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Wissenschaftstheorie und kritisches Denken

Karl Popper – von der Erkenntnistheorie zur Gesellschaftspolitik


Wollen sie die Welt ein bisschen besser verstehen? Dann probieren sie´s doch mal mit Popper!

Karl Popper war ein Wiener Philosoph, gelebt hat er von 1902 bis 1994. Wissenschaftler überall in der Welt beziehen sich in Ihrem Denken und Forschen auf seine Erkenntnistheorie.
Um das klar zu stellen, ich bin auch kein Wissenschaftler, auch kein Philosoph, sondern nur interessierter Laie, der sich nur ein paar Denkmuster zu nutze machen wollte.
Gefunden habe ich einen Denker, der in der Lage war, den ganz großen Bogen zu spannen: vom Detail der einzelnen Erkenntnis bis zur Architektur eines ganzen, möglichst gerechten, demokratischen und freien Staates.
Und jetzt hab ich mir vorgenommen, Poppers Philosophie in einem einzigen Blogartikel zusammen zu fassen!! … mal sehen, ob das funktioniert.
Geholfen hat mir dazu das Buch von Bryan Magee,  Ich hab da viele Gedankengänge übernommen, mit anderen Quellen aufgefüllt und selbst Querverweise und aktuelle Bezüge dazu geschrieben.

popper

Poppers Erkenntnistheorie

Zu Poppers Zeiten war schon klar, dass an der „normalen“ Art des Erkenntnisgewinns irgendwas nicht stimmen kann. Dass Analogiebetrachtungen und Bestätigungsversuche nicht wirklich verläßliche Daten bringen, sondern eher dazu führen, Vorurteile zu behalten.
Um dem aus dem Weg zu gehen, wäre von Beginn an ein kritischer Umgang mit Informationen und Ideen notwendig.
Und dann hat der Popper so eine „Technik“ entwickelt, die ich anderer Stelle schon ausgeführt habe: das Falsifizieren.
Die Grundidee:  Wahrheit kann erst wirklich zu Wahrheit werden, wenn man sie anzweifelt! Wenn man sie gleich selbst in Frage stellt, und versucht sie zu widerlegen! … zu falsifizieren! Wahrheit entsteht durch Skepsis!

Wenn eine Idee diesem Vorgang stand hält, dann scheint sie wahr zu sein.
Ganz einfach, aber revolutionär! … es bringt nichts, Beweise FÜR etwas zu suchen, statt dessen sucht man mal lieber welche dagegen!

Dabei gibt es Bedingungen, die eingehalten werden müssen:
Eine Theorie macht zum Beispiel nur Sinn, wenn sie einen Inhalt hat, der auch wiederlegt werden kann. Ansonsten ist sie zu beliebig, um überhaupt für irgendwas gut zu sein. Sozusagen eine Tautologie: Die Wahrscheinlichkeit geht gegen 1, der Inhalt geht gegen 0.
Beispiel:
Behauptung *Irgendwann wird es regnen* ist absolut richtig, aber unbrauchbar…
*Morgen wird es regnen* ist besser,
*Morgen wird es im Chiemgau regnen* ist erst richtig falsifizierbar! Und endlich mal eine brauchbare Aussage.

Eine Theorie, die sich nicht zumindest theoretisch  widerlegen läßt, ist sinnlos!
Ist im Prinzip schon so etwas Ähnliches wie Religion.
Auch ein Gedankengebäude, dass bei jedem Gegenbeweis nur die Theorie modifiziert, Ausnahmen integriert, oder Variablen einbaut (Okhams Rasor), ist Blödsinn.
Ein Beispiel für eine solche Fehlkonstruktionen ist für Popper z.B. auch der Kommunismus (Schmidt Salomon spricht hier wohl ganz im Sinne Poppers von einer politischen Religion).
Ein weiteres Beispiel ist die Freud´sche Psychonalayse.
Beides Gebilde, die schon im Entstehen widerlegt waren, aber durch krampfhaftes Modifizieren künstlich am Leben erhalten wurden. Der Kommunismus fiel vor 25 Jahren,  und heute fällt offenbar gerade die Psychoanalyse, zugunsten wissenschaftlicher Methoden und  Schulen.

 

Falschen Theorien, aber manchmal richtige Ergebnisse

Wir leben in einer Welt voller Theorien, von denen wir nicht wissen, ob sie endgültig richtig sind, oder nicht.
Die vielleicht ein Zipfelchen Wahrheit erwischt haben, aber eben längst noch nicht ganz in Ordnung sind. Und da tut sich dann die Frage auf, wie wir überhaupt damit umgehen können?
Zum Glück können falsche (bzw. nicht ganz richtige oder vollständige) Theorien manchmal auch viele wahre Aussagen liefern.
Popper hat so ein Beispiel:
Die Behauptung *heute wäre Freitag* stimmt war nicht, weil heute Montag ist. Aber gleichzeitig stimmen viele Ergebnisse, die darauf basieren:
*heute ist nicht Samstag* (richtig),
*heute ist nicht Sonntag* (richtig),
*heute ist nicht Montag* (falsch),
*heute ist nicht Dienstag* (richtig),
*heute ist nicht Mittwoch* (richtig),
*heute ist nicht Donnerstag* (richtig!).
Dadurch helfen uns manchmal auch nicht ganz richtige Theorien weiter:
Wir haben Autos, Computer und die Raumfahrt erfunden, ohne jemals 100% der Physik dahinter zu verstehen. Das ist doch cool :-)

Kein Grund also, um zu verzagen. Auch kein Grund, den Sinn von Wissenschaft und Forschung komplett in Frage zu stellen. Ohne sie hätten wir das alles nämlich nicht.
Kein Grund zurück in die Mythologie zu verfallen, in die Esoterik. Die ist nämlich auch eine Tautologie, die meint alles erklären zu können, ohne den Versuch irgend einer Nachweisbarkeit.

 

Der Zweifel als Antrieb

Während Widerlegungen praktisch immer eindeutig sind (was sich als falsch heraus stellt, bleibt es auch), stehen „gesicherte Erkenntnisse“ doch immer im Zweifel: Schließlich ist nicht auszuschließen, dass eine neue Art der Falsifizierung doch noch einen Fehler aufdeckt, und eine neue Theorie gesucht werden darf.
Naja, und genau deshalb sind Wissenschaftler auch keine Dogmatiker, wie manche Leute behaupten. Sie sind einfach nur schlau genug, nicht irgendwelchen haltlosen unsinnigen  Behauptungen (z.B. Astrologie, Homöopathie..) hinterher zu laufen, die rein durch ihre Pauschalität unwiderlegbar sind und  somit (wie zu Anfangs erklärt – Tautologie) über keinerlei Substanz verfügen*.

Im Prinzip stellt dieser Zweifel auch den Antrieb zur Weiterentwicklung dar.
Ein Nebeneffekt ist, dass offenbar jede Erkenntnis einen Strauß neuer Fragen mit sich bringt: Je mehr wir wissen, desto mehr fragen wir uns –  desto mehr interessieren wir uns, anstatt platten Mysterien aufzusitzen… Ist halt auch anstregend.

Kritik ist, wie erwähnt, essentiell!
Popper meint, angefangen haben die „Vorsokratiker wie Thales und seine Schüler. Die haben nicht nur Kritik zugelassen sondern sogar eingefordert und begrüßt! „Das bedeutete das Ende einer dogmatischen Tradition, die eine unbefleckte Wahrheit weitergeben wollte, und den Beginn einer neuen, rationalen Tradition, die Spekulationen einer kritischen Diskussion unterzog. Die Geburtsstunde der wissenschaftlichen Methode hat geschlagen“ (Magee Seite 68)
Vorher war es in fast allen primitiven Gesellschaften, die wir kennen „gewöhnlich bei Todenstrafe verboten, die Wahrheit einer Interpretation in Frage zu stellen. Die Wahrheit darf nicht entweiht werden und muß unbefleckt von Generation zu Generation weitergereicht werden. Zu diesen Zweck entwickelte man  Institutionen – Mysterien, Priesterschaften“. Eine Schule dieser Art läßt niemals eine neue Idee zu, wer den Kurs ändert, wird zum Ketzer. ( Magee S. 67-68)
Ganz überwunden haben wir diese dogmatischen Traditionen allerdings nicht. Im Gegenteil, viel scheint auf die eine oder andere Weise wiederzukommen.

Aus Poppers Ideen vom Erkenntnisgewinn entsteht eine Philosophie, die keine religiöse Gängelung mehr beinhaltet: Aus der kleinen Idee, die dem Einzelnen die Methoden an die Hand gibt, selbst zu urteilen, die im auferlegt kritisch sein dürfen und müssen, erwächst ein neues Staatsverständnis: Eines, das die Überwindung von Hegels „Weltgeist“ genauso beinhaltet, wie ein marxistisches Verschwörungsdenken.
Fazit: während man religiös begründetes, weißgesagtes und esoterisches „Wissen“ immer gegenüber der Realität verteidigen muß, fordern wissenschaftliche Erkenntnisse die Kritik gerade zu heraus. Anstatt Pseudo-Weißheit zu verteidigen ist es ein ständiges Ringen um die an der Wahrheit nächstliegenden Erkenntnis. Nicht mit Waffengewalt, sondern mit intellektuellen Argumenten.

 

Vom Menschen erfundene Systeme entwickeln eigene Gesetzmäßigkeiten.

Es gibt ja noch ein weiteres Phänomen, und damit kommen wir noch ein bisschen weiter in den Bereich der Staatskunde: Menschen entwerfen Systeme, deren Mechanismen und Auswirkungen sie gar nicht kennen!
Für Popper gibt es 3 Welten: Die Erste ist die physikalische Welt, die Zweite die Welt der subjektiven Erfahrungen (also im Prinzip unsere Interprätationen der Ersten) und die Dritte ist die Welt der objektiven Strukturen. Das sind Schöpfungen des menschlichen Geistes, die einmal geschaffen, unabhängig von ihm existieren: Die Welt der Ideen, der Kunst, der Wissenschaft und Sprache, der Ethik und der Institutionen. Also das komplette kulturelle Erbe.

Der Witz ist, und deshalb greifen auch wieder Poppers Wissenschaftstheorien: dass diese vom Menschen geschöpften Systeme eigene Dynamiken entwickeln. Wir sind zwar Erschaffer, wissen dabei oft wenig um die Auswirkungen, Regelkreise und Gesetzmäßigkeiten. Und am Ende bleibt uns nichts anderes übrig, als Poppers 3. Welt genauso zu erforschen wie die Erste, obwohl wir ja seine Schöpfer sind.
Das abstrakteste Beispiel dafür ist wohl die Mathematik: „die Folge der natürlichen Zahlen (ist) eine menschliche Konstruktion… Doch obwohl wir diese Folge schaffen, schafft sie ihrerseits ihre einenen autonomen Probleme. Der Unterschied zwischen geraden und ungeraden Zahlen ist nicht von uns geschaffen: Er ist eine unbeabsichtigte und unvermeidliche Folge unserer Schöpfung. Die Primzahlen sind natürlich auch ebenfalls unbeabsichtigte autonome und objektive Tatsachen“.

Ich glaube, wir sollten speziell in der Politik viel mehr über diese Tatsache nachdenken! Wir leben ja in einer Gesellschaft, in der man zum Beispiel vieles  virtuell durch die Nützung von Computerprogrammen durchspielen kann. Und dann haben wir auch noch die relativ junge Wissenschaft der „Spieltheorie„, die durch Statistik, Psychologie und Wahrscheinlichkeitsrechnung Aussagen unsere Wirtschaft und Gesellschaft betreffend machen kann.
Statt dessen wird gerade in der Politik versucht, über markige Sprüche und Binsenweisheiten Meinung zu machen. Genau das ist auch das Griechenland-Problem, das wir kurz eingedämmt aber wohl längst nicht gelöst haben. Es hätte zumindest Leute auf der griechischen Seite gegeben, die das Zeug gehabt hätten, das Problem zu lösen. Auf der europäischen Seite bin ich mir da nicht so sicher.

Die Idee vom vermeidbaren Leid

Popper hat im Gegensatz zu vielen anderen Philosophen einen evolutionären Ansatz: Er behauptet überhaupt nicht, der Weisheit letzten Schluss zu kennen, oder die Utopie einer „perfekten Gesellschaft“ entwerfen zu können. Das sind eher gefährliche Illusionen für Ihn. Poppers Weg orientiert sich viel mehr an den realen Gegebenheiten.
Ganz analog zu dem, was er in seiner Wissenschaftstheorie entwickelt, geht er in seiner Gesellschaftstheorie vor:
Wir wissen ja gar nicht, ob es eine ideale Gesellschaft gibt, oder nach was für Glück der Einzelne nun strebt. (Die allgemeine Definition von Glück hat ja auch schon etwas äußerst bevormundendes…) Was wir aber tun können, um die Gesellschaft zu verbessern, einem nicht näher definierten „Ideal“ nahe zu kommen, ist auch wieder fast eine Art „falsifizieren“: Statt Glück zu vermehren geht Popper den anderen Weg: Leid zu reduzieren. Benachteiligungen aufzuheben.
Menschliche Leiden haben nämlich einen direkten moralischen Appell ans Volk: Den, einfach zu helfen.
Auf die Weise kann er unideologisch und offen die Welt verbessern, ohne bevormundend seine Seligmachung zu predigen.
Klingt alles sehr einfach und einleuchtend, aber wenn man mal überlegt wie kurz zum Beispiel die Geschichte einer evidenzbasierten Medizin ist, oder was wir für absurde Diskussionen beim selbstbestimmten Sterben noch haben, die Ideologie und Religion über persönliches Leid stellen, sind wir von vielen ethischen Basics noch weit entfernt.

 

Utopia und Faschismus

Poppers Idee der offenen Gesellschaft ähnelt sehr seiner Wissenschaftstheorie: Gesellschaft ist stetig an aktuelle Erkenntnisse anzupassen. Immer einem Wandel verpflichtet, ohne den Anspruch jemals perfekt werden zu können.  Genau deshalb müssen ihre Mitglieder auch kritisch und eigenverantwortlich bleiben.

Für manche Leute ist diese Sache sehr unbefriedigend, sie hätten ja gerne die Sicherheit einer idealen Gesellschaft. Und damit im Prinzip auch eine infantile Sehnsucht, Verantwortung abzugeben, an ein System.
Diese Leute wünschen sich dann idealisierende Gesellschafts-Formen. Davon gibt es im Prinzip zwei, die sich in ihrer Konsequenz aber wenig unterscheiden:
Das eine sind die Reaktionären:  Sie  gehen von einer bereits früher existierenden perfekten Gesellschaft aus, von der wir uns ständig wegbewegen. Wer allerdings meint, eine Gesellschaft entwickle sich ständig zum schlechten hin („Früher war alles besser“), möchte alle Veränderungen zum Stillstand bringen.
Das andere sind die Utopisten: Leute, die meinen den optimalen Zukunftsplan für die Gesellschaft zu kennen und ihn umsetzen wollen. Wenn der erreicht wäre, wollte man ihm natürlich Dauer verleihen.
Beide haben eines gemeinsam: Der Reaktionär wie der Utopist haben Gesellschaften im Auge, die sich nicht weiterentwickeln können! In denen ein Wandel ausgeschlossen ist!

Der Punkt ist aber, dass Wandel nur durch massive soziale Kontrolle ausgeschlossen werden kann, und so wären all diese schön ausgedachten  Utopien letztendlich totalitäre Systeme, mit dem entsprechenden Überwachungsapparat. Systeme,  die Menschen daran hindern, auf eigene Faust etwas zu unternehmen. Beispiele dazu sind der Kommunismus (mit seinen zukünftigen Utopien) genauso, wie der Nationalsozialismus (aus der reaktionären Ecke) mit seinen Atlantis- und Arierideen, die in der Esoterik weiterleben und ihren Ursprung unter anderem in der deutschen Romantik haben.

„Der Weg in die Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert“, sagt ein Sprichwort. Unsere Geschichte ist geprägt von ideologischen und religiösen Kriegen. Heute, in Zeiten von Islamismus, neuem Religionsfanatismus und neuem rückgewandten nationalistisch esoterischen Denken nicht minder als in früheren Zeiten.

 

Paradoxien

Popper hat´s überhaupt nicht so mit den fixen Idealen, diesem Totalitären… „Lasst Theorien sterben, nicht Menschen“ hat er mal gesagt“. Statt ungenügenden Gesellschaftstheorien nachzulaufen, wie man es in der ersten Hälfte des 20 Jahrhundert gemacht hat, interessieren ihn mehr die Gesellschafts-Paradoxien.  Ein Spannungsfeld, mit dem man umgehen muss, statt es zu ignorieren! …ganz unideologisch. So entwickeln sich evolutionär sinnvolle Gesellschaftsformen. Die Paradoxie zu erkennen, hilft hernach maßvolle Grenzen zu ziehen, anstatt alles gewähren zu lassen.
Die erste von Poppers Paradoxien ist wohl einfach der Umstand, den ich ich zu Anfang schon dargestellt habe: Dass das einzig gesicherte Wissen das ist, dass es kein endgültig gesichertes Wissen gibt…

Mindestens vier weitere dieser seltsamen Paradoxien werden von Popper definiert: Das der Demokratie, der Toleranz, der  Freiheit, und der Souveränität.

Das Demokratie-Paradoxon:
Theoretisch ist Demokratie die Idee, dass eine Regierung von der Mehrheit der Regierten gewählt wird. Was passiert aber nun, wenn die Mehrheit der Regierten lieber eine Partei unterstützt, die das Ziel hat, Demokratie abzuschaffen? Dadurch entsteht ein kaum aufzulösendes Dilemma. In Ansätzen erleben wir das ja ständig: In der Türkei, in Ungarn und in Russland.
Früher hatten wir das auch in Deutschland, die Nazis kamen an die Macht, und etablierte Parteien wie das katholische Zentrum, die bayerische Volkspartei halfen ihr noch dabei
Die Gefahr besteht immer, dass über demokratische Mittel Regierungen errichtet werden, die man nur  gewaltsam wieder los kriegt: Die sogenannte Tyrannis.
Gegen so ein Regime, das sich auf Gewalt stützt, ist es auch moralisch gerechtfertigt, Gewalt anzuwenden, wenn man die Erichtung freier Institutionen zu Ziel hat und Aussicht auf Erfolg gegeben ist.
Im Prinzip kann also auch undemokratisches Verhalten Demokratie stützen. Das Grundgesetz definiert ja seit seiner Entstehung sogar so ein Widerstandsrecht, auch gegen den eigenen Staat.
Jedenfalls, die Sache ist natürlich ein bisschen zweischneidig, wenn man überlegt, dass sich auch Leute wie Ronald Reagan und Margaret Thatcher gerne auf Popper bezogen haben. Also die Gefahr besteht, dass man demokratische Ziele vorschiebt, um undemokratische Aktionen zu begründen.

Das Toleranz-Paradoxon:
Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Paradox der Toleranz. Eine tolerante Gesellschaft, die alles toleriert, läuft Gefahr auch die Intoleranz zu tolerieren. Den Intoleranten wird dabei die Möglichkeit gegeben, von sich aus wieder Toleranz abzuschaffen, wenn sie die entsprechende Machtfülle haben. Meiner Meinung nach passiert das ständig gegenüber religiösen, nationalen und esoterischen Gruppen, die für sich Toleranz fordern, im Kern aber absolut intolerant sind. Bestes Beispiel sind Pegida und Konsorten, aber auch Religionen, die nur solange tolerant sind, solange sie nicht die Macht zu Intoleranz besitzen.
Um Popper mal direkt zu zitieren: „Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht behalten, Intoleranz nicht zu tolerieren.“

Das Freiheits-Paradoxon:
Die absolute Freiheit führt zum Gegenteil von Freiheit: Nichts könnte den Stärkeren noch davon abhalten, Schwächere zu unterjochen.
Ein Teil davon ist auch die ökonomische Freiheit: Sie macht die komplette ökonomische Ausbeutung der Armen erst möglich.
Absolute Befürworter der Freiheit sind fast immer Feinde der Freiheit. Besonders die, die das Wort „Freiheit in Ihrem Partei-Namen führen“.

Das Souveränitäts-Paradoxon:
Das Paradox der Souveränität liegt ein bisschen schwerer: Die Frage dahinter „wer herrsche“ ist eigentlich falsch gestellt und müsste am ehesten mit „Keiner“ beantwortet werden. Viel mehr zeugt der Umstand, keinen wirklichen Souverän mehr ausmachen zu können, von echter Souveränität. Stattdessen muss man System entwerfen, die Macht aufteilt und sich gegenseitig kontrolliert.

 

So, sind doch knapp über 2500 Wörter geworden, aber ich hoffe es bleibt alles einigermassen verständlich. Es gibt auch einige schöne Videos im Netz, die einem das Denken Karl Poppers nahe bringen, und wo man ihn einmal selbst hören kann:

Alles Gute, Jemseneier

*(Running Gag bei der Homöopathie: Wirkung, Erstverschlimmerung oder falsches Mittel – die Homöopathie erklärt jedes Verhalten zu ihren Gunsten, und ist somit schon als Theorie unbrauchbar.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Über jemseneier

Chiemgauer

Diskussionen

2 Gedanken zu “Karl Popper – von der Erkenntnistheorie zur Gesellschaftspolitik

  1. danke! dem ist nicht weiter hinzuzufügen

    Verfasst von physik urch wollen | Oktober 17, 2015, 11:37 am
  2. Danke für den klasse Beitrag. Da ich gerade Popper lese, hat er mir sehr geholfen etwas Struktur in das Gelesene zu bekommen.

    Verfasst von odetfromm | November 4, 2015, 6:37 pm

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