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(Real)Satire, Buchtipp, Regionalgeschichte

Buchtipp: „4 Frauen und ein Scharlatan“ von Eva S. Bernauer


Liebe Blogbesucher,

heute will ich das neue Buch einer Freundin vorstellen. Aus dem Klappentext:

„Ein bisschen Chakrenmassage, ein bisschen Lichtarbeit, ein bisschen plaudern mit den Wesen der fünften Dimension. Das Leben der vier Freundinnen verläuft in sanften, ganzheitlichen Bahnen. Dabei vertrauen sie voll und ganz auf die spirituelle Führung ihres „Meisters“. Und auf die magischen Heilkugeln, die aus dem Amazonas-Urwald kommen, und denen die vier „Schwestern“ zu einem Umsatzhöhenflug verhelfen. Eine Einladung zu einem Treffen mit dem Meister scheint der Höhepunkt ihres spirituellen Aufstiegs zu werden.

4frauenundeinscharlatan

Eine Rezension dazu gibt es schon beim HPD, daher schreibe ich auch lieber etwas ausführlicher über die Hintergründe.

Spielen tut das ganze -wer hätte das gedacht- bei uns im Chiemgau…

 

Über Eva

„Eva S. Bernauer“ ( Pseudonym) kenne ich seit 2010 oder 2011.
Es war damals fast wie ein Hilferuf!
Bernd C. und ich hatten damals eine kleine Skeptiker-Gruppe auf LinkedIn.
Eva hatte sich zu der Zeit in der Gruppe angemeldet, und erzählte vom Chiemgau…“
Sie war damals an Brustkrebs erkrankt und bekam von Freunden und Bekannten lauter seltsame Ratschläge aus der Esoterik und Verschwörungstheoretiker-Szene:
Die Pharmaindustrie wolle sie nur vergiften, statt dessen solle sie lieber andere „Mittel“ nehmen.
Mittelchen aus der sog. „Alternativen Heilkunde“, die sanft daherkommen aber in letzter Konsequenz an Brutalität nicht mehr zu überbieten sind!

Brutal deshalb, weil sie nichts bewirken, weil sie Leute sanft und ganzheitlich mit wirkungslosen Präparaten in ihr Verderben laufen lassen!
Brutal, weil sie den Patienten zum Schluß auch noch die Schuld an der Krankheit aufbürden!
Brutal, weil es diese Leute  durch eine karmische Rechtfertigung vollkommen in Ordnung finden, wenn Menschen an Krebs sterben oder sonst irgendwie benachteiligt sind.
Brutal, weil diese Leute  trotz dieser Brutalität auch noch das wohlige Gefühl aufbringen, das alles irgendwie „Eins“ wäre…

Und das war wohl auch die Grundlage von Evas Romans, so wie er nun vor uns liegt.

Populäre Beispiele sind die „neue germanische Medizin„, aber auch die idiotischen und oft sogar schädlichen Präparate aus der Anthroposophie.

Für Eva war es dann offensichtlich eine Erleichterung, zu wissen, daß sie nicht alleine ist!
Daß es im Chiemgau doch einige wenige Menschen gibt, die denken wie Sie.
Die „normal“ sind, die sich noch einen Funken Logik behalten haben,
in einem Umfeld das zusehends in Umweltparanoia, primitiven Welterklärungen  und spirituellen Sehnsüchten versank.
Eine Umgebung, die -wie Eva es beschreibt- nur noch irritiert ist, wenn dann die Realität doch plötzlich mit Wucht zurückschlägt.

Die Kritik ging in dem damaligen „Lifestyle“  komplett unter,
dem esoterischen Wellness-Trend (besonders hier im Chiemgau und der Alpenregion) wurde  alles untergeordnet, auch der eigene Verstand…

Der Kontakt zu Eva war dann für mich auch wichtig,
weil sich dadurch auch für mich die Frage stellte, wie man Mittel und Wege finden könne um gegen diesen Lifestyle Öffentlichkeit herzustellen.
Es war klar, dass wir irgendwas tun müssen! Das ging dann alles meinem Blog und der Stammtisch-Gründung voraus…

Über das Buch

Gibt ja mittlerweile ein paar Bücher auch speziell zum Chiemgau.
Neu ist an Eva S. Bernauers Buch die geringe Distanz durch die ihre spezielle Sichtweise:
Man hört die Gedankengänge der Leute, die sich in dieser esoterischen Scheinwelt verlieren.
Alles wird durch innere Monologe erklärt… wodurch auch die ganze Absurdität offenbar wird.
Man merkt wie nah´ die Autorin wirklich an diesen Argumentationswölkchen war!
Dort wo sich alles irgendwie „ganzheitlich“ zu einander zu beziehen scheint:
Dort wo sich z.B.  der Chakren-Einfluß von „Stein-Kugeln“ durch kinesiologische Muskeltest bestätigen läßt…
Dort wo sich jedes Hirngespinnst durch ein anderes „beweisen“ läßt, solange die Realität nicht tangiert wird…

„4 Frauen und ein Scharlatan“ erzählt die Geschichte von 4 „Schwestern im Geiste“, die in der Mitte ihrer Jahre nach neuen Lebensinhalten suchen. Vorausgegangen sind oft Trennungen, auch die Phase der Kindererziehung ist längst vorbei. Man sucht sich nun neue Inhalte um irgendwie dem Leben wieder „Sinn“ einzuhauchen – und am  stressfreiesten simuliert das bekannterweise die Esoterik.

Also fährt man zu Kursen, zu Meditationen und Events, gibt (wie üblich) viel Geld aus um spirituell irgendwie weiter zu kommen. Und natürlich auch um besser zu sein als die anderen Schwestern, die ja alle auf dem gleichen Wege sind…
Sie kennen sich aus bei Kryon in Rosenheim, besuchen den  Bruno Gröning Freundeskreis, sind bei den Heilertagen im Chiemgau, und kaufen natürlich im „Landkaufhaus“ ein, einer Art Esoterik-Outlet-Center an der Autobahn München Salzburg.

Diese post-moderne Biedermeier-Welt wird gestört, als eine der Frauen auf einem Meditationsabend in einem „Priener Kultur-Raum“ plötzlich mit ihrer Diagnose „Krebs“ herausrückt.
Alles ist plötzlich nicht mehr so „schwebend frei“, jetzt geht´s nicht mehr um Alltags-Befindlichkeiten von Frauen einer „besseren Gesellschaft“!
Beinahe widerwillig wird das Thema aufgegriffen, man „verbindet sich“ um der Frau ganz viel Kraft zu geben, durch stark angestrengte Mimik und Körperspannung…
Von hier ab nimmt das „Schicksal“ seinen Lauf, schlechte Tipps und Pharmaverschwörungen lassen dieses Opfer unserer Esoterik-Kultur einen fatalen Weg gehen – bei einer Diagnose, die in den allermeisten Fällen eigentlich heilbar gewesen wäre.

Einer der Nutznieser dieses Lifestyles ist der Scharlatan.
Der hat genau die Wünsche und Sehnsüchte dieser Klientel analysiert und bietet ein Produkt an, in dem sich die Frauen wiederfinden. Eine bunte Erweckungs-Story drumherum… So einfach geht Erfolg.
Sie macht ihn zu einem reichen Mann und einer wichtigen Persönlichkeit im Chiemgau.
Jemand der sich überall bedienen darf, dem es an nichts fehlt: Geld, Einfluß und Sex…

 

Mein Fazit: Ein gelungenes Buch, daß ganz genau hineinschaut in die Gedankenwelt von Menschen die sich in seltsamen Theorien der Esoterik verloren haben.

 

Prolog zum Buch

Bestellbar beim Alibri-Verlag oder zum Beispiel bei Amazon oder Buch.de

 

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Über jemseneier

Chiemgauer

Diskussionen

2 Gedanken zu “Buchtipp: „4 Frauen und ein Scharlatan“ von Eva S. Bernauer

  1. Hallo Peter,
    vielen Dank für die ausführliche Vorstellung. Ich möchte nur noch hinzufügen, dass es sich bei „Vier Frauen und ein Scharlatan“ um einen Roman handelt, der Verlag nennt es einen „satirischen Esothriller“. Die beiden anderen Bücher zum Chiemgau, die du erwähnst, sind ja ein Sachbuch bzw. ein Tatsachenbericht.
    Viele Grüße
    Eva S. Bernauer

    Verfasst von Eva S. Bernauer | Oktober 22, 2014, 10:52 am

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  1. Pingback: Rezension beim Chiemgau-Skeptiker Jemseneier | Vier Frauen und ein Scharlatan - November 10, 2014

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