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aus anderen Blogs, Parallel-Universum, Wissenschaftstheorie und kritisches Denken

5G, das Geschäft mit der Mobilfunk-Angst und Mystery-Shopping bei memon


Bevor Corona zum Thema wurde, schien 5G der ganz große heiße Scheiß im Jahr 2020 in der Esoterik-Branche zu werden. Noch zum Ende der Kommunalwahlen in Bayern Ende Februar tauchten die ersten Verwirrten aus der Versenkung auf. Ein Physiklehrer der Waldorfschule Prien (!) meldete sich bei diversen Wahlkampfveranstaltungen zu dem Thema und hat auch eine Petition angeleiert, ohne viel Resonanz.

Eigentlich ist das Thema seit der groß angelegten europäischen Interphone-Studie vor 15 Jahren längst abgefrühstückt, aber mit dem neuen Mobilfunkstandard wittern Esoteriker und Berufsparanoiker wieder Aufwind. Der Buchner Klaus von der ÖDP kramt wieder seine Overhead-Folien von vor 20 Jahren hervor und erzählt die selben alten längst verkalkten Geschichten von damals, als hätte es hinterher keine Aufklärung gegeben.

Die Angst, die Parallelwelt und das liebe Geld

Besonders hervor getan haben sich dabei eine Schweizer Sekte und eine Rosenheimer Firma.
Bei der Sekte handelt es sich um die „organische Christus-Generation“ (OCG), einer christlich-esoterischen Gemeinschaft, die sich hauptsächlich durch Youtube-Sendungen hervor tut, in denen als „Kla-TV“ Nachrichten-Sendungen nachempfunden werden. Man kennt sie auch als Veranstalter der „Anti-Zensur-Konferenz“ oder unter dem Namen ihres Führers „Ivo Sasek“. Auch im Achental sind die ein wenig aktiv.
Inhalte sind verschwurbeltste Verschwörungsmythen, neben 5G , Impfstoffe als Biowaffe z.B. auch die Idee von der flachen Erde. Man selbst geriert sich als elitäre Gemeinschaft mit höheren Einblicken, in Wirklichkeit sind es aber nur dumpfe Verschwörungsgläubige, die mit pseudoelitären Dünnpfiff auf Mitgliedersuche sind. Das haben leider auch ein paar Bekannte geteilt, aber man hilft ja gerne. In Bayern gerät die Sekte seit letztem Jahr ins Visier der Behörden, seitdem Feindeslisten von Journalisten und Politikern dieser Sekte aufgetaucht sind.
Herr Buchner, früher sogar Europaabgeordneter der ÖDP, taucht wie selbstverständlich immer wieder im TV-Programm dieser Sekte auf (Screenshots liegen vor). Berührungsängste gibt es da offensichtlich keine. (Anonymus hat da einen riesigen Datenschatz von der Sekte erbeutet, die noch ausgewertet wird)

Auch bei „memon„, einem Rosenheimer Anbieter von Esoterik -Produkten scheinen die Geschäfte mit der neuen Mobilfunkangst gut zu laufen. Man kennt memon hier in der Gegend auch als Aussteller bei den „Priener Heilpraktikertagen“ an der Waldorfschule Prien. Eben von dieser Schule, an der der oben bereits erwähnte „Physik“-Lehrer tätig ist. Man merkt, da hat man es gerade hier im Chiemgau mit einer in sich verschachtelten Parallelwelt zu tun, die sich gegenseitig in ihrer Paranoia verstärkt, und dabei noch gute Geschäfte macht.

Dazu passt auch das Beispiel von Michael Wimmer, Bürgermeister von Surberg. Er bedauert, dass ihm nach einem gutachterlich nachgewiesenen Unbedenklichkeit eines Mobilfunkmastens die Hände gebunden wären, und der Bau dieses Mastens nicht verhindert werden könnte. Statt sich auf ein wissenschaftliches Gutachten einzulassen, füttert man lieber weiter die Esoteriker im Chiemgau. Diese Art Problemignoranz schafft gerade erst die Räume für Schwurbler, diverse Verschwörungsideologien und Paranoia. Das ist nur eines von aberwitzig vielen solchen Beispielen im Chiemgau. (Ich hab dazu schon einmal etwas geschrieben)
Dann braucht man sich über 5G-Vandalismus durch Corona-Verschwörungsglauben auch nicht mehr groß wundern.

Mystery-Shopping bei der Rosenheimer Firma „memon“

Eigentlich wollte ich ja nur den Artikel von Stefan Uttenthaler einleiten. Er ist renommierter Physiker und Astronom, hat an der europäischen Südsternwarte in Garching gearbeitet, an den Universitäten Leuven (Belgien) und Wien(Österreich) geforscht und ist jetzt Projektbetreuer im österreichischen „Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung“ im Bereich Physik und Astrophysik. Die Einleitung ist jetzt etwas länger geworden.

Stefan hat sich als „Mystery-Shopper“ für den ORF in zwei halb-öffentliche Veranstaltungen der Firma Memon eingeschlichen. Die erste Veranstaltung, vermute ich aus der Beschreibung, war erstmal darauf ausgerichtet, mit entsprechender Panik und Pseudowissenschaftlichkeit den passenden Kundenkreis aufzuschließen.

„Wer hier wie ich als Physiker zumindest ein bisschen Grundlegendes über elektromagnetische Wellen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Laut Referent würden durch den Stromfluss bzw. Elektrosmog die „Minus-Ionen”, die natürlicherweise in der Luft verteilt seien, gestört, sie würden an den Wohnungswänden etc. kleben bleiben und so aus der Atemluft entfernt und für den Menschen unzugänglich werden. Außerdem führe Elektrosmog zur Zerstörung der „hexagonalen Wasserstruktur” (wohlgemerkt hat flüssiges Wasser keine hexagonale Struktur, diese tritt nur bei Eiskristallen auf). Das so gestörte Wasser könne z.B. keine Giftstoffe mehr aus den Zellen entfernen, weil es diese nicht mehr „packen” könne.“

Das ist so ziemlich ähnliches Geschwurbel, was man so ähnlich von diversen Wasserenergetisierern und Anderen kennt, egal ob vom Tiroler Grander, vom „Elisa-Wasser“ und der Leonhardsquelle hier im Chiemgau, oder auch bei der „informierten“ Keramik von EM-Chiemgau. Hatte ich schon erwähnt, dass man es im Chiemgau oft mit so einer in sich verschachtelten Parallel-Welt unter Esoterikern zu tun hat? Ja, doch, hatte ich geschrieben…

Bei der 2. Veranstaltung gings dann um´s richtige Geschäft. Da waren die potentiellen Kunden schon durch ein Empfehlungs-System aussortiert. Die Taktik:

„Insgesamt folgte die Veranstaltung folgendem Schema: Erst Angst und Panik vor Elektrosmog, Mobilfunk und 5G schüren, dann die einfache, vermeintliche Lösung dafür anbieten, nämlich memon-Produkte!“

Stefan erzählt, dass man nicht nur an den Produkten gut verdient (um die 1000 EUR), sondern auch an diversen Schulungen in einem Hierarchiesystem. Das „Aufbau-Seminar“ wird dann direkt in Rosenheim ausgerichtet.
Der Veranstalter erzählte von seinem persönlichen „Erweckungserlebnis“, und wie er mit diversen Memon-Produkten bei sich und seiner Familie an Krankheiten wie Verspannungen, Herzrhythmusstörungen, Vorhofflimmern, nächtliche Schweißausbrüche, Asthma, herumgedocktert hat.
Wie wir wissen, sind gerade die persönlichen „Erweckungen“ die Methode in der Esoterik-Branche, um auf Menschen zuzugehen. Wissenschaftliche Studien versteht eh keiner in dem Umfeld, alles was da passiert passiert auf der Gefühlebene, von der Aktivierung von Angst bis zur persönlichen Rettung durch einen Voran-Schreitenden.

„Ein memon-Harmonisierer, der durch Anschluss an die Steckdose einen ganzen Raum harmonisieren könne, wurde durch das Publikum gereicht (angeblich nur ein Muster, ohne die essentiellen „Informationen”). Leider wurde er nicht bis zu mir hinten durchgereicht, sodass ich ihn nicht inspizieren konnte. Laut Recherche eines niederländischen öffentlich-rechtlichen TV-Senders im Jahr 2011 enthält das „Gerät” lediglich eine Leuchtdiode, ein Stück Folie und Sand. Und mit solchen Produkten setzt die Firma memon alleine in Deutschland 3,5 Millionen Euro jährlich um!“

Die Artikel von Stefan in seiner 5G-Reihe komplett:

Über jemseneier

Chiemgauer

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