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Wissenschaftstheorie und kritisches Denken

das Gefühl von Freiheit …der Austausch von Autoritäten …und Schule


Vor kurzer Zeit ist ein Schauspieler gestorben, Robin Williams fand ich sehr sympathisch.
Er hatte immer so eine melancholische nachdenkliche Fröhlichkeit.
So einen aufgesetzten Positivismus, von dem man wohl nie weiß wie echt er ist, und wie lange er hält.
Robin Williams wählte den Freitod. Wir werden ihn vermissen.

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Einer seiner Filme war  „der Club der toten Dichter„.
Über den Film wollte ich längst etwas schreiben, weil er auch mein Leben tangiert.
Also mach ich es jetzt!
Die Geschichte spielt in einem konservativen amerikanischen Internat, mit starren festen Regeln.
Ein System, wo ständig nur gefordert wird.
Viel zu starr und unbegreifbar für Heranwachsende, die sich selbst finden und entdecken müssen.
Und dann gibt es plötzlich diesen Englischlehrer, Herrn John Keating, der mit unkonventionellen Methoden seine Schüler zu begeistern vermag.
Er zeigte ihnen ein „Gefühl“ von Freiheit, extrahiert aus der Poesie, aus Gedichten und anderer Literatur.

Als ich den „Club der toten Dichter“ zum ersten Mal sah, ging ich ich auch noch in die Schule.
Wir waren alle begeistert von dem Film, nur einer unserer jungen Lehrer nicht.
Der hat dann etwas dazu gesagt, was mich über die Jahre geprägt hat.

Er meinte, das was hier als Freiheit verkauft wurde, eben (noch?) keine echte Freiheit war,
sondern erstmal nur der Austausch von Autoritäten:

Dem starren Schulsystem gegenüber stand plötzlich eine Persönlichkeit,
der blind vertraut wurde:

„Oh Captain, my Captain“ heißt es in der Schluss-Sequenz, als der Lehrer die Schule wieder verlassen muß.
Hätte die ungeliebte und unfaire Überreglementierung nun zu einem Führerprinzip umgeschlagen?
Eigentlich endet der Film genau an dieser Stelle…

Tja, als Schüler war das damals für mich echt eine schwierige Frage:
Was bedeutet nun Freiheit eigentlich?
Sich wegschleichen zu dürfen um Gedichte zu rezitieren?  …vielleicht auch.

Und dann kommts im Prinzip zu diesem typischen Freiheitsdilemma:
Wer frei ist, darf selbst entscheiden was er macht und nicht macht.
In dem Moment ist er aber schon wieder unfrei, weil er plötzlich verantwortlich wird für seine Taten…

Guru als Freiheitsbringer?

Die vermeindliche infantile Lösung ist dann dieses Guru-Prinzip:
Man flüchtet aus einem Gefühl der Unfreiheit heraus,
in ein System was bei genauer Betrachtung noch wesentlich unfreier ist!
Wo man nicht mehr die Gleichheit durch aufgestellte allgemeingültige Regeln hat,
sondern sich dem Gutdünken seines spirituellen Führers übereignet.
Einfache Lösungen, oft mit spirituellen Hintergrund, die Diktatur…

Tja, das ist so die Geschichte die sich ständig wiederholt:
Die als ungerecht empfundene Weimarer Republik endete im 3. Reich, einer spirituellen Führerschaft,
herausgebastelt aus christlichen und fernöstlichen Quellen, der Theosophie.
Die sozialistische Revolution endete in den Überwachungsstaaten des Ostblocks und Asiens, mit religiös überhöhten allmächtigen Führerfiguren.
Der arabische Frühling landete bei den Muslimbrüdern…
Lauter Leute, die die Freiheit suchten, aber sich vorher (außer einiger Weniger) nie Gedanken gemacht hatten was das überhaupt sein soll… und so passiert immer wieder nur das eine:
Der meist esoterisch bzw. spirituell aufgeladene Austausch von Autoritäten.

Trutherism –  die absolute Autorität…

Interessant finde ich in dem Zusammenhang eben die Occupy-Bewegung in Deutschland:
Ich war vor Jahren auch bei einer Demo dazu in Traunstein, ausgerufen hat dies damals das Internetportal „Gradraus.de„.
Was mich damals total irritiert hatte, war diese Undefiniertheit der Demonstranten:
Es war nur noch ein wilder Aufmarsch gegen alles Mögliche, ohne Zusammenhang!
Leute die nicht mehr irgendwelche Themen unterscheiden konnten!
Allein die Stimmung unter den Demonstranten war sehr gut, man war sich ja einig… obwohl niemand so richtig sagen konnte, um was es wirklich ging… absurd…
Nur ein trügerisches „Gefühl“ von Freiheit…

Gradraus.de verlinkte mit dem Aufruf zur Demo damals auf einen Blogger, den ich seitdessen abonniert habe.
Dieser Blogger hat anschließend  JEDE nur erdenkliche Verschwörungstheorie absorbiert:
von Chemtrails über die Bilderberger,  von der jüdischen Weltverschwörungen,
von Freimauern und Illuminaten, hin zu Klimaleugnern zu HAARP etc…
Verwundert hat mich das nicht, das  Unvermögen zum Unterscheiden war bei Occupy schon angelegt!
Und seit diesem Frühjahr sind diese alten Occupyer nun bei den rechten Montagsdemos angelangt!
…wen wundert das noch?!

Der Witz ist, das sich diese Truther genau deshalb frei fühlen, weil sie sich selbst so eine Art „Alibi-Religion“ schaffen!
Einen unantastbaren über Allem stehenden hinterhältigen Götterhimmel voller „Bilderberger“ und „Rotschilds“, der Schuld wäre am eigenen Versagen.
Die universelle ganzheitliche Begründung für ihre persönlichen Miseren,
damit die Reduktion persönlicher Verantwortung und somit wieder ein trügerisches „Gefühl“ von Freiheit!

Das Gefühl von Freiheit in der Waldorf-Pädagogik

Da wo sich Guru-Identitäten und Trutherismus in unserem Schulen am stärksten verbinden,
da muss das „Gefühl“ von Freiheit wohl auch am stärksten sein?  … also an den Waldorf-Schulen!
Diesen Eindruck von Freiheit würden diese Institute gerne wecken,
schließlich hatte ja Rudi Steiner vor seinem Schwenk zur autoritären Esoterik ein paar Bücher dazu geschrieben.

Politische Bildung gibt´s an diesen Schulen nur „rudi“-mentär, weil Kinder nach der Ideologie von Steiner sowieso erst mit 15 Jahren (nach dem 2. Jahrsiebt) zum selbstständigen Denken in der Lage wären.
Bis dahin geht´s nur mit absolut autoritärem Unterricht!
Schülermitverantwortungen (SMV, z.B. an staatlichen Gymnasium von Beginn an) gibt es an vielen Waldorfschulen erst ab der Oberstufe.
Gleichzeitig werden Schüler nicht nach objektiven Kriterien gefördert,
sondern  nach  absurden Regeln in Schubladen gesteckt:
Darunter die unsinnige aristotelischen Temperamentenlehre,
der  Zahnstand,
der Auftritt der Füße,
das Sternzeichen…
Der Lehrer wird zum Guru, der autoritären Frontalunterricht macht,
und dessen Pflicht es ist mit esoterischen Hilfsmitteln die karmische Vorbestimmtheit seines Schülers zu erraten!
… um diesen anschließend in diese Richtung zu quetschen.
Link dazu: Hoaxilla-Podcast zu Waldorfschulen

Echte Freiheit ist das Vermögen Wahrheit selbst zu entdecken – Critical Thinking

Der Film erreicht wie beschrieben leider nur die irrationale Gefühlsebene:
Dieses jugendhafte „Sturm und Drang“-Empfinden, was man von Goethes Werther her kennt.
(Auch Goethe ist beim Werther auf Fehlinformationen hereingefallen:
einen unwahren Keltenmythos, der bis heute weitergesponnen wird.)

Wenn wir aus dieser Misere rauswollen,
dann müssen unsere Schulen noch etwas mehr leisten als nur dieses „Gefühl von Freiheit“ zu vermitteln, und das ist anstrengend!
Dazu gehört politische Bildung, die Vermittlung von Demokratie genauso wie das Vermögen zum kritischen Denken!
Das Problem ist, daß man hier durchaus auf ideologische Widerstände stoßen kann, die zumindest an staatlichen Schulen überwunden werden können.
Wer Kindern kritisches Denken an Schulen beibringt, kann nämlich damit rechnen, daß dieses auch auf so spekulative Sachen wie den Religionsunterricht angewendet wird…
Genau das würde aber uns als Gesellschaft gut tun.

In angelsächsischen Ländern ist kritisches Denken oft ein eigenes Unterrichtsfach, das jungen Menschen das passende Rüstzeug an die Hand gibt, um Fehlinformationen zu erkennen.
Am einfachsten geht das beispielsweise über das Erkennen von falschen Argumentationsweisen, den sogenannten Fehlschlüssen.
Wer die intus hat weiß zum Beispiel, daß man Sachverhalte nie über Verschwörungstheorien begründen kann.
Damit wäre unserer Gesellschaft schon sehr viel geholfen.

Die Basis des kritischen Denkens  ist erst mal die selbe Wahrnehmungstheorie, die Wissenschaftler verwenden um gesicherte Erkenntnisse zu erreichen.
Gar kein komplizierter Baukasten: die Falsifizierbarkeit von Theorien, die Verifizierbarkeit von Existenzbehauptungen, diverse Bias, Ockhams Razor, Cherry Picking bzw. die Sache mit den „texanischen Scharfschützen“, Fehlschlüsse…, was eine Anekdote ist, was deduktive und induktive Erkenntnisse sind, Studiendesign, Wahrnehmenstäuschungen…
Dieser Baukasten macht die Leute wahnsinnig unabhängig in ihren Betrachtungen, weil man sich selten noch etwas vormachen läßt… und das ist echte Freiheit!

Vermitteln kann das in Deutschland und Österreich am besten die GWUP.

Ein gutes Beispiel wie das funktionieren kann, sind aktuell die Wünschelrutentest am Gymnasium in Freising!
Kritisches Denken muss man auch selber ausprobieren und Teenager müssen sowieso immer alles in Frage stellen, ohne Respekt vor Autoritäten!
Also lasst sie das machen! Critical Thinking ist die beste Methode dazu!
Vielleicht merken dann auch manche Heranwachsende, wie wichtig z.B. Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung ist.
Ich finde es schade, daß mir damals keiner das so begreifbar gemacht hat…

So etwas wie in Freising würde ich mir im Chiemgau auch wünschen!

LG, Jemseneier

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Über jemseneier

Chiemgauer

Diskussionen

3 Gedanken zu “das Gefühl von Freiheit …der Austausch von Autoritäten …und Schule

  1. Danke für diesen interessanten Artikel und die Linksammlung. Muss auch mal gesagt werden ;-)

    Verfasst von n4u | August 25, 2014, 4:57 am
  2. Das ist Aufklärung wie sie sein soll, auch von mir ein herzliches Dankeschön dafür!

    Verfasst von Alois | August 25, 2014, 3:13 pm
  3. vielen Dank für die netten Worte:-) ich bemühe mich…

    Verfasst von jemseneier | August 25, 2014, 9:54 pm

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