefühlsleben.
Nur der Weiße wäre eigentlich der, der das Menschliche in sich entwickelt, der zu höherem Wissen und höherer Weisheit fähig wäre. 
(Quelle: André Sebastiani, “Anthroposopie – Eine kurze Kritik”, Seiten 57-62) 

Dabei übernimmt Steiner nur die im 19. Jahrhundert ziemlich gängige Vulgär-Ansicht von der Überlegenheit des Weißen, und überhöht sie durch seinen spirituellen Überbau zur Religion: Zur Antroposophie.
Die Ariosophie der Nazis unterscheidet sich davon nur in Nuancen. 

Die Idee vom esoterischen Rassismus findet Eingang in die Alltags-Deutung. Da ist sie bis heute geblieben, wie man immer wieder unschwer an solchen Äußerungen von Anthroposophen erkennen lässt. Nicht nur über anthroposophische Ärzte, sondern auch über Waldorfschulen und Demeter haben solche Ideen Zugang zu sehr vielen Leuten.  Dass das Rassismus ist, würden Anthroposophen ganz einfach abstreiten, durch die religiöse Überhöhung solcher Ideen wird das für solche Leute zum Fakt. 

Wie frei sind wir von Alltagsrassismus?

Viele Menschen sind ihrer eigenen Rassismus-Tendenzen nicht bewußt!
Ein Beispiel: Fasst die Hälfte aller Frauen und ein Viertel der Männer glauben daran, dass man über den Geburtsort und die -zeit Menschen beurteilen könnte! (Statista)
Astrologie, für mich ist das auch eine Art gelebter Alltagsrassismus!
Nichts davon ist real, sondern es ist eine anerzogene und ohne jeden Skrupel kommunizierte Dummheit. Eine Dummheit, mit der Leute diskriminiert werden: von der sich Leute in der Wahl ihres Partners beeinflussen lassen. Eine Dummheit, über die Leute immer noch bei der Jobsuche aussortiert werden. Eine Dummheit, über die Menschen Entscheidungen treffen – nicht nur über ihr eigenes Leben sondern auch über das Anderer. In Waldorfschulen werden auch Schüler nach astrologischen Gesichtspunkten beurteilt, überhaupt spielt auch dieser Murks in der Anthroposophie wieder eine große Rolle. 

Wir leben in einer Gesellschaft die weit davon entfernt ist vorurteilsfrei zu sein!  Im Gegenteil, wir suchen nach Vorurteilen, nach billigen Kategorisierungen. Rassismus kommt da vielen Leuten entgegen, das ist systemimmanent! 

Gerade die deutsche Esoterik und Anthroposophie ist voll von Rassismus, von Ideen zu Sozialdarwinismus, Volks- bzw. Rassenseele. Von diesen bescheuerten Zuweisungen. Es ist der gleiche Rassismus aus der Nazizeit, der über Steiner-Netzwerke (z.B. über das Collegium Humanum, die Haverbecks) die Zeit überdauern konnte, eingebettet in einer Bio-Bewegung.

Ich mag die Schlussworte von Marius Jung in der Kebekus-Show. Der bringt das Problem Alltagsrassismus auf einen Nenner:

“Hautfarbe trägt nichts von all dem in sich. Keinen Charakter, keine Ethik, keine Moral. Wenn ihr mich irgendwo seht, lernt mich kennen! Behandelt mich als Mensch! Wenn ihr mich dann kennen gelernt habt und mich Scheiße findet, dann ist das überhaupt kein Problem. Aber bitte behandelt keinen Menschen nach seiner Hautfarbe.”

Und ich möchte kurz hinzufügen: Auch nicht nach dem Aussehen, seiner Herkunft etc.. Lasst den Scheiß einfach weg, Menschen sind zu schade dafür um so behandelt zu werden.

Sternartikel zum Weiterlesen.

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Diskussionen

4 Gedanken zu “Alltags-Rassismus

  1. Farbige/farbig“
    Farbige/farbig ist ein kolonialistischer Begriff und negativ konnotiert. Eine Alternative ist die Selbstbezeichnung People of Color (PoC, Singular: Person of Color). Begriffe wie „Farbige“ oder „Dunkelhäutige“ lehnen viele People of Color ab. Die Initiative „der braune mob e. V.“ schreibt: „Es geht nicht um ‚biologische‘ Eigenschaften, sondern gesellschaftspolitische Zugehörigkeiten.“ Um das deutlich zu machen, plädieren sie und andere dafür, die Zuschreibungen Schwarz und Weiß groß zu schreiben.* Eine alternative Schreibweise ist, weiß klein und kursiv zu schreiben.

    Verfasst von Sabine | Juni 7, 2020, 1:08 am

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